Nationale Suisse
Ob Tunnel oder Ökostadt: Die Nationale versichert fast alles

Die Basler Gesellschaft versichert weltweit hochkomplexe Bauprojekte. Baumaschinen, grosse Bohrmaschinen, Kosten durch Bauverzögerungen aufgrund von Schäden: Die Nationale Suisse versichert so gut wie alles.

Stefan Schuppli
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Auch wenn er kaum sichtbar ist: Der Gotthardtunnel ist einer der spektakulärsten Bauplätze Europas. Ebenso spektakulär sind die mit dem Bau verbundenen Risiken. Waren es anfänglich eher geologische Probleme wie etwa das Auftreten unstabiler Gesteinsschichten oder Wassereinbrüche, so sind es heute, beim Innenausbau, Feuerschäden. Bei Schweissarbeiten entstehen Temperaturen bis zu 2000 Grad.

Auch die Baustelle des Monte-Ceneri-Basistunnels ist bei der Nationale versichert. «Was wir versichert hatten, waren beispielsweise alle Baumaschinen, so auch die grosse Bohrmaschine», sagt Nationale-Suisse-Chef Hans Künzle am Rande der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Abgedeckt sind aber auch allfällige Kosten durch Bauverzögerungen, die bei Schäden entstehen.

«Wir sind immer mehr ein Tunnel-Versicherungsspezialist geworden», sagt Künzle und weist auf die weltweit zahlreichen Untergrundbahn-Projekte hin. Über Versicherungssummen oder Prämien ist ihm jedoch nichts zu entlocken. Nur so viel: Nationale versichert die Alpentransversale nicht alleine, Allianz ist auch mit im Boot. Der Lead des 50/50-Konsortiums liegt aber bei der Basler Firma. Von grösseren Schäden blieb die Versicherung verschont.

Auch Messebaustelle versichert

Ein weiteres Geschäft war die Bauversicherung für den Neubau der Messe Basel (Bauvolumen 430 Millionen), die «Ökostadt» Abu Dhabi, die Versicherung für die weltgrössten Raupenkräne und die 102 Kurzzüge der S-Bahn Porto (Portugal).

Bau- und Technologieversicherungen sind ein wichtiges Standbein der Nationale – und ein Wachstumsbereich obendrein. «Wir bauen Stützpunkte auf in Miami und Kuala Lumpur», sagt Künzle weiter. Von Miami aus wird der lateinamerikanische Markt bedient, von Kuala Lumpur der asiatische. Von zentraler Bedeutung ist das technologische Know-how, denn ohne dieses können Risiken gar nicht erkannt werden. Nationale Suisse hat denn auch 60 in Basel tätige Ingenieure auf der Lohnliste. Eine ihrer Aufgaben ist es, in regelmässigen Abständen die versicherten Baustellen zu besuchen. So können allfällige neu auftretende Risiken rasch erkennt und reduziert werden. «Nebst profunder Fachkompetenz verlangen die Versicherungsverträge von ihren Verfassern Offenheit und ein Höchstmass an Kommunikation mit den Bauherren», sagt Ingenieur-Versicherungsspezialist Kurt Eichenberger in einem Interview mit dem Magazin «Schweizer Bank».

Nationale Suisse hat auch andere Versicherungsspezialitäten, etwa Kunstversicherungen und Seefahrt («Marines»). So hat die Versicherung das Kunstmuseum Basel unter Vertrag. Der Bereich «Specialty Lines» hat 2012 in Europa 170 Millionen Franken an Prämien generiert, in Asien und Lateinamerika je 45 Millionen. Gemessen an den gesamten Bruttoprämien von Nationale machen die Specialty Lines rund ein Drittel aus. Vor fünf Jahren waren es noch 20 Prozent. Eine Ertragszahl nennt Nationale nicht. Der Schaden-Kostensatz beläuft sich auf 95 Prozent. Das Wachstumsziel für die kommenden zwei Jahre liegt bei fünf bis zehn Prozent pro Jahr.

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