Einwohnerrat Riehen
Neue Zentrumsnutzung – muss das Riehener Gemeindehaus bald weg?

Der fürs Riehener Dorfbild prägende Bau könnte einem Grossverteiler weichen und durch einen Neubau beim Bahnhof ersetzt werden.

Tobias Gfeller
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Sanieren, abreissen oder an neuem Standort aufbauen: Die Testplanung soll's zeigen. (Archivbild)

Sanieren, abreissen oder an neuem Standort aufbauen: Die Testplanung soll's zeigen. (Archivbild)

Nicole Nars-Zimmer

Der Gemeinderat von Riehen schlägt dem Einwohnerrat vor, im Rahmen einer Testplanung abzuklären und die Entscheidungsgrundlagen zu schaffen, ob und unter welchen Voraussetzungen das Areal des Gemeindehauses für eine neue Zentrumsnutzung zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Testplanung soll zeigen, ob das Gemeindehaus für über zehn Millionen Franken saniert oder abgerissen und an einem neuen Standort neugebaut werden soll. Als möglichen Standort sieht der Gemeinderat den heutigen Bahnhofsparkplatz an der Bahnhofstrasse vor, wo einst die Landi war. Dies schreibt der Gemeinderat im Politikplan 2021–2024. Der Kredit für diese Testplanung muss zuerst noch im Gesamtgemeinderat diskutiert werden – die Sache ist dort wohl aber klar – und wird dann in den Einwohnerrat kommen.

Düstere Aussichten bei den Gemeindefinanzen

Für die Planperiode 2021 bis 2024 rechnet die Gemeinde Riehen mit jährlichen Defiziten von rund zwölf Millionen Franken. Die prognostizierten Defizite enthalten auch wegen der Coronakrise viele Unsicherheiten. Auf der Ausgabenseite schlagen unter anderem weiterhin die steigenden Kinderzahlen im Bereich Bildung und Familie zu Buche. Auf der Einnahmeseite gehen die Steuereinnahmen zurück.

Der Gemeinderat verzichtet aktuell noch auf Massnahmen und will erst mal das effektive Jahresergebnis 2021 abwarten. Die Gemeinde verfüge über genügend Eigenkapital, um ein Defizit in vorgesehener Höhe aufzufangen, nötigenfalls auch über mehrere Jahre. Finanzchef Daniel Albietz macht aber klar: «Die Aussichten sind wirklich düster. Sollten die Defizite in dieser Grössenordnung eintreffen, müssen wir Massnahmen auf der Ausgaben- und wohl auch auf der Einnahmenseite treffen.»

Migros und Coop wollen vergrössern

Für einen Neubau sprächen zwei Gründe: Zum einen ist das mittlerweile 60 Jahre alte Gemeindehaus in den Bereichen Energieverbrauch, Erdbebensicherheit, Brandschutz und Schadstoffen stark sanierungsbedürftig, zum anderen «blockiert» das zentral gelegene Gemeindehaus an bester Lage wertvollen Boden, der mit einer geschickten Entwicklung Wertschöpfung für das ganze Dorfzentrum bringen könnte. Ziel ist, dass beim heutigen Gemeindehaus ein Grossverteiler einen neuen Laden baut. Migros und Coop, die für eine Gemeinde wie Riehen mit über 20 000 Einwohnerinnen und Einwohnern heute vergleichsweise kleine Läden im Zentrum betreiben, haben bereits Interesse an einer Vergrösserung signalisiert.

Der zuständige Gemeinderat Daniel Albietz (CVP) ist überzeugt, dass ein attraktiver Grossverteiler mit seiner Anziehungskraft für das ganze Dorfzentrum und die noch verbliebenen Läden wertvoll sein könnte. Das hätten ähnliche Projekte in anderen Gemeinden gezeigt. Im Rahmen der Testplanung möchte nun der Gemeinderat das Entwicklungspotenzial des Gemeindehausareals klären und evaluieren, ob auf dem Areal eine Bebauung mit grösseren Verkaufsläden und ergänzend Wohnungen ortsverträglich angeordnet werden kann.

Mit einem Neubau könnte das Gemeindehaus energetisch optimal und unter Berücksichtigung moderner Arbeitsplatzmodelle erstellt werden. Bereits heute platzt der aktuelle Bau aus allen Nähten. Dass für den Neubau der Standort am südwestlichen Ende des Bahnhofs geeignet wäre, wurde in einer groben Machbarkeitsstudie bereits abgeklärt. Albietz ist sich der Brisanz eines möglichen Abrisses des Gemeindehauses bewusst, wird dieses doch als architektonisch wertvoll und für das Riehener Ortsbild als prägend geschätzt.