Im Bau 3 auf dem Gundeldingerfeld war zuletzt die Medien- und TheaterFalle zu Hause, die von der Theaterpädagogin und -produzentin Ruth Widmer über drei Jahrzehnte hinweg zu einem Hotspot des freien Bühnenschaffens entwickelt worden war. Ende Jahr ging Ruth Widmer in Pension und machte den Weg frei für neue Akteure aus verschiedenen Sparten (siehe Box).

Aber jetzt mal ehrlich, braucht Basel neben Kaserne, Roxy, Vorstadttheater, Parterre, Warteck und anderen wirklich einen weiteren Kulturraum für die freie Szene?

«Aber sicher!», sagen unisono Béatrice Goetz von der MIR Compagnie und Sabine Schädler vom Reactor, dem Nachfolgeverein der Medien- und TheaterFalle. Kaserne und Roxy hätten zu Recht ein streng kuratiertes Programm mit je eigenem Profil. Was in Basel aber fehle, sei ein Raum, wo sich die Newcomer aus allen Sparten ausprobieren könnten. Auftrittsmöglichkeiten für den Nachwuchs seien aber absolut essenziell, damit sich eine lebendige Kulturszene entfalten könne.

Das sieht die Christoph Merian Stiftung (CMS) genauso und unterstützt das Projekt Raum 3 mit einer Anschubfinanzierung für drei Jahre. Mit einer flachen Hierarchie und schlankeren Strukturen sollen hier gleichberechtigt und spartenübergreifend das Konkurrenzdenken durchbrochen und Synergien freigesetzt werden.

Starke Verankerung im Quartier

Vernetzung heisst das Zauberwort. Man will auch ins Gundeli und die Stadt hineinwirken, hat bereits Kontakte zum Quartierzentrum geknüpft und dessen Bedürfnisse abgeklärt. Und mit Mini-MIR ist Béatrice Goetz auch schon im Margarethenschulhaus tätig. Ihr Sensorium für zeitgenössischen urbanen Tanz hat sie bereits mehrfach bewiesen und Hip-Hop und Breakdance eindrucksvoll buchstäblich von der Strasse auf die Bühne gebracht.

Bau 3 soll ein Raum für alle werden. Für alle Sparten, Quartier und Stadt, jung und alt, In- und Ausländer, Kulturaffine und Kulturschnupperer, am besten gut durchmischt. Auch Private und Betriebe können den Raum mit dem industriellen Chic für Anlässe mieten. Roche oder Baloise haben hier schon Workshops durchgeführt.

Und wie sehen die grösseren Player den neuen Auftrittsort? Fürchten Sie die junge Konkurrenz? Sandro Lunin, der Leiter der Kaserne, sagt es frisch und frank: «Es ist spannend, zu sehen, wie breit die Basler Theaterlandschaft aufgestellt ist. Dass hier nun in der Nachfolge der Medien- TheaterFalle ein neuer Raum entsteht für freie Gruppen in ihrer ganzen Vielfalt, ist sicher zu begrüssen, und wir freuen uns auf einen freundschaftlichen Austausch.»

Gibt’s wenigstens einen kleinen, feinen Widerspruch aus der Abteilung Kultur der Stadt, weil ihr hier die CMS wieder mal ein verfrühtes Osterei ins Nest legt? Nichts da. Auch Christoph Gaiser, Verantwortlicher für Kulturprojekte beim Kanton, begrüsst ausdrücklich, dass dieser Probe- und Aufführungsraum aus einem Vorgängerprojekt künftig auch spartenübergreifend von der freien Szene genutzt werden kann.

Sabine Schädler vom Verein Reactor hofft auf eine neue Dynamik und sprühende Produktionsideen. Und sie ist zuversichtlich: «Alles geht hier alle an. Das hat der Coach, der uns bei der Konzeptarbeit begleitet hat, auch als herausfordernd und anspruchsvoll bezeichnet. Bei unseren Forumtheatern habe ich erlebt: Da kommen aktiv und kreativ wirklich Menschen aus aller Welt zusammen. Das macht Mut und Freude.»