Corona-Virus

Nach Todesfall: Kanton Baselland will Verdachtsfälle mit mobilen Teams zu Hause testen

Im Kanton Basel-Land ist eine Person am Corona-Virus verstorben.

Im Kanton Basel-Land ist eine Person am Corona-Virus verstorben.

Im Kantonsspital Baselland in Liestal verstarb am Sonntag ein 76-jähriger Mann. Er galt als Risikopatient, litt schon vorher an mehreren chronischen Erkrankungen. Baselland zeigt sich betroffen. Nun sollen Verdachtsfälle von mobilen Teams zu Hause getestet werden.

Das ist die neue Realität in Zeiten des Corona-Virus: Eine Person stirbt, alle sind zutiefst betroffen – doch von einer Überraschung möchte niemand sprechen. «Wir mussten damit rechnen, dass der Todesfall im Kanton Waadt nicht der einzige in der Schweiz bleibt. Nun ist es bei uns passiert – und es wird nicht der letzte Tote sein», bringt es der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber gegenüber der bz nüchtern auf den Punkt.

Dies im Anschluss an eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz am Sonntagnachmittag in Liestal. Dem Vorwurf der mangelhaften Krisenkommunikation wollten sich die Kantonsbehörden nicht noch einmal aussetzen. Dennoch bleibt vieles unklar: Wer war der verstorbene 76-jährige Baselbieter genau? Wie und wo hat er sich angesteckt? Mit wie vielen Menschen hatte er Kontakt, ehe er ins Kantonsspital Baselland (KSBL) kam? «Den genauen Zusammenhang seiner Infektion konnten wir nicht mehr eruieren», sagte etwa Jörg Leuppi, Chefarzt Medizin des KSBL. Man wisse, wo sich der Patient bewegt und mit wem er Kontakt gehabt hatte. Nicht zuletzt aus Rücksicht auf die Angehörigen gebe man dazu aber keine weitere Auskunft. Nur so viel: Der Pensionär habe sich nicht in Italien aufgehalten.

Von links: Monika Hänggi (Kantonsärztin), Jörg Leuppi (Chefarzt KSBL), Gesundheitsdirektor Thomas Weber und Patrik Reiniger (Leiter KKS). Hinten stehend Nic Kaufmann, Regierungssprecher.

Sie informierten über den Todesfall eines 76-jährigen Mannes im Kantonsspital Liestal.

Von links: Monika Hänggi (Kantonsärztin), Jörg Leuppi (Chefarzt KSBL), Gesundheitsdirektor Thomas Weber und Patrik Reiniger (Leiter KKS). Hinten stehend Nic Kaufmann, Regierungssprecher.

Mann lehnte intensivmedizinische Behandlung ab

Was man aber weiss, ist, dass der Mann zur Personengruppe gehörte mit einem erhöhten Risiko, am Corona-Virus zu erkranken. Er hatte mehrere Vorerkrankungen. Gemäss Leuppi habe er unter einer koronaren Herzkrankheit, Altersdiabetes und hohem Blutdruck gelitten. Erst vor Kurzem habe der Mann zudem einen Herzinfarkt gehabt. Der 76-Jährige sei wegen seiner Gebrechen bereits andernorts in Behandlung gewesen, ehe er im Verlauf der letzten Woche ins KSBL nach Liestal verlegt worden sei.
«Der Patient erhielt eine umfassende Behandlung», so Leuppi.

Interessant dabei: Der Chefarzt gab offen Auskunft, dass man auch ein Medikament eingesetzt habe, das beim Kampf gegen den Corona-Virus erst «auf experimenteller Ebene» getestet worden sei. Dies habe eine gewisse Stabilisierung gebracht. Doch: «Als sich sein Zustand wieder verschlechterte, hat er es explizit abgelehnt, intensivmedizinisch behandelt zu werden», erklärt Leuppi. Am Sonntagmorgen sei er dann im Spital verstorben.

Schulschliessungen trotz Elsass weiter kein Thema

Was Thomas Weber, Jörg Leuppi, aber auch Krisenstab-Leiter Patrick Reiniger sowie Kantonsärztin Monika Hänggi am Sonntag mehrfach betonten, war, dass für die Bevölkerung kein Grund zur Beunruhigung bestehe. Patienten mit einer Covid-19-Diagnose würden im KSBL von anderen Bereichen isoliert. Zurzeit seien dort drei der mittlerweile 19 in Baselland erkrankten Personen in Behandlung. Noch habe man genug Spitalpersonal, um alles zu managen.

«Wir haben bis jetzt alles gemacht, was möglich war», sagt Weber im Gespräch mit der bz. Doch der Regierungsrat, der nun offiziell die Arbeit des Krisenstabs begleitet, sagt an der Pressekonferenz auch: «Die Epidemiewelle hat uns erreicht. Ohne weitere Massnahmen wird sie eine Intensität erlangen, die unser Gesundheitssystem gefährdet.» Festhalten will Weber am ordentlichen Schulanfang. Dass im benachbarten Elsass zahlreiche Schulen geschlossen bleiben, ändere an der Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit nichts. Aber: Weber rät von Reisen ins Elsass ab.

Aktiv wird Baselland an anderer Stelle: Rund 40 Zivilschützer wurden aufgeboten, um zusätzliche Infrastruktur aufzubauen. So sollen die Kapazitäten der Notfallstationen der drei KSBL-Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen erweitert werden, wie Reiniger ausführte. Die grösste Herausforderung dürfte es sein, die steigende Zahl der Corona-Tests zu bewältigen.

Mobile Corona-Test-Teams sind ein Pionierprojekt

Hier beschreitet Baselland Neuland: Der Krisenstab rekrutiert medizinische Praxisassistentinnen und schickt sie als mobile Teams zu den Verdachtsfällen nach Hause. «Das Konzept haben wir zusammen mit Basel-Stadt entworfen und setzen es jetzt als Erstes bei uns um, um die Notfallstationen zu entlasten», sagt Reiniger. Es laufe alles gleich ab wie im Spital, einfach bei den Betroffenen zu Hause.

Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, so sei man auch darauf vorbereitet: «Wir prüfen jede erdenkliche Massnahme und das weit im Voraus. Wir müssen der Entwicklung immer einen Schritt voraus sein», sagt Reiniger im Gespräch mit der bz. Konkret rechnet der Krisenstabs-Leiter damit, dass als Nächstes ein personeller Engpass von Spezialisten droht. Früher oder später könnte der Kanton auch an seine Grenzen stossen, weshalb gemäss Reiniger Bundesunterstützung geprüft werde.
Gegen Unterstützung und Vorgaben aus Bundesbern hat Thomas Weber grundsätzlich nichts. Gleichwohl hält er bei dieser globalen Krise die Kantonskompetenzen hoch. Das Wichtigste sei aber: «Das Wirtschafts- und Alltagsleben der Menschen muss trotz Corona-Virus weitergehen.»

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