Artistin
Mit dem Luftrad erobert eine Baslerin weltweit die Zirkusbühnen

Für ihren Traum, Artistin zu werden, verliess die Baslerin Nora Zoller mit 14 Jahren ihr zu Hause. Die Newcomerin ist seit dem auf der ganzen Welt unterwegs und tritt in verschiedenen Varuetés und Theaterhäusern mit ihrer Show auf.

Céline Feller
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Zirkusartistin Nora Zoller
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«Das Performen auf der Bühne wird irgendwann zu einer Art Sucht», sagt Nora Zoller.
«Die erste Variante des Rings habe ich mit einem Freund zusammen selber gebaut», sagt Zoller stolz.
In ihrer Freizeit schnallt sich Zoller auch gerne mal die Ski an: «Ich mache das extrem gern und liebe die Berge.»
Zurzeit weilt sie in Montreal bei der Ecole nationale de Cirque, der berühmtesten und renommiertesten Zirkusschule der Welt.
Nora Zoller: «Ich wollte etwas Originelleres machen, etwas Neues, das es bisher noch nicht gab.»

Zirkusartistin Nora Zoller

Zur Verfügung gestellt

Von Montreal über München bis nach Schanghai. Nora Zoller war schon an vielen Orten auf der Welt. «Jeder Ort, den ich bis jetzt gesehen habe, hatte etwas Faszinierendes und Bezauberndes», sagt die Weltenbummlerin. Aufgewachsen an der Basler Grenze zu Allschwil, verliess Zoller bereits mit 14 Jahren ihr Elternhaus, um ihren Traum zu verwirklichen: Den Traum, eine berühmte Artistin zu werden.

Als sie mit acht Jahren das erste Mal auf der Bühne des Quartierzirkus Bruderholz stand, war es um die heute 20-jährige geschehen. «Die Artistik begeisterte mich von der ersten Sekunde an. Es machte mir riesigen Spass», sagt Zoller. Doch gewöhnliche Akrobatik war ihr zu wenig: «Ich wollte etwas Originelleres machen, etwas Neues, das es bisher noch nicht gab.»

Und so entschied sie sich, Luftrad-Artistin zu werden. Bei der Luftrad-Artistik ist Zoller in einem Ring mit einem Durchmesser von 1,80 Metern, mit dem sie entweder in der Luft hängend Kunststücke zeigt oder sich auf dem Boden in alle Richtungen dreht und verschiedene Positionen einnimmt. Die Idee dazu hatte sie selber. «Die erste Variante des Rings habe ich mit einem Freund zusammen selber gebaut», sagt Zoller stolz. Auch die Tricks hat sie selber entwickelt.

Matura neben dem Training

Angetrieben wird die Baslerin vom Wunsch, immer wieder an ihre Grenzen zu stossen – und diese auch zu überschreiten. «Das Performen auf der Bühne wird irgendwann zu einer Art Sucht.» Um eine berühmte Artistin zu werden, musste Zoller viel Training und Zeit investieren.

An der staatlichen Artisten Schule in Berlin, die Zoller vor einem halben Jahr abgeschlossen hat, musste sie fünf Jahre lang eine Doppelbelastung bewältigen. Zu jeweils vier Stunden Training an sechs Tagen in der Woche kamen noch mehr Stunden Schule, um die Matura zu schaffen. «Ich hatte eine 56-Stunden-Woche, das war schon sehr streng.» Zoller hat den zweispurigen Weg, der Schule und Sport vereint, aber bewusst gewählt. «Eine Verletzung kann so schnell passieren», sagt sie sehr realistisch.

In ihrer Freizeit schnallt sich Zoller nämlich auch gerne mal die Ski an. «Ich mache das extrem gern und liebe die Berge. Ab und an reizt es mich auch, mal über einen Kicker zu fahren. Ich weiss, dass es ein Risiko ist, aber die Alltagsgefahren sind auch hoch.»

Deshalb verliert sie den akademischen Weg nicht aus den Augen. Ein Fernstudium als Event Managerin könnte sie sich vorstellen. Auch unabhängig von einer Verletzung, können die Wenigsten ihr Leben lang dem kräfteraubenden Beruf des Artisten nachgehen. Wie viele Jahre gibt sich Zoller? «Das ist schwierig zu sagen und bei allen unterschiedlich. Ich habe schon Leute gesehen, die mit 50 noch auftreten. Die Luftartistik ist aber ganz anders. Das sind grössere Strapazen – insbesondere für die Knochen.» Zoller will jetzt aber noch gar nicht an ein Ende denken. Der Fokus gilt vorerst ganz dem Hier und Jetzt und ihrer grossen Leidenschaft.

Zurzeit weilt sie in Montreal bei der Ecole nationale de Cirque, der berühmtesten und renommiertesten Zirkusschule der Welt. Zwei Monate lang hat sie die Möglichkeit, drei Mal in der Woche mit den besten Trainern zusammenzuarbeiten. «Das ist ein Traum, der hier wahr wird.»

Heimweh nach Basel

Auch wenn sich alles nach einem Märchen anhört, etwas plagt Zoller ab und an: das Heimweh. «Kurz, nachdem ich nach Berlin gegangen bin, hat es mich sehr geplagt.» Auch heute kommt sie immer wieder sehr gerne nach Hause zurück. Nach dem erfolgreichen Abschluss an der Berliner Schule war sie zum ersten Mal wieder etwas länger – für zwei Monate – zu Hause in Basel. Sonst reicht es meist nur für etwa zwei Wochen. Und dann geniesst sie es, einfach im Elternhaus zu sein. Oder im Acro Ballet Center an der Güterstrasse, wo sie einst ihre noch junge Karriere startete. «Dieser Ort war mein Sprungbrett nach Berlin, dort kehre ich immer wieder gerne hin zurück und treffe alte Freunde.»

Apropos Sprungbrett: Dieses bietet sich der ambitionierten Artistin auch am Young Stage, dem internationalen Zirkusfestival, das vom 17. bis 20. Mai in Basel stattfindet. «Das Festival ist für mich eine riesige Chance, Engagements zu ergattern.» Zoller hat kein fixes Ziel, wie zum Beispiel eines Tages Mitglied des weltberühmten Cirque du Soleil zu werden. Viel lieber will sie in möglichst vielen Varietés und Theaterhäusern auf der ganzen Welt ihre Show zeigen. Eines ist für sie aber sicher: Irgendwann will die Weltenbummlerin zurück nach Hause kommen, nach Basel. Nicht für zwei Wochen, nicht für zwei Monate. Sondern, um zu bleiben.