Figurentheater

Livekonzert: Strandidylle im Wimmelbild

Das Figurentheater mit der Live-Performance «Laguna Beach». (zvg)

Das Figurentheater mit der Live-Performance «Laguna Beach». (zvg)

Neben den fünf verschwitzten Musikern in der Reithalle der Kaserne steht eine ganz kleine Bühne. Dort performen wiederum fünf Musiker. Nur sind diese ungefähr bleistiftgross, aus Pappe und von Elektromotoren betrieben.

Die Ähnlichkeiten zwischen den Figuren und der belgischen Band Frankie sind nicht zu übersehen. Eifrig bewegt sich etwa die kleine Schlagzeuger-Puppe mit ihrem Wuschelkopf im Rhythmus des grossen Ebenbildes.

Dieses kleine Kunstwerk ist allerdings nur der Startschuss zu der viel grösseren Modellinstallation aus unzähligen kleinen motorisierten Figuren und Szenen, die im Theaterstück «Laguna Beach» im Rahmen des Internationalen Basler Figurentheater Festivals den gesamten Bühnenboden füllen.

Der zufällige Einstieg in die professionelle Theaterszene

Als Vincent Lynen zu einer Ausstellung eingeladen wurde, führte seine Band ein Puppenspiel auf. Die Musiker spielten dabei versteckt hinter den Marionetten. Diese Performance löste bei den Zuschauenden eine so grosse Begeisterung aus, dass Frankie gebeten wurden, das Ganze auszubauen. Für die fünf jungen Männer, die sich zuvor hauptsächlich trafen, um gemeinsam Musik zu machen, bedeutete dies der zufällige Einstieg in die professionelle Theaterszene.

In den darauf folgenden fünf Monaten arbeiteten sie an den vielen kleinen Installationen, entwarfen Charaktere und Geschichten. Zuerst noch ohne Narration und Moral. Nach und nach fügten die Belgier die Einzelteile zusammen und kreierten aus der wimmelnden Figurenlandschaft ein faszinierendes Feuerwerk für alle Sinne.

Dazu lassen sie eine wilde Kombination aus Jazz, Punk und atmosphärischem Rock erklingen. Das Endprodukt zieht die Zuschauer während 45 Minuten in den Bann.

Die Bilder werden brutaler, die Musik lauter

Die Szenerie zeigt eine etwas bizarre aber vordergründig idyllische Strandlandschaft. Frauen sonnen sich genüsslich, ein muskulöser Mann macht Sit-ups. Daneben drehen sich Palmen um sich selbst, und von einem Berg aus wird das ganze Treiben von einem finster dreinblickenden Mann mit Fernglas betrachtet. Doch wenn sich der Tag langsam dem Abend zuneigt, werden die Schattenseiten der Idylle sichtbar. Gleich neben den anderen Strandgästen pinkelt jemand an die Wand, ein anderer übergibt sich, drei Menschen schlagen auf einen am Boden liegenden Mann ein. Die Bilder werden immer brutaler, die Musik immer lauter, und die Scheinwerferlichter blenden in den Zuschauerraum, bis ein Autofahrer im Rausch gegen eine Palme fährt und das Auto die Böschung hinunter rast.

Plötzlich reisst eine der Schnüre, mit denen die Musiker die Puppen bedienen. Auf einmal kann die Pole-Tänzerin aus Pappe nicht mehr tanzen. Ganz ungezwungen unterhalten sich die Bandmitglieder dann darüber, wie sie jetzt weiter machen sollen, öffnen eine Coladose und spielen schliesslich weiter – mit einer Lässigkeit, die den Zuschauern den Eindruck gibt, den Männern durch ein Fenster beim Basteln und Ausprobieren in ihrem Bandraum zuzusehen.

Figurentheaterfestival Baff,
Basel. Bis 29. September
www.figurentheaterfestival.ch

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