«Maschinen-Musik»

Lehrstück in Sachen Ironie-Pop: Der Wahlbasler Guy Mandon mit den zehn Kürzestsongs auf «GIF X»

Guy Mandon macht Maschinen-Musik mit Herz.

Guy Mandon macht Maschinen-Musik mit Herz.

Guy Mandon kommt am 23. April mit «GIF X» live ins Humbug in Basel.

Zuerst plätschert das Meer, dann die Musik: Die Akkordfolge ist tausendfach erprobt («La Bamba», «Wild Thing», «Twist and Shout»…), und der Refrain kommt mit den Worten «playa», «oh» und «yeah» aus. Dazu packt Guy Mandon mit Synthie-Bläsern, Eurodance-Orgel und Ibiza-Beat sämtliche Klangsünden der Achtzigerjahre in seinen kurzen Track.

Je nach Sichtweise ist «GIF_07 BEACH», wie der Song heisst, damit Tiefpunkt oder Essenz des zweiten Albums des Wahlbaslers. So ein Stück, egal ob man es nun ernst meint oder als Parodie versteht, braucht Mut. Und den beweist Mandon, den man in der Region von Alt F 4 und Octanone kennt, nirgends mehr als hier. Was nicht heisst, dass Mandon in den übrigen neun Songs von «GIF X» eine radikal andere Herangehensweise gewählt hätte. Eine subtilere vielleicht, mit besser kaschierten Anleihen und weniger zur Schau getragener Ironie.

Das auf USB-Stick erhältliche Album, beginnt mit dem packenden «GIF_0 SUSPICIOUS». Alleine die raffinierte rhythmische Umdeutung bei Sekunde 40 beweist, dass hier ein versierter Musiker am Werk ist und nicht bloss ein Versatzstücke aneinander reihender DJ, wie man von der Instrumentierung her meinen könnte.

Gesamtkunstwerk mit Vermarktungsstrategie

Wer beim Opener noch misstrauisch (eben: suspicious) ist, den dürfte der Doppelschlag aus «GIF_1 LOVE» und «GIF_2 HATE» überzeugen. Wie Mandon hier mit simplen Mitteln – Elektronik aller Art sowie spärliche Gitarren und Perkussion – gegensätzliche Stimmungen aufbaut, ist beachtlich. Und als Gesamtkunstwerk funktioniert die Song-Sammlung obendrein: bis hin zur Vermarktungsstrategie auf den Sozialen Medien. Hier erbat sich Mandon für «GIF_2 HATE» ein «Thumbs down». Schade, dass Facebook aus Angst vor Cybermobbing keine abwertenden Emojis bereithält – also Daumen hoch!

Schade auch, dass sich Guy Mandon mit seinen Songs so konsequent im Kürzestformat bewegt. Das passt natürlich zum Konzept des GIF, jenem 1987 erfundenen Grafikaustausch-Format, das heute mit Mini-Filmchen in Endlosschlaufe ein Revival feiert. Doch wird es den musikalischen Ideen insofern nicht gerecht, als dass die meisten von ihnen tanzbar wären. Doch folgt Mandon mit Songs, die deutlich unter der Drei-Minuten-Marke bleiben, nicht den Anforderungen der Tanzfläche, sondern jenen des Streamings. Anders als beim Radio-Airplay ist dort nicht die Songdauer entscheidend für die Höhe der Ausschüttung, sondern einzig die Tatsache, dass der Hörer mindestens 30 Sekunden verweilt.

Also muss alles Wichtige möglichst früh gesagt sein. Im Fall von «GIF_07 BEACH» dient die kernige Mundart-Zeile «Ich ligge do am Strand / Ich gseh nur no Sand» als denkbar kürzester Weg zwischen zwei Refrains, und schon erklingt wieder der Hook. Das Perfide an diesem Lehrstück in Sachen Ironie-Pop ist, dass man sich ihm nicht entziehen kann: Das Ohr erschafft sich seine eigene Endlosschlaufe.

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