BuchBasel
Katrin Eckert: «Irgendwann war klar, dass es nicht mehr geht»

Die Co-Leiterin des Literaturfestivals erzählt, was von der diesjährigen Ausgabe übrig bleibt.

Hannes Nüsseler
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Anders als in vergangenen Jahren wird der Schweizer Buchpreis im Theater Basel heuer unter Ausschluss der Öffentlichkeit verliehen werden.

Anders als in vergangenen Jahren wird der Schweizer Buchpreis im Theater Basel heuer unter Ausschluss der Öffentlichkeit verliehen werden.

Georgios Kefalas

Waren Sie auf einen Ausfall des Festivals vorbereitet?

Katrin Eckert: Ja und nein. Wir wussten seit Frühling, dass das Risiko einer zweiten Welle besteht. Wir trafen deshalb eine Grundsatzentscheidung und setzten auf das Analoge: Wir wollten die Buch Basel mit dem nötigen Schutzkonzept durchziehen. In den letzten Wochen haben wir uns aber täglich gefragt, ob sich das Festival in dieser Form noch verantworten lässt. Irgendwann war klar, dass es nicht mehr geht.

Ist die Buch Basel finanziell angeschlagen?

Wir werden primär durch Staatsbeiträge seitens Kanton Basel- Stadt und die Christoph Merian Stiftung finanziert, erhalten aber auch Unterstützung vom Swisslos-Fonds Baselland und anderen. Da sind wir jetzt in der glücklichen Situation, dass wir die Beiträge nicht zurückerstatten müssen. Wir hatten vorab mit den Geldgebern auch vereinbart, dass wir den Autorinnen und Moderatoren ein Ausfall honorar zahlen. Insofern können wir diese Absage verkraften.

Was bleibt vom Festival Buch Basel 2020 übrig?

Während der Planung mussten wir ständig Anpassungen vornehmen, wir haben also weniger über den Inhalt als über organisatorische Fragen diskutiert. Trotzdem war für uns von Anfang an klar, dass im Fall einer Absage nicht einfach alles online stattfinden kann. Wir haben deshalb nur einzelne Formate digital vorbereitet, zum Beispiel die Podcasts mit Autorinnen und Autoren sowie eine digitale Zeitschrift. Auch die Lesungen und Laudationen im Zusammenhang mit dem Schweizer Buchpreis sowie die Eröffnungsrede von Ilija Trojanow und Angebote für Kinder sind im Netz. Die Verleihung selbst findet am Sonntag im Theater Basel statt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einige Schwerpunktveranstaltungen werden wir in digitaler Form in das Januar-Programm des Literaturhauses übernehmen.

Wie ist die Situation beim Literaturhaus?

Theoretisch können wir den Betrieb mit maximal 50 Besucherinnen und Besuchern aufrechterhalten: Das ist klar weniger, als wir im Durchschnitt haben, aber keine schlechte Zahl. Die Schwierigkeit dabei ist die absolute Planungsunsicherheit. Ich rechne vermehrt mit Ab sagen. Wir beabsichtigen deshalb, im Frühjahr vermehrt auf regionale Autorinnen und Autoren zu setzen. Ausserdem wollen wir mit hybriden Formaten experimentieren, bei denen beispielsweise Autoren aus dem Ausland zugeschaltet werden. Wenn die Infektionszahlen aber nicht bald sinken, stellt sich die Frage, ob das Publikum überhaupt noch kommt. Und falls die Obergrenze weiter herabgesetzt wird, müssen wir das Literaturhaus wieder schliessen.

Es wäre das zweite Mal innert eines Jahres. Wie geht es Ihnen dabei?

Grundsätzlich sind wir in der glücklichen Lage, dass wir in einer viel sichereren Position sind als die freien Autorinnen und Autoren. Das möchte ich vorausschicken. Persönlich finde ich es aber schwieriger als im Frühling, als man den Lockdown hatte und dachte, das werde sich gegen Jahresende schon wieder beruhigen. Aber die Frage, wie lange die Pandemie noch dauert, und die Unsicherheit, was von der Kulturbranche dann noch übrig sein wird, macht es härter.

Was bedeutet diese Unsicherheit für die Literaturszene?

Die Buchhandlungen laufen zum Glück nicht schlecht, das Geschäft ist nicht zusammengebrochen. Aber da die meisten Autorinnen und Autoren von ihren Auftritten leben, kann ich schlecht abschätzen, wie es da weitergeht – auch mit den staatlichen Ausfallentschädigungen: Mein Eindruck ist, dass diese Gelder nur langsam fliessen. Ich mache mir deshalb schon Sorgen, wenn ich von Leuten höre, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Existenz finanzieren sollen.

Dünnt die Krise die Szene aus?

Das weiss ich nicht. Aber die jenigen Autoren, die in den letzten Jahren gut verdient und ein Polster haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Diese langfristigen Folgen beschäftigen mich sehr. Denn wir können ja nicht davon ausgehen, dass im nächsten April alles vorbei ist. Oder dass eine Impfung dann auch wirklich hält, was sie verspricht, und alle Zugang zu dem Impfstoff haben.

Mögen Sie da überhaupt an die nächste Ausgabe der Buch Basel denken?

Unbedingt! (lacht) Bis nächsten Herbst wird das wieder ein facher möglich sein als in diesem Jahr. Davon gehe ich aus. Ich freue mich darauf, nicht mehr so viel darüber nachdenken zu müssen, was erlaubt ist und was nicht.

Buch Basel

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Buchpreis ab So, 8. 11., auf: www.schweizerbuchpreis.ch