Drogen
Jugendliche dröhnen sich mit Hustensirup zu

Jugendliche berauschen sich seit einigen Jahren mit einem Cocktail aus Hustensirup und Softdrinks. Basler Apotheken kennen das Phänomen gut.

Mark Walther
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Hustensirup

Hustensirup

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Das Prinzip ist immer dasselbe: Hustensirup wird mit Sprite, Schweppes oder einem anderen Süssgetränk gemischt und runtergekippt. Der Cocktail aus Medikament und Süssgetränk dient vor allem Jugendlichen als Rauschmittel. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sind Apotheken in Zürich seit drei, vier Jahren vermehrt mit Jugendlichen konfrontiert, die nach Hustensirup fragen. Nicht, weil sie krank wären – sie sind auf der Suche nach einem Trip, und den liefern ihnen gewisse Inhaltsstoffe im Hustensirup.

Eine Umfrage bei Basler Apotheken und beim Gesundheitsdepartement (GD) zeigt: In Basel tritt das Phänomen vereinzelt auf. «Der Missbrauch von Hustensirup ist in unserem Kanton bisher kein auffallendes Thema», sagt Anne Tschudin, Mediensprecherin beim GD. Einzelmeldungen von Apotheken zu Missbräuchen gingen hin und wieder ein, derzeit jedoch nicht gehäuft.

Berner kaufen in Basel ein

Von den angefragten Apotheken werden nicht alle gleich oft von jugendlichen Hustensirupkäufern aufgesucht. «Das Problem existiert auch in Basel», sagt Susanne Villalonga, Geschäftsführerin der Saner Apotheke unweit des Bahnhofs SBB. Zu ihr kämen seit einem Jahr vor allem Kunden aus dem Kanton Bern, wo die Apotheken die Abgabe von Hustensirup strenger handhaben als in Basel. Der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner mahnte die Berner Apotheken bereits vor vier Jahren, sie sollten Hustensirup nur bei ganz klaren Anzeichen auf gesundheitliche Leiden abgeben. «Seither ist das Problem nicht mehr so gross», sagt Steiner.

Auch Michael Goossens von der Basler Bahnhof Apotheke Drogerie kennt das Phänomen der jugendlichen Hustensirupkäufer. Auch bei ihm kaufen Jugendliche aus anderen Kantonen ein. Er betont, das Phänomen sei nicht neu. In Bahnhofsnähe befinden sich auch die Apotheken von Amavita und Coop. Dort hat man keinen signifikanten Anstieg der Hustensirup-Nachfrage feststellen können.

Auffälliges Klientel

Lydia Isler hat in der Sevogel Apotheke hingegen regelmässig mit Jugendlichen zu tun, die Hustensirup kaufen wollen. Auch sie registrierte die ersten Fälle vor einem Jahr. Die Kundschaft sei zwischen 16 und 20 Jahren alt. Isler unterscheidet anhand verschiedener Tricks, wer wirklich Hustensirup braucht und wer sich bloss damit zudröhnen will: «Die Jugendlichen wollen immer nur Sirup. Wenn ich ihnen als Alternative Tröpfchen mit den gleichen Wirkstoffen vorschlage und sie dies ablehnen, ist der Fall klar.»

In der Saner Apotheke erkennt man rasch, wer nicht wegen Hustenbeschwerden nach Sirup fragt: «Personen, die missbräuchlich Hustensirup kaufen wollen, sind in der Regel jung und männlich.» Schon immer habe die Saner Apotheke die Abgabe von Hustensirup sehr streng gehandhabt. «Das hat sich schnell herumgesprochen. Es kamen bald weniger Jugendliche», sagt Villalonga.

Ein häufiger Wirkstoff im Hustensirup ist, neben Codein und Dihydrocodein, Dextromethorphan. Codein und Dextromethorphan sind rezeptfrei. Einige Apotheken verlangen von sich aus ein Rezept oder nehmen die Personalien auf. Bei Verdacht auf Missbrauch seien sie verpflichtet, die Abgabe zu verweigern, sagt Tschudin.

Codein wird, wie Heroin, aus Rohopium gewonnen und kann psychisch und körperlich abhängig machen. Das Informationsportal «saferparty.ch» schreibt, der Codein-Entzug könne gleich schmerzhaft sein und ähnlich lange dauern wie ein Heroinentzug.