Kabarett

Josef Hader: «Vielleicht bringt das Alter Weisheit»

«Ich trage dieses Hemd nicht mehr»: Josef Hader.

«Ich trage dieses Hemd nicht mehr»: Josef Hader.

Seine Tour führt den existenzialistischen Entertainer Josef Hader (58) auch an den Burghof in Lörrach, wo er Teile seines neuen Programms vorstellt.

Ich soll Ihnen Grüsse von meinem Vater bestellen, der ein bekennender Hader-Fan ist: Er findet Sie super – vorausgesetzt, er versteht Sie…

Josef Hader: Dankeschön! Ja, das ist ein Problem, das wir im deutschsprachigen Raum haben. Bei den Kabarettprogrammen ist es meist einfacher, weil ich weiss, wo ich bin und entsprechend etwas herumbasteln kann an meinem Dialekt. In den Filmen ist das anders. Würde man darin nur ZDF-Deutsch reden, hätte das Publikum in Österreich keine Freude. Da muss es sprachlich authentisch sein.

Woran orientieren Sie sich denn, wenn Sie nach Lörrach ins Dreiländereck kommen?

Ich möchte das Schweizer Nationalgefühl nicht verletzen, aber für mich ist das ein einziger alemannischer Sprachraum, sodass es keinen grossen Unterschied spielt, wo ich auftrete.

Der Burghof kündet Sie mit Fotos an, auf denen Sie in einem gewagten Hemd zu sehen sind, das Sie schon vor Jahren getragen haben. Ist das Bild alt oder das Hemd?

Das ist ein altes Foto, das noch herumgeistert, ich trage dieses Hemd nicht mehr. Das Programm hat sich mittlerweile auch geändert. Das hat man nun davon, dass man so lange dasselbe spielt.

Wie trägt – oder erträgt – man Bühnenmaterial, das schon so lange existiert?

Wie ein Jazzmusiker. Es gibt ein Thema, auf dem man improvisiert, und so mache ich das auch mit meinen alten Nummern. Einerseits mische ich immer wieder neue Sachen dazu, weil ich Teile eines neuen Programms ausprobieren möchte. Andererseits frische ich Altes auf, das ist von Abend zu Abend unterschiedlich.

Was ist der Zusammenhang zwischen Musik und Humor?

Meiner Meinung nach ist Musikalität ganz wichtig, wenn es darum geht, das Publikum zwei Stunden lang im Saal zu halten. Man lebt ja nicht nur von den Witzen, es braucht auch einen inhaltlichen und emotionalen Bogen. Und da glaube ich, dass es keine Solokabarettisten gibt, die ohne solche Bögen auskommen. Ausserdem ist man auf Tour immer mit der Routine konfrontiert und versucht, die Stücke je nach Tagesform so zu spielen, wie sie sich richtig anfühlen.

Sie treten unter dem Titel «Hader spielt Hader» auf: Könnte auch jemand anderes Hader spielen?

Ich habe schon Anfragen bekommen für Programme, die mehr Richtung Theater gingen. Da wurde ich gefragt, ob es einen Text dazu gäbe. Aber das macht keinen Sinn, weil ich diese Stücke so schreibe, dass nur ich sie lesen kann. Das ist wie eine Partitur.

Sie begleiten sich in Ihren Liedern ja auch selbst auf der Orgel.

Ich bin schlecht ausgebildet und habe nur das Akkordeon richtig gelernt. Am Klavier bin ich Autodidakt und kann nicht nach Noten spielen.

Das konnten die Beatles auch nicht…

(lacht) Die konnten echt keine Noten lesen?

Paul McCartney hat vielleicht noch dazugelernt. Aber da Sie das Theater erwähnen: Worin unterscheidet es sich für Sie vom Kabarett?

Kabarett ist live vor Publikum, Schauspielerei bedeutet für mich immer Film. Das sind zwei ganz unterschiedliche Situationen. Kabarett ist eine kurze und heftige Angelegenheit, während der Film ein geduldiges Zusammentragen von Momenten ist. Ich finde diesen Unterschied sehr angenehm, weil man dadurch nicht abstumpft. Man kann sich abwechselnd auf die andere Arbeit freuen.

Kino-Kommissar Brenner ist Ihre bekannteste Rolle. Gibt es einen neuen Fall?

Wir haben das ein bisschen abgeschlossen, weil wir die Figur so schön zu einem Ende erzählt haben. Es gibt einige wunderbare Bücher, bei denen uns bislang aber noch nichts eingefallen ist, was wir über einen reinen Krimi hinaus erzählen könnten. Das wäre für uns ein Rückschritt, weil wir die Figur jeweils in extreme Ecken rücken konnten. Wir haben also gesagt, dass wir mal abwarten: Vielleicht bringt das Alter Weisheit.

Bringt es das?

(lacht) Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt alle möglichen Entwicklungen bei Menschen. Manche Schauspieler oder Kabarettisten werden immer besser, andere werden schlechter. Das ist ein grosses Geheimnis und nicht nur eine Frage der Arbeit. Es hat auch damit zu tun, ob man das Talent hat, dem Alter ins Auge zu schauen. Es gibt Leute, die können das nicht. Die stehen mit 60 Jahren immer noch mit derselben Haltung auf der Bühne, was eine Qualität sein kann – aber auch sehr peinlich. Ich versuche mit jedem Programm, mich ein Stück weit neu zu erfinden.

Als wen erfinden Sie sich?

Generell ist es immer eine gewisse Stilisierung von sich selber, entweder in die Richtung des ewigen Landmenschen, der alles bestaunt, oder in Richtung eines grimmigen, einsamen Mannes. In «Hader spielt ­Hader» bin ich ein existentialistischer Entertainer, der gut gelaunt ist, aber schlimme Dinge sagt. Es ist eine Rolle, die ich auf der Bühne immer gern verkörpert habe, weil er keine verlässliche Figur ist und sich das Publikum fragen muss, ob das jetzt ironisch gemeint ist oder nicht.

Die «schlimmen Dinge», die Ihre Berufskollegin und Landsfrau Lisa Eckhart auf der Bühne sagt, sorgen für Kontroversen. Wie sehen Sie das?

Ich habe beide Programme von ihr ganz gesehen und hatte den Eindruck, dass da eigentlich keine Missverständnisse aufkommen können. Wenn man allerdings einen dreiminütigen Ausschnitt im Fernsehen sieht, wo Themen in einem ganz anderen Umfeld besprochen werden, kann ich verstehen, wie es dazu kommt. Ich würde sagen, wenn man so provokative Dinge im Rahmen einer Fernsehnummer macht, bittet man ein bisschen um Missverständnisse.

Schwarzer Humor ist so etwas wie ein österreichischer Exportschlager. Georg Kreisler lebte einige Zeit in Basel, bevor er zum Sterben in die Heimat zurückkehrte –

In die Heimat nicht! (lacht) Nach Wien auf keinen Fall, er ging nach Salzburg.

Woher kommt das Abgründige im österreichischen Humor?

Bei Kreisler und vielen Kollegen seiner Generation hat das mit dem jüdischen Witz zu tun, der immer ein schwarzer ist und in Wien eine lange Tradition hat. Meine Lieder sind sehr beeinflusst von Georg Kreisler.

Gibt es abschliessend eine Frage, die Sie schon immer einmal beantworten wollten, dazu aber nie Gelegenheit hatten?

Abgesehen von meiner Arbeit – falls die überhaupt jemanden interessiert –, bin ich ja kein Fachmann. Ich habe kein grosses Wissen und brenne auch nicht dafür, meinen Mitmenschen etwas mitteilen zu wollen. Das ist auch der Grund, warum es nie eine Autobiografie geben wird, weil ich nicht das Gefühl habe, etwas vorweisen zu können, was für andere beispielhaft wäre. Es gibt keine Frage, die ich gerne beantworten würde. Aber es gibt viele Fragen, die ich gerne nicht beantwortet hätte.

«Hader spielt Hader», Burghof, Lörrach.
Mi, 28.10., 18 und 20.30 Uhr.
www.burghof.com

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