Jahresbericht 2020
Wegen Corona gabs weniger Patienten fürs Unispital - ausser in den umkämpften Bereichen Orthopädie und Urologie

Das Universitätsspital Basel muss 2020 einen Verlust von 17 Millionen Franken hinnehmen, dies trotz 34 Millionen an Staatshilfen. Auch sonst hinterliess die Pandemie an vielen Stellen tiefe Spuren.

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
Das Unispital will trotz Corona wie geplant in rund einem Jahr mit dem Bau des Bettenturms des Klinikums 2 starten.

Das Unispital will trotz Corona wie geplant in rund einem Jahr mit dem Bau des Bettenturms des Klinikums 2 starten.

Visualisierung: zvg USB

71 Millionen Franken. So hoch beziffert das Universitätsspital Basel (USB) den finanziellen Schaden, den die Covid-19-Pandemie dem Unternehmen 2020 beschert hat. Dass Verwaltungsratspräsident Robert-Jan Bumbacher und Direktor Werner Kübler bei der Präsentation des Jahresberichtes am Donnerstag «nur» einen Reinverlust von knapp 17 Millionen Franken vermeldeten, hatte zwei Gründe: Budgetiert war ein Gewinn von 20 Millionen Franken – und der Kanton Basel-Stadt vergütete dem USB den durch die Bewältigung der Pandemie entstandenen Zusatzaufwand mit 34 Millionen Franken. Den ersten Verlust seit der Verselbstständigung 2012 konnte diese Finanzspritze nicht verhindern.

Damit gibt sich das USB nicht zufrieden. Bumbacher hielt an der virtuellen Pressekonferenz fest: «Auch unsere Ertragsausfälle müssen wir geltend machen können.» Als die bz im Anschluss bei Spitaldirektor Kübler nachhakt, gibt der sich aber kleinlaut:

«Wir haben keine konkrete Forderung an den Kanton und erachten die Chancen als tief, für die Ertragsausfälle noch etwas zu erhalten.»

Ohne Operationsverbot ist es fürs USB anspruchsvoller

Dabei hatte das nationale Verbot für Spitäler, während der ersten Coronawelle elektive, also Wahleingriffe durchzuführen, auch auf das USB grosse Auswirkungen. Und auch während der zweiten und dritten Welle musste das Haus seine Operationstätigkeit reduzieren, um Ressourcen für die Covid-Intensivstation freizuschaufeln. «Die Situation im vergangenen Herbst und auch aktuell war und ist viel anspruchsvoller, weil wir ohne striktes Verbot selbst entscheiden müssen, wann wir unser Elektivprogramm zurückfahren», sagte dazu der Ärztliche Direktor Jürg Steiger.

Universitätsspital Basel in Zahlen

in Mio. Franken 2020 Ver. in %
Umsatz 1195.8 2
Betriebsaufwand 1128.8 6
Betriebsverlust 15.3 –177
Reinverlust 16.9 –185
Mitarbeiter 7741 6
Patienten 37 108 –4
– Anteil BS 44.7 45,7

Bei den Zahlen schlug sich das in Rückgängen des ambulanten Geschäfts sowie bei den Austritten stationärer Patienten nieder (siehe Tabelle). Auch die um zehn Prozent höheren Ausgaben für medizinischen Bedarf wie Schutzmaterialien und Diagnostika sowie eine deutliche Steigerung der Angestelltenzahl hängt zu grossen Teilen mit der Pandemie zusammen.

Orthopädie und Urologie legen trotz Corona zu

Corona wird auch 2021 einen grossen Einfluss haben. Doch das laufende Jahr bringt weitere Veränderungen: Die Neubauprojekte auf dem Spitalareal kommen voran. Die Baubewilligung für das neue Klinikum 2 ist eingereicht, in einem Jahr sollen die Bagger auffahren. Und beim Klinikum 3 kommt der Bebauungsplan 2022 in den politischen Prozess.

Ab Juli soll zudem die neue gemeinsame Spitalliste beider Basel in Kraft treten, die unnötige Operationen bekämpft. Hierzu sagt Kübler klipp und klar:

«Es besteht keine Frage, dass wir die Mengenbeschränkungen umsetzen werden. Es ist nicht unser Ziel, mehr zu operieren, auch nicht in der Orthopädie und der Urologie. Was wir tun, wollen wir aber immer besser machen.»

2020 muss allerdings nüchtern festgehalten werden: Sowohl in der Orthopädie – 2806 statt 2727 – als auch in der Urologie – 1655 statt 1592 – haben die stationären Fälle im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Trotz Corona.