Jubiläum

«Hurra, wir stehen noch!»: Das Schweizerische Architekturmuseum jubiliert – in Basel

Das finanziell angeschlagene Schweizerische Architekturmuseum feiert seinen 35. Geburtstag in Basel.

Durch den grossen zentralen Raum des Museums zieht sich ein langer Tisch. Auf ihm ist die Geschichte des Schweizerischen Architekturmuseums (S AM) dokumentiert. Fein säuberlich sind die Ausstellungen aufgelistet, mit Titel und den entsprechenden Broschüren, die mit der Zeit zu Katalogen wurden – ganz schön viele waren es in den 35 Jahren.

Die Geschichte des Architekturmuseums, das damals noch nicht ein «Schweizerisches» war, begann 1984 mit einem künstlerischen Paukenschlag beziehungsweise Faltenwurf: Der weltberühmte Verpackungskünstler Christo hatte die Innenräume des damaligen Museumsbaus im Domus Haus verhüllt. Und sie endet – vorläufig – mit einem Sprung ins Wasser und der Ausstellung «Swim City» über das Fluss-Schwimmen in Städten als Massenbewegung.

Versteigerung zu eigenen Gunsten

Als Besucherin und Besucher kann man sich nun also auf eine Tour durch die Ausstellungsgeschichte begeben. Zu Beginn dominierten monografische Ausstellungen: Herzog & de Meuron zum Beispiel waren 1988 an der Reihe, Frank O. Gehry 1989, als er mit dem Vitra-Museum in Weil am Rhein seinen ersten Bau in Europa realisiert hatte; Mario Botta folgte 1995. In letzter Zeit waren es vermehrt thematische Ausstellung, zum Beispiel über die «Vibrierende Architekturszene in Bangladesh» 2018.

Und jetzt ist also eine Ausstellung zum 35. Geburtstag des Museums zu sehen. Eine Ausstellung, die eigentlich gar keine richtige ist, wie Museumsdirektor Andreas Ruby an einer Medienführung sagt. Er versteht sie eher als «verräumlichtes Geburtstagsfest». Das wird im ersten Saal deutlich, an dessen Rändern sich kleine Berge mir rosaroten Räppli türmen – als «vorweggenommene Hinterlassenschaft des Festes».

Im letzten Saal wiederum sind Geschenke von Schweizer Architekten ausgestellt – der Zunft, die sich stets tatkräftig für die Institution eingesetzt hat. Es sind Gaben, die das Museum am 26. Oktober zu seinen eigenen Gunsten versteigern wird. Eine Skizze von Jacques Herzog ist darunter, eine von Santiago Calatrava, ein Foto von Markus Diener oder der Prototyp einer Wandlampe von Harry Gugger.

Das Museum ist auf private Zuwendungen angewiesen – «unser Eigenfinanzierungsgrad beträgt 80 Prozent», sagt Verwaltungsdirektorin Michèle Thüring nicht ohne Stolz. Dass dieser so hoch ist beziehungsweise sein muss, ist aber nicht nur Grund zur Freude. Der Bund hat dem «schweizerischen» Museum nämlich die Subventionen von 300'000 Franken jährlich gestrichen.

Um das Überleben des Museums zu sichern, erhöhte der Kanton letztes Jahr seine Beiträge von 80'000 auf 250'000 Franken pro Jahr. 130'000 Franken müssen bis 2022 durch private Zuwendungen gedeckt werden.

Architektur behält Primat über Design

Die Basler Museumsleute haben die Hoffnung auf Bundesgelder aber nicht aufgegeben. 2022 entscheidet das Bundesamt für Kultur nämlich erneut, welche Museen während der nächsten Subventionsperiode ab 2023 unterstützt werden sollen.

Ist diese ausgestellte Feier also auch eine Aktion, um auf sich aufmerksam zu machen? Das Alter von 35 Jahren zum Jubiläum zu veredeln, ist doch eher ungewöhnlich.

Direktor Ruby beantwortet diese Frage mit einem Jein. Das Basler Architekturmuseum sei eines der ersten seiner Art in Europa gewesen, sagt er. Und es sei nach 35 Jahren eines von wenigen Museen, das die Architektur in der Zwischenzeit nicht dem Design untergeordnet habe.

«Wir wollen zeigen, dass die Architektur hier in Basel noch ein Haus für sich selber hat», sagt Museumsdirektor Ruby. Das sei richtig und wichtig so, nicht zuletzt auch als Botschaft für die Schweiz als Land mit herausragender Architektur.
Dieser Satz dürfte nun wirklich direkt an die Adresse des Bundesamts für Kultur gerichtet sein.

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