Rheinbord
Heimatschutz will gegen die Pläne der Roche vorgehen

Der Heimatschutz Basel wehrt sich gegen den möglichen Abriss von Industrie-Gebäuden am Rhein. Diese würden zu den Wahrzeichen des industriellen Basel gehören.

Benjamin Rosch und Daniel Ballmer
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Die Gebäude vor dem Roche-Turm sollen weichen und zum Rhein hin mehr Grünfläche Platz machen.

Die Gebäude vor dem Roche-Turm sollen weichen und zum Rhein hin mehr Grünfläche Platz machen.

Kenneth Nars

Den «grössten städtebaulichen Eingriff seit dem Abbruch der Stadtmauern». So nennt der Verein Heimatschutz Basel die baulichen Entwicklungen auf dem Roche-Areal. Gemeint sind die Turmbauten zu Basel, aber auch die Veränderungen auf dem Süd- und Nordareal des Pharma-Konzerns. Die bz hat am Dienstag berichtet, dass sich das Anliegen der Roche konkretisiert, den südlichen, zum Rhein hin gewandten Teil ihres Industriegebiets neu zu überdenken.

Ein Mitarbeiter aus dem Architekturbüro Herzog & de Meuron hat bestätigt, dass ein Auftrag zur Neukonzeption vorliegt. Dieser sieht wohl einen Abriss von mehreren Gebäuden vor, die heute das Rheinbord dominieren. Mit diesem Vorhaben stösst die Roche nicht nur bei Anwohnern auf Unbill. Auch die Heimatschützer sind empört, wenngleich aus anderen Motiven: Ihnen liegt die Architektur der bestehenden Gebäude am Herzen. Bereits im vergangenen Jahr haben sich Mitglieder des Vereins mit Vertretern des Pharmaunternehmens getroffen, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das der bz vorliegt. Darin steht: «Die Roche möchte als Folge der Verdichtung mit Hochhäusern diese bedeutenden Industriebauten abreissen lassen und die Rheinfront nur noch locker bebauen.»

Verein droht mit Einsprache

Präsident Christof Wamister führt das Inventar der schützenswerten Ortsbilder Schweiz (ISOS) ins Feld. Daraus zitiert er, dass es sich beim Roche-Gebiet um ein «architektonisch selten hoch stehendes Industrieareal» handle. Die Gebäude 68 bis 71, die einer Öffnung zur Rheinseite zum Opfer fallen würden, spricht Wamister direkt an: «Der Bau 71 bildet mit den benachbarten Bauten 70, 69, 68 die in der Vogelperspektive wie ein Kamm gestaltete Rheinfront (Roland Rohn, 1958-60), die bis jetzt für das Erscheinungsbild prägend ist und zu den Wahrzeichen des industriellen Basel gehört.» Noch heute erinnert am Schafhauserrheinweg eine Plakette daran, wie sehr sich der Heimatschutz bei der Errichtung jener Gebäude gefreut hatte. Nun behält sich Wamister vor, Einsprache einzulegen, sobald das Baubegehren tatsächlich vorliegt.

Es ist ein Kampf, den Wamister wohl ohne Unterstützung eines häufigen Verbündeten, der Denkmalpflege, ausfechten muss. Schon als der zweite Roche-Turm planerische Tatsache wurde, muckte die staatliche Institution nicht auf – zu kleinkariert wäre eine Beschwerde angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Mega-Projekts erschienen.

Auch bei Mitgliedern der grossrätlichen Bau- und Raumplanungskommission stossen die Roche-Pläne in ersten Reaktionen auf grosses Wohlwollen: «Das dünkt mich eine tolle Sache und eine klare Verbesserung», sagt SP-Grossrat René Brigger. Bereits beim kürzlich abgesegneten Bebauungsplan für den nördlichen Areal-Teil habe die Kommission die Auflage gemacht, dass bei weiteren Planungen auf dem südlichen Teil der Solitudeweg durchgehend gestaltet werden müsse. Der Langsamverkehr solle entlang des Rheins behinderungsfrei zirkulieren können. «Jetzt geht die Roche sogar noch weiter, als wir gefordert haben», sagt Brigger.

Auch FDP-Grossrat Andreas Zappalà hält nichts von präventivem Widerstand. Der Roche seien nicht schon vorzeitig allzu viele Schranken zu setzen. Erst sollten die konkreten Pläne abgewartet werden. «Es ist aber zu hoffen, dass diese den Interessen der Bevölkerung entsprechen mit einer Öffnung des Parks zum Rhein hin und einem erweiterten Veloweg.» Das scheine jetzt auch der Fall zu sein.