Glosse
Einsatzbereit zur falschen Zeit

Eine Debatte über Musik und Nachhaltigkeit? Sehr gerne, aber bitte nicht ausgerechnet jetzt.

Stefan Strittmatter
Stefan Strittmatter
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Erinnerungen ans Open Air Basel Konzert 2015 (Archiv)

Erinnerungen ans Open Air Basel Konzert 2015 (Archiv)

Bild: Zvg/Robin Trachsel

Diese Woche findet mit dem M4Music das grösste Pop-Branchentreffen der Schweiz statt. Noch bis Freitag trifft sich die Szene zu Konzerten und Diskussionen. Dieses Jahr aus bekannten Gründen ausnahmsweise «im digitalen Raum».

Das Programm fällt etwas wortlastiger und klangärmer aus als in vergangenen Jahren, aber es kann sich sehen lassen. Aufhorchen lässt ein Stream zum Thema «Mehr Klimaschutz in der Musikindustrie: CO2-neutrale Musikkultur».

Es soll darin um die Emissionen gehen, die bei der Produktion und dem Versand von Tonträgern anfallen, beim Veranstalten eines Festivals oder bei internationalen Touren. Dass Kunstschaffende und Veranstalter ihr Verhalten überdenken, ist ein löbliches Ansinnen.

Doch ist der Zeitpunkt unglücklich gewählt. Tonträgerverkäufe sind seit der Jahrtausendwende im steten Sinkflug, so dass man hier – wenn auch unbeabsichtigt – jede noch so grüne Hoffnung beim Ressourcensparen längst übertroffen hat. Und dann ist da der Kulturlockdown, der seit nunmehr einem Jahr sämtliche Konzerte faktisch verunmöglicht.

Die Szene ausgerechnet mitten in ihrer längsten Zwangspause seit Menschengedenken zur Mässigung anzuhalten, spricht nicht von Takt und Timing. Zugegeben, der Ton macht die Musik. Noch wichtiger jedoch ist, dass man seinen Einsatz zur richtigen Zeit erwischt.