Antikenmuseum Basel

Gladiatoren – die Kampfmaschinen der Antike

Der Mensch hinter der Gladiatorenmaske war für die Römer unwichtig. Nun gibt ihnen das Antikenmuseum Basel ein Gesicht.

Männer wie Frauen fürchteten sich vor ihnen, spotteten über sie, waren von ihnen angezogen und angeekelt. Gladiatoren wurden verachtet für ihre Knechtschaft, ihre Gewaltbereitschaft und ihre Nähe zum Tod. Gleichzeitig wurden sie bewundert für Tapferkeit und kämpferisches Geschick.

Genau um diese Widersprüchlichkeit der Gladiatorenfigur dreht sich die aktuelle Ausstellung im Antikenmuseum Basel. «Das Thema der Gladiatoren ist nicht neu», räumt Museumsdirektor Andrea Bignasca ein, «doch wollen wir die wahre Geschichte erzählen.» Darunter versteht er eine Abkehr vom verbreiteten, blutigen Bild eines Gladiatorenkampfes, meist durch Hollywoodfilme verstärkt, und rückt sozialpolitische Aspekte ins Zentrum.

Tapferkeit, Mut und Todesverachtung

Die Gladiatoren waren nicht da, um sich in der Arena brutal niederzumetzeln, sondern sie verkörperten für die Römer wichtige Tugenden: Tapferkeit, Mut und Todesverachtung. Die Kämpfe hatten somit eine Vorbildfunktion. Sie waren in erster Linie politische und moralische Botschaften. Kampfpaare wurden so eingeteilt, dass beide Kämpfer gleiche Siegeschancen hatten. Begnadigungen gehörten ebenso dazu wie tödliche Hinrichtungen.

Die Männer unter den Helmen, Beinschienen und Schulterplatten kämpften für Ansehen. Innerhalb der Amphitheater waren sie zwar gefeierte Helden, ausserhalb der Arena jedoch eine gesellschaftliche Randgruppe, rechtlich und sozial diskriminiert. Die meisten Gladiatoren waren Sklaven, Kriegsgefangene und verurteilte Verbrecher. Es gab unter ihnen aber auch viele freie Römer aus den unteren sozialen Schichten, die für Ruhm und Ehre einen frühen Tod freiwillig in Kauf nahmen. In den Kasernen lebten sie fern von Familie und Freunden, dafür erhielten sie eine ausgezeichnete medizinische Versorgung und eine professionell durchdachte Ernährung. Zudem waren sie bei den Frauen sehr beliebt.

Gladiatorenmosaik von über 60 Quadratmetern

Auch ausserhalb von Basel in der Römerstadt Augusta Raurica waren Gladiatorenkämpfe allgegenwärtig. Neben dem Amphitheater in Augst deutet vor allem ein Mosaik darauf hin: 1961 wurde ein Mosaikboden mit einer beachtlichen Grösse von ursprünglich über 60 Quadratmetern in einer herrschaftlichen Villa entdeckt. Im Antikenmuseum Basel wird das kürzlich renovierte Mosaik nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. «Im Rahmen dieser Ausstellung gab es die Möglichkeit und die Gelder, das Gladiatorenmosaik restaurieren zu lassen», sagte die Leiterin des Museums Augusta Raurica Lilian Raselli sichtlich gerührt.

Tatsächlich ist das prächtige Mosaik aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. der grosse Hingucker der Gladiatorenausstellung: Auf fünf Feldern sind farbenfroh und detailgetreu Gladiatoren im Zweikampf zu sehen, ein sechstes ist verloren. Damit hat die langjährige Odyssee des Mosaiks durch verschiedene Depots und Lagerhallen ein vorerst glückliches Ende gefunden. Auf einzelnen Platten wurde es nach Basel transportiert und von Experten vorsichtig zusammengesetzt. «Das Mosaik kam zuerst, danach wurden die Ausstellungswände darum herum errichtet», sagt Kurator Esaù Dozio über die logistischen Herausforderungen, die mit einem Kulturgut dieser Grösse einhergehen.

Voyeurismus hat in der Ausstellung wenig Platz

In den dunkel gehaltenen Ausstellungsräumen im St. Alban-Graben leuchtet das Gladiatorenmosaik auch sinnbildlich für die langjährige Partnerschaft zwischen dem Antikenmuseum Basel, dem regionalen archäologischen Partner Augusta Raurica und dem Forschungslabor in Avenches, wo die umfassenden Restaurierungsarbeiten stattfanden.

Beeindruckend sind auch die Leihgaben aus dem Museo Archeologico Nazionale in Napoli. Nur wenige Gladiatorenwaffen sind erhalten geblieben, fast alle wurden von Neapel nach Basel gebracht. Die Helme, Beinschienen und Schulterplatten verdeutlichen: Gladiatorenkämpfe waren zweifellos brutal und endeten manchmal tödlich, doch dienten sie in erster Linie einer politischen Agenda. Voyeurismus hat in dieser Ausstellung wenig Platz. Hier geht es nicht um Blutvergiessen, sondern um einen wichtigen Teil der römischen Kultur und Weltanschauung.

«Gladiator – Die wahre Geschichte» fasziniert und überrascht. Die Ausstellung beginnt nicht etwa im Römischen Reich, sondern in Griechenland. Der Ursprung der Gladiatorenkämpfe liegt im griechischen Bestattungsritual. In den Ausstellungsräumen werden rituelle, ethische, soziale und politische Aspekte beleuchtet. Sensationelle Funde aus Italien, eine schematische Kampfarena und künstlerische Installationen lassen die Welt der Gladiatoren aufleben.
So bekommen die Männer, deren tödlicher Charakter für den Unterhaltungswert ausschlaggebend war, erstmals ein menschliches Gesicht.

 

«Gladiator»
Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig,
bis 22. März 2020.

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