Wie kann ein persönlicher Bezug zwischen einer aztekischen Götterfigur und einem Ausstellungsbesucher geschaffen werden? Wieso spricht manche Besucher eine Frauenbluse mit mola-Applikationen an und andere ein 600 Jahre altes Salzgefäss aus Sierra Leon? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Museum der Kulturen und entschied sich zum 125-Jahre-Jubiläum des Museums eine Ausstellung zu konzipieren, die ganz persönliche Ansichten auf die Exponate thematisiert.

Zu Beginn des Jahres wurden deshalb 30 Gruppen eingeladen, das grosse Depot des Museums der Kulturen zu besuchen und ihre Lieblingsobjekte auszuwählen. Auf der Website der bz wurde anschliessend über die Objekte abgestimmt. Die 125 Gewinnerobjekte können ab heute Freitag in der Ausstellung «Wünsch dir was» betrachtet werden. In aufwendiger konzeptioneller Arbeit hat Kuratorin Karin Kaufmann die Objekte in 19 Kategorien unterteilt.

Kategorien und Einzelgänger

Die Kategorien sind nicht wie sonst üblich an Epochen oder Herkunft orientiert. Vielmehr richten sie sich nach den Auswahlgründen der Besucherinnen und Besucher. So sind Kategorien wie «Geschichtsträchtig», «Wie die Zeit vergeht» und «faszinierend fremd» entstanden. «Die Ausstellung versammelt und präsentiert daher nicht nur Objekte, sondern auch die persönlichen Bezüge zum Objekt», sagt Kuratorin Kaufmann.

Manche Auswahlkriterien liessen sich allerdings keiner Gruppe zuordnen. So entstand die Kategorie «Einzelgänger», die all diejenigen Objekte versammelt, die aus einem ganz besonderen Grund ausgewählt wurden. In dieser Kategorie befindet sich auch ein Spielzeugkamel auf Rädern. Der Grund: «Das arme, hässliche Kamel kommt sonst nie in eine Ausstellung!»

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Feinste Schnitzkunst

In der Kategorie «Wie die Zeit vergeht» sind Objekte versammelt, die den Wandel der Zeit veranschaulichen. Viele Dinge erinnern an die Sorgfalt, mit der die Gebrauchsgegenstände in der Vergangenheit hergestellt wurden. Häufig spielte bei der Auswahl dieser Objekte auch die Nostalgie eine grosse Rolle. Auch der Kamm aus Papua-Neuguinea, den sich die ehemalige Ethnologiestudentin Selina Schürmann ausgesucht hat, wurde dieser Kategorie zugeordnet: «Mich faszinieren vor allem die feinen Schnitzereien, sie zeugen von enormer Handwerkskunst», sagt Schürmann.

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Aus Liebe zur Musik

Helena Roth beschäftigt sich persönlich sehr oft und gerne mit Musik und Klängen. Als sie im Depot die Abteilung mit den Instrumenten erreichte, wusste sie bereits, dass sie ihr Wunschobjekt hier finden wird. Ganz besonders gut gefiel ihr eine Bogenlaute, die aus Kamerun oder Ghana stammt. Für diese entschied sie sich sofort. Erst als sie später über ihre Entscheidung nachdachte, fiel ihr ein, dass sie ein ähnliches Instrument zuhause hat. «So ist das bei Zufällen, etwas fällt einem ins Auge und erst später merkt man, dass es dafür einen guten Grund gab», sagt Roth.

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Machtdemonstration

«Ich war hilflos überfordert von all den Objekten im Depot», erzählt Marianne Zierath. Als die Mitarbeiter dann aber zwei Rollschränke auseinander zogen, erschien plötzlich dieser Pfeiler. «Ich war direkt wahnsinnig begeistert», sagt Zierath. Erst als sie das Objekt näher betrachtete, erkannte sie die Erhängungsszene und wurde etwas misstrauisch. Später erklärte ihr die Kuratorin aber die Geschichte des Pfeilers. Er stammt aus einem Königspalast in Kamerun, wo er zur Machtdemonstration diente. Was besonders überrascht: Er wurde vom Herrscher selbst geschnitzt.

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Verstreute Kultur

Tashi Tsering wusste schon bevor er ins Depot ging, dass er ein Objekt aus Tibet aussuchen wird. Gemeinsam mit einigen Tibetern wurde er zum Depotbesuch eingeladen. Die Absicht der Gruppe war es, einige Objekte, die bei der Tibetausstellung von 2003 gezeigt wurden wieder an die Öffentlichkeit zu bringen. «Genauso wie die Menschen aus Tibet sind auch die Objekte dieser Kultur seit den 50er Jahren auf der ganzen Welt verstreut. Wir wollten daher die Exponate wieder ans Licht bringen und auf diesen Umstand aufmerksam zu machen», sagt Tsering.