Wohnen
Gegentrend: Immer mehr Basler Mietwohnungen stehen leer

Immer mehr Mietwohnungen stehen leer. Basel-Stadt nimmt damit den Gegentrend vielen Teilen der Schweiz ein.

Benjamin Rosch
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Vor allem kleinere Wohnungen stehen öfter leer. Blick aus dem Meret-Oppenheim-Hochhaus.

Vor allem kleinere Wohnungen stehen öfter leer. Blick aus dem Meret-Oppenheim-Hochhaus.

Keystone

Sie ist eine der grössten Sorgen der Bevölkerung: die Basler Wohnungsknappheit. Nun zeigen neueste Zahlen des Amts für Statistik eine Entspannung; die Leerstandsquote sinkt (siehe Box unten). Patrick Schnorf von der Immobilien-Beratungsfirma Wüest Partner ordnet ein.

Herr Schnorf, wie sind die aktuellen Zahlen zum Basler Wohnungsmarkt einzuschätzen?

Patrick Schnorf: Grundsätzlich sind die Zahlen sehr interessant. Sie zeigen einen anderen Trend als in jenen Kantonen, die bereits neue Zahlen veröffentlicht haben. In Zürich und im Aargau etwa sinkt die Leerstandsquote. Aus Mietersicht ist das grundsätzlich positiv.

Wieso tickt Basel anders?

Ich teile die Ansicht des Kantons, dass die sinkende Leerstandsquote auf die erhöhte Bautätigkeit zurückzuführen ist. Gleichzeitig ist das Interesse an Basel als Wohnort ungebrochen hoch. Dass sich der Wohnungsmarkt im Gegensatz zu anderen Zentren inzwischen etwas entspannter präsentiert, lässt sich überdies noch in anderer Weise beobachten.

Patrick Schnorf, Immobilienexperte «Basel ist ein attraktives Pflaster und die Nachfrage nicht vollständig gedeckt.»

Patrick Schnorf, Immobilienexperte «Basel ist ein attraktives Pflaster und die Nachfrage nicht vollständig gedeckt.»

zvg

Welche denn?

Da wäre beispielsweise die Anzahl Suchabos pro ausgeschriebener Mietwohnung. In Basel verfolgen jede neue Wohnung im Schnitt 1,3 Personen mittels Abo auf einer Immobilienplattform. Das liegt ungefähr im Schweizer Schnitt. In Bern sind es 4,4 und in Zürich 4,7. Anders sieht es beim Kaufinteresse für Eigentumswohnungen aus. Hier beträgt die Quote in Basel 7,3 Suchabos pro ausgeschriebener Wohnung – der Markt kann als ausgetrocknet bezeichnet werden. Erwähnenswert ist die Angebotsquote, die für Eigentumswohnungen bei lediglich 1,7 Prozent liegt und für Mietwohnungen bei 6 Prozent. In Zürich ist sie nur halb so hoch. Für Basel bedeutet das: Es stehen mehr Mietwohnungen zur Verfügung.

Dürfen Mieter nun mit tieferen Mietzinsen rechnen?

Das denke ich nicht. Man darf nicht vergessen: Die Leerstandsquote ist noch immer tief, auch wenn ich nicht das politisierte Wort «Wohnungsnot» gebrauchen würde. Basel ist ein attraktives Pflaster und die Nachfrage ist nicht vollständig gedeckt. Allerdings kann es sein, dass die Mieten nicht so steigen, wie sie es in den vergangenen Jahren taten.

Wohnungsnot mildert sich weiter

In Basel stehen immer mehr Wohnungen frei. Das zeigen neueste Erhebungen des Statistischen Amtes. Innert Jahresfrist ist die Leerstandsquote von 0,7 Prozent auf 1 Prozent geklettert. In Zahlen: Es stehen 1124 Einheiten frei. 342 mehr als im vergangenen Jahr. Mit diesem Wert liegt Basel-Stadt deutlich über jenem anderer Grossstädte in der Schweiz. Zum Vergleich: In Winterthur (0,8 Prozent), Genf und Bern (je 0,6) und Zürich (0,1) präsentiert sich die Situation deutlich prekärer.

Noch vor fünf Jahren war die Lage auch in Basel anders. Damals standen nur 0,2 Prozent aller Wohnungen leer. Das Bild schärft sich, nimmt man die Struktur der verfügbaren Wohnungen unter die Lupe. Grund für die leicht höhere Quote sind vor allem kleine Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern, während Immobilien ab vier Zimmer deutlich seltener auf Mieter warten. Grund für die Entspannung der Wohnungsnot – die per Definition bis zu einer Leerstandsquote von 1,5 Prozent besteht – ist die erhöhte Bautätigkeit. «Mehrere Transformationsareale mit hohem Entwicklungspotenzial versprechen zusätzliche positive Impulse auf dem Wohnungsmarkt», schreibt Stadtentwickler Lukas Ott. (bro)