«In Basel ist die Clubkultur relativ klein. Das bringt Probleme mit sich: Es ist immer eine gewisse Spannung vorhanden. Man gönnt sich den Erfolg manchmal nicht so recht», sagt Initiant Bedran Atila, DJ im «Viertel»-Club auf dem Dreispitz. Jeder der Beteiligten habe den Konkurrenzkampf in der Szene selbst schon erlebt. «Häufig verbieten die Clubs den angestellten DJs, an anderen Orten aufzulegen», so Mitorganisator Alain Meyer. Nicht selten gehe dabei die Leidenschaft für die Musik verloren.

Damit soll nun Schluss sein. Diesen Samstag findet in einem Basler Industriegebäude die erste Party der Veranstalter statt. Wo genau, das wollen sie erst am Samstagmittag mitteilen. Doch schon jetzt ist klar: Die DJs, die in unterschiedlichen Formationen schon in allen Basler Clubs aufgelegt haben, bringen ein riesiges Publikum mit.

In den sozialen Medien ist das «Netzwerk», wie sich die Veranstalter nennen, bereits jetzt wahnsinnig beliebt. Auf Facebook interessieren sich mehr als 3000 Leute für die erste Party. Entsprechend gut läuft der Vorverkauf: Die Veranstalter rechnen mit einer Besucherzahl im vierstelligen Bereich.

«Party zu einem Erlebnis machen»

Die Zusammenarbeit der DJs ist nicht selbstverständlich. Alle haben einen anderen Hintergrund. Bedran Atila arbeitet als DJ im «Viertel» und betreibt das Label «About Us». Durali Inan und Manuel Jäggi sind mit ihrem Label «Vinyl.Only» im Dreiländereck grossgeworden.

Yves Frossard war letztes Jahr DJ im «Singer»-Club am Marktplatz und führt das Label «Be Together». Auch Alain Meyer und Mirco Bianchi gehören mit ihrem Label «Absolute Techno» fest zur Basler Partyszene, organisierten Events im «Borderline» und wurden bereits mit dem Swiss Nightlife Award ausgezeichnet.

Im August 2018, als sie sich alle zum ersten Mal zusammensetzten und über ein gemeinsames Projekt nachdachten, da seien sie deswegen vor allem Konkurrenten gewesen, erzählt Atila. «Zu Beginn waren wir skeptisch. Wir mussten uns erst einmal finden.» Trotzdem wurde aus der Skepsis irgendwann Vertrauen. Mittlerweile fühlten sie sich wie eine Familie, betonen die Beteiligten. Seit August haben sie sich jeden Mittwochabend getroffen, nie habe jemand gefehlt.

Die letzten Tage feilten sie bis tief in die Nacht an den Dekorationen für die Eröffnungsparty. Diese sind Teil des Anlasses: Die Veranstalter werden überdimensionale Skulpturen und Lichtinstallationen einsetzen, welche die drei Tanzflächen in «komplett verschiedene Welten» verwandeln sollen. «Wir möchten die Party zu einem Erlebnis machen, bei der es um mehr geht als um Drinks und Musik», erzählt Atila. Das Netzwerk wolle den Gästen «spielerische Unterhaltung» bieten: mit Filmprojektionen, einem Glücksrad, Kunstinstallationen und Konfettikanonen.

Bloss kein Kommerz

Fest zum Konzept der Veranstalter gehören auch die drei Tanzflächen. Sie stehen für die unterschiedlichen elektronischen Musikstile der Beteiligten: Düsterer Techno, ruhigere Vinyl-House-Musik und TechHouse, also «eine pumpige Mischung von beidem», wie Atila erklärt. Achtzehn verschiedene DJs werden am Samstagabend auflegen, unter ihnen auch Sam Barker, der zum Berliner «Ostgut Ton»-Label gehört und normalerweise im Berliner «Berghain» auflegt. Das ist der Club, vor dem die Gäste regelmässig stundenlang anstehen und sich beim Eintritt die Handykamera abkleben lassen, damit nichts nach draussen dringt.

So weit möchten die «Netzwerk»-Leute nicht gehen. Doch die «Berghain»-Philosophie hat es den Baslern angetan. Sie stellen sich dezidiert gegen Sexismus und Homophobie, lehnen Partyfotografen ab und möchten mehrheitlich Underground-DJs engagieren, die noch nicht zu erfolgreich sind.

Sprechen sie über das «Netzwerk», dann wird klar: Die sechs jungen Männer haben grosse Pläne. Nicht immer sind sie zu realisieren. Ihre Anlässe möchten die Organisatoren möglichst an Orte bringen, die normalerweise nicht für Partys genutzt werden. Das bringt viel Arbeit mit sich. Doch die Beteiligten kennen das Prozedere: «Für eine Bewilligung braucht es in erster Linie ein lückenfreies Sicherheitskonzept», wissen sie. «Ohne hätten wir keine Chance.»

Noch steht nicht fest, wie oft das «Netzwerk» künftig Partys veranstalten wird. Das Ziel liege bei zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr, so Atila. Mehr sei nicht im Sinne des «Netzwerks». Die Veranstalter wollen, dass ihr Projekt «etwas Besonderes bleibt in der kleinen, aber doch vielfältigen Kulturstadt» Basel. An Selbstvertrauen mangelt es ihnen jedenfalls nicht. «Es wird uns auch in einiger Zeit noch geben. Davon sind wir absolut überzeugt», betonen sie.