Sinfonieorchester Basel

Gabriel Fauré: Dem «Parfümeur» war nichts zu schwör

Meister der subtilen Klangmischungen: Gabriel Fauré (1845–1924).

Meister der subtilen Klangmischungen: Gabriel Fauré (1845–1924).

Das Sinfonieorchester Basel hat die dritte CD ihrer Reihe «The Secret Fauré» zum französischen Spätromantiker veröffentlicht.

Er war kein Vielschreiber und auch kein Musiker der lauten Töne, der französische Komponist Gabriel Fauré, der im Paris der Jahrhundertwende eine wichtige und geschätzte Figur war. Seine elegante Erscheinung, sein angenehmes Wesen, vor allem aber seine stupende Kunst des Fantasierens und ­Improvisierens auf dem Klavier machten ihn zu einem gern gesehenen Gast in den Salons. Er war Organist an der grossen Orgel der Eglise de la Madeleine, Professor am Conservatoire und später auch dessen Direktor.

Parfüm ist die wohl häufigste ­Assoziation zur Musik von Gabriel Fauré. Er war tatsächlich ein Meister der subtilen Klangmischungen, vor allem aber der kunstvollen Harmonik und stimmungsvollen Melancholie. Diese Eigenschaften prägen auch die Kirchenmusik Faurés, welche Ivor Bolton und das Sinfonieorchester Basel auf ihrer nun schon dritten Fauré-CD versammeln.

Gläubig war er nicht, der Südfranzose, der in der Nähe von Carcassonne aufgewachsen war. Das Leben als Organist hing ihm manchmal zum Hals heraus. Er habe so viele Totenmessen begleitet, dass er wohl instinktiv versucht habe, die üblichen ­Pfade zu verlassen, schrieb er über sein Requiem, das neben der gern gespielten ersten Geigen-Sonate und der Orchestersuite «Masques et Bergamasques» sein bekanntestes Werk ist. Es gab keinen äusseren Anlass zur Komposition, er habe es «nur zum Spass» geschrieben, sagte Fauré. Bemerkenswert ist die friedliche Ruhe und Abgeklärtheit dieser Totenmesse. Da ist kein donnerndes «Dies irae» wie bei Verdi oder Berlioz, sondern eine stille Freude über das Ende aller irdischen Mühsal.

Eine Ersteinspielung von «La Passion»

Das Sinfonieorchester Basel trifft diesen Ton unter seinem Chefdirigenten Ivor Bolton ­sicher und genau. Der Balthasar-­Neumann-Chor punktet mit ­seiner schlanken, homogenen, doch immer intensiven Klanglichkeit. Aber auch die beiden Solisten überzeugen, Sopranistin Katja Stuber singt das «Pie Jesu» bezaubernd mit der von Fauré intendierten Schlichtheit und Naivität. Und der Bariton Benjamin Appl dosiert sehr ansprechend Emphase und Dramatik.

Stärker als das bekannte ­Requiem werden die weiteren Werke dieser CD der Affiche «secret» gerecht. Die «Messe des Pêcheurs de Villerville» ist ein Gelegenheitswerk des junge Fauré, der zusammen mit seinem Freund André Messager ein Benefizkonzert für die örtlichen Fischer von Calvados organisierte. Gleichwohl ist es charmante, gut gelaunte Musik, die erst im Jahr 2000 wieder entdeckt worden ist.

Gar eine Ersteinspielung ist das Prélude «La Passion» für gemischten Chor und Orchester, das Fauré im Auftrag des Schriftstellers Edmond Haraucourt für ein Passionsdrama mit Sarah Bernard schrieb. Eine Aufführung kam in dieser Form aber nie zustande, das Prélude wurde erst 1999 veröffentlicht. Zwei kurze Stücke, die Fauré noch als Kompositionsschüler schrieb, runden das interessante Programm ab.

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