Theaterfestival Basel

Festival in Basel: Endlich wieder Theater

Das Theaterfestival Basel eröffnet die Theatersaison nach vielen Ungewissheiten mit einem bemerkenswerten Programm.

Im März wäre sie unter Dach und Fach gewesen: die erste Ausgabe des Theaterfestivals Basel, von Sandro Lunin, dem Leiter der Kaserne, kuratiert. Doch dann kam der weltweite Lockdown. Für ein Festival, das sein Programm international ausrichtet, unter Lunin mit Schwerpunkt auf den Weltsüden, den afrikanischen Kontinent und Südamerika, war das ein Supergau.

Künstlerinnen und Künstler konnten und können weder reisen noch proben, die Partnerfestivals in Wien Brüssel oder Hamburg sind ­abgesagt, ebenso geplante Tourneen der Kompanies. Rund siebzig Prozent des fertigen Programms brachen weg.

Die Programmleitung um Lunin mit den Dramaturginnen Hannah Pfurtscheller und Katharina Germo war im Mai nahe an der Absage des Festivals. Dann kam der Entscheid des Bundesamtes, Veranstaltungen bis zu 300 Besuchern wieder ­zuzulassen.

Trotz weiter bestehenden Unsicherheiten betreffend der Entwicklung von Corona und in Windeseile gelang es dem Team, ein Festivalprogramm auf die Beine zu stellen, welches erstens das Label «international» verdient und zweitens dem ­Publikum reichhaltige und spannende Einblicke in das aktuelle weltweite Theaterschaffen ­ermöglicht. Und dies ohne ­Abstriche an der Livekunst, wie beispielsweise in Zürich.

Anders als in Zürich gibt es in Basel viel Theater

Das morgen Donnerstag startende Theaterspektakel an der Limmat setzt in der diesjährigen Ausgabe vor allem auf instal­lative Formate mit Video, Parcours mit Kopfhörern oder Radiosessions auf Picknickdecken. Die Theaterbuden und Restaurationszelte auf der Landiwiese wurden erst gar nicht aufgestellt. Das Zürcher Festival verteilt sich dieses Jahr über die ganze Stadt.

Mit Spielstätten in der Kaserne, dem Schauspielhaus Basel, dem Roxy Birsfelden, dem Neuen­theater Dornach, dem Palazzo Liestal und dem Alten Schlachthuus in Laufen ist auch das Basler Festival – wie früher bereits – dezentral angelegt. Aber eben in Theaterräumen und mit dem Mut konzipiert, Theater in Coronazeiten wieder zu wagen., begleitet von Distanzregeln und Maskentragpflicht.

In den beiden Festivalwochen gibt es zwar auch explizit Corona-bedingte Aufführungen zu erleben wie das «Internationale Radioballett» der deutschen Gruppe Ligna. Oder den «Outdoor Parcours», der das Publikum am Eröffnungswochenende von Birsfelden zum Museum Tinguely und weiter auf den Theaterplatz führt und drei Freiluftchoreografien internationaler Tanzschaffender zeigt.

Mit Indoor-Produktionen in den Bereichen Dokumentar­theater, Klassiker, Tanz, Performance und Nouveau Cirque deckt die diesjährige Basler ­Ausgabe jedoch ein breites Spektrum zeitgenössischer ­Formen ab. Und auch die Internationalität ist gewährleistet, obwohl interkontinentales Reisen derzeit kaum möglich ist.

Lunin und sein Team haben auf ihr breites europäisches Netzwerk zurückgreifen können und laden Künstlerinnen und Künstler ein, die in der euro­päischen Diaspora leben. Wie beispielsweise den in Frankreich lebenden syrischen Choreografen und Tänzer Mithkal Alzghair, der in seinem Stück «Deplacement» der Frage nachgeht, wie sich Krieg und Auswanderung auf seine Körpersprache ausgewirkt haben.

Oder der südkoreanische Performer Jaha Koo, der in Amsterdam lebt, und in Basel seine Auseinandersetzung mit der ­Geschichte des koreanischen Theaters zeigt.

Wichtige Produktionen aus Europa

Aber am Basler Festival sind auch eine Reihe von Produktionen zu sehen, die in der vergangenen Saison europaweit für Schlagzeilen gesorgt haben. Helgard Haug von Rimini Protokoll zeigt mit «Chinchilla Arschloch waswas» ihre ans Berliner Theatertreffen eingeladene Inszenierung mit Darstellern, die unter dem Tourette-­Syndrom leiden.

Am letztjährigen Festival in Avignon sorgte die westschweizer Gruppe 2b company mit «Phèdre» für Aufsehen. Darin erzählt der Schauspieler François Gremaud den griechischen Klassiker im Alleingang.
Die österreichische Choreografin Florentina Holzinger bringt mit «Eine sylphidische Träumerei in Stunts» eine ­Aufsehen erregende Arbeit nach Basel, in der Motorräder fliegen und viel Kunstblut fliesst.

Eine bemerkenswerte Kooperation zwischen dem Theater Basel und dem Festival ist die in letzter Minute zustande gekommene Uraufführung der «Selbstporträts» der argentinischen Künstlerin Lola Arias. Schauspielerinnen und Schauspieler des neuen Basler Ensembles zeigen darin an drei Abenden neun Soloperformances.

Theaterfestival Basel
26. August bis 6. September. www.theaterfestival.ch

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