Risiko
Einsturzgefahr! Und doch wissen die Basler Behörden nicht, wo unsanierte Tiefgaragen stehen

Private Autoeinstellhallen sind auch fünfzehn Jahre nach der Katastrophe von Gretzenbach im Kanton Solothurn unkontrolliert. Die Probleme sind vielschichtig.

Christian Mensch
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Private Parkings, die vor 1980 gebaut worden sind, genügen häufig den aktuellen Anforderungen nicht.

Private Parkings, die vor 1980 gebaut worden sind, genügen häufig den aktuellen Anforderungen nicht.

Walter Schwager

Das Risiko ist den Bauexperten schon lange bewusst, 2004 trat es in aller Bewusstsein: Sieben Feuerwehrleute im solothurnischen Gretzenbach starben, als die Tiefgarage einstürzte, in der sie einen Fahrzeugbrand löschten. Wie viele der schweizweit 30'000 Autoeinstellhallen, die vor 1980 erstellt wurden, hatte sie nicht nur Baumängel, sondern war auch stärker belastet, als es ursprünglich zulässig war.

Das Risiko ist bis heute nicht grundsätzlich behoben, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. Im Basler Hegenheimerquartier muss die Autoeinstellhalle eines Mehrfamilienhauses dringlich saniert werden. Bei Vorbereitungen zu einer Gesamtsanierung hat das Bürgerspital Basel als Hauseigentümerin die Ingenieurfirma Eglin Ristic AG mit der Prüfung der Garage beauftragt. Die Firma ist gemäss vorliegendem Gutachten zum Schluss gekommen, eine statische Sanierung sei «dringend erforderlich». Die sogenannte Durchstanzbewehrung der Stützen sei zu schwach bemessen. Geschäftsführer Urs Wanner sagt auf Anfrage, es bestehe kein unmittelbares Sicherheitsproblem.

Hauseigentümer stehen in der Verantwortung

Als erster Schritt muss die Last auf der Hallendecke abgebaut und die aufgeschüttete Erde um mindestens 40 Zentimeter reduziert werden. Wegen der Überbelastung darf dafür kein schweres Aushub- und Transportgerät eingesetzt werden. Während der Arbeiten müssen die Stützen zudem mit zusätzlichen Deckenspriessen entlastet werden. In einem zweiten Schritt empfiehlt der Ingenieur eine Deckenverstärkung.

Dass der Gefahrenherd nur durch Zufall entdeckt wurde, hat System. Während etwa der Brandschutz regelmässig geprüft wird, besteht keine Pflicht zur statischen Überprüfung. Experte Urs Järmann von der Ingenieurfirma Henauer Gugler AG sagt, die Eigentümer seien sich nicht bewusst, dass sie in der Verantwortung stünden. Wenn es dann noch zu Eigentümerwechseln komme, dann gehe häufig auch das Wissen verloren, unter welchen Bedingungen die Einstellhalle gebaut wurde.

Wir wissen nicht, wie viele Parkplätze es auf privatem Grund gibt.

(Quelle: Martin Weibel, Amt für Mobilität)

Die Schwächen kommen zum Vorschein, wenn der Ingenieur ohnehin im Haus ist. So war es auch 2007, als ein Gutachter die Gebrauchstauglichkeit der Tiefgarage des alten Felix-Platter-Spitals untersuchte und das Parking sogleich sperrte. Um es zu stabilisieren, mussten notfallmässig die darauf stehenden Bäume gefällt und Erde abgetragen werden.

Dass viele der älteren Bauten betroffen sind, führt Ingenieur Wanner darauf zurück, dass in der Schweiz lange Zeit keine konkreten Vorschriften bestanden hätten. Man habe sich an schwedische Forschungsresultate gehalten, von denen man heute wisse, dass sie unsichere Vorgaben lieferten. Järmann kritisiert, heute gebe es zwar spezifische Regelungen zur Dauerhaftigkeit von Einstellhallen, diese seien jedoch nicht in einem umfassenden Normenwerk zusammengefasst.

Das Problem liegt aber noch tiefer: Die Verwaltung hat keine Ahnung, wie viele Tiefgaragen es auf Kantonsgebiet gibt. Martin Weibel vom Amt für Mobilität versuchte, sich im Rahmen des Parkplatzkatasters eine Übersicht zu verschaffen. Er sagt: «Wir wissen nicht, wie viele Parkplätze es überhaupt auf privatem Grund gibt.» Das Bauinspektorat habe aber erhoben, dass zwischen 2000 und 2005 etwa 6000 Parkplätze mehrheitlich in Tiefgaragen neu bewilligt worden seien.

Dass wohl noch zahlreiche der älteren privaten Tiefgaragen weder untersucht noch saniert sind, zeigt eine Recherche der noch zugänglichen Baueingaben seit 2010: Während der Kanton Basel-Stadt in dieser Zeit sechs Autoeinstellhallen, die ihm oder seiner Pensionskasse gehören, statisch verstärkte, haben sich in der gleichen Zeitspanne nur gerade zwei private Liegenschaftseigentümer um mehr Sicherheit bemüht.