Der Anblick ist ekelerregend: Fünf junge Menschen stehen auf der Bühne und würgen, bis ihnen das Kunstblut aus dem Mund und auf die Brust quillt. Dramatisch werfen sie sich zu majestätischer Barockmusik auf den Boden, inszenieren ihren eigenen Tod immer wieder neu: Einmal ist es ein Schlangenbiss, der sie tötet, später ein Tsunami und zum Schluss die Atombombe. In «Forever» zeigt Choreografin Tabea Martin den Tod als endlosen Prozess des Ausprobierens. Ein schöner Widerspruch, oft witzig, manchmal bedrückend, häufig aber auch etwas gar repetitiv.

«Forever» ist der zweite Teil einer Trilogie, die sich mit der Vergänglichkeit auseinandersetzt; nächstes Jahr folgt mit «Nothing Left» der Abschluss. Doch was schwer und anstrengend klingt, wird von Martin gezielt überzeichnet und demontiert. Es gehört zum Erfolgskonzept der Baslerin, prägnante und kurzweilige Tanzstücke zu schaffen.

An diesem Tanzabend in der Kaserne setzt sie dafür auf überraschend viele Worte und Szenen. In schnell wechselnden Bildern lässt sie ihre fünf fabelhaften Tänzer und Tänzerinnen wiederholt als brachiale Mörder und leidende Opfer auftreten. Gestorben wird hier nicht friedlich, sondern meist in einem wahrhaften Massaker: Die zu Beginn noch unschuldig saubere Bühne wird zum Blutbad. Das Ganze setzt Martin in einem so ironischen und verspielten Stil um, dass selten echte Trauer aufkommt.

Nichts währt für immer

Dass die Choreografin ein derart schweres Thema humorvoll inszeniert, ist erfrischend. Allerdings wirken die vielen witzigen Einlagen in «Forever» irgendwann ermüdend: Für immer währt hier nichts; der Tod bleibt vergänglich und die Anteilnahme stets nur eine Farce. Statt sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen, verdrängen die Figuren ihre Gefühle. Als Gesellschaftskritik funktioniert dieser Ansatz hervorragend, in der Umsetzung verharrt das Stück dadurch aber auch an der Oberfläche.

Berührender sind jene Momente, in denen die Choreografin ihre Tänzer als harmonisches Gespann auftreten lässt. Ist das Blut eine flüchtige Zeit lang weggewischt, kehrt plötzlich Ruhe ein und die fünf feinen Gestalten verarbeiten in einer zerbrechlich anmutenden Choreografie sämtlichen Schmerz, den sie sonst verdrängen. Es bleibt der kraftvollste, weil verletzlichste Augenblick des Stücks, auch wenn er nur zwei Minuten dauert: Endlich kehrt ins sonst so überdrehte und streitlustige Ensemble Frieden ein.