Vernissage
Eine Botschaft ohne Worte – «für einen Cartoonisten unerlässlich»

Die Gastausstellung im Spielzeugmuseum Riehen wirft allerlei Fragen auf.

Chloé Oberholzer
Merken
Drucken
Teilen
Dem Schatten, den er auf die Erde wirft, steht der Mensch am Ende wieder gegenüber.

Dem Schatten, den er auf die Erde wirft, steht der Mensch am Ende wieder gegenüber.

Jules Stauber

2007 reist der Riehener Cartoon-Sammler Dieter Tschudin nach Nürnberg und trifft sich dort mit dem Deutsch-Schweizer Cartoonisten Jules Stauber zum Gespräch. Sein Ziel: einige Originale für seine Privatsammlung zu erwerben. In der Hand hält Tschudin nach dem Gespräch aber nicht nur die ersehnten Originale, sondern auch eine Kontaktadresse. In Riehen gibt es nämlich noch einen zweiten Cartoon-Sammler.

Kurios: Auch er hat sich auf Jules Stauber spezialisiert. In der Gastausstellung «Sind Cartoons Kunst?» im Spielzeugmuseum Riehen zeigen Kurator Dieter Tschudin und Sammler Urs Zellmeyer eine Auswahl an Werken Staubers und verschiedener Cartoonisten aus seinem Umfeld.

Jules Stauber wird 1920 in Clarens bei Montreux geboren. Seit jeher wünscht sich der gebürtige Deutsche die Schweizer Staatsbürgerschaft. «Aufgrund der Gesetzgebung und der damaligen politischen Situation war das aber lange nicht möglich», sagt Tschudin. Weil seine Mutter Schweizerin ist, kann der Cartoonist in den 1990er-Jahren dann doch noch einen Antrag stellen. Und erhält im Alter von 85 Jahren endlich das Schweizer Bürgerrecht.

Dass der
Illustrator und Grafiker die Schweiz in seinen Arbeiten zu einem zentralen Thema macht, ist daher nicht verwunderlich. Daneben behandelt er aber auch Motive wie «Mann und Frau» oder «Umwelt».

Kreativität und ein Auge fürs Detail

«Wir haben einen Teil der Cartoons bewusst zwischen den Objekten der Dauerausstellung platziert», sagt Tschudin. Zwischen dem Spielzeug und den Cartoons bestünden nämlich durchaus Parallelen. «Bei den ursprünglichsten Spielsachen, die hier ausgestellt sind, handelt es sich um ganz einfache Dinge wie Tierknochen, Stöcke oder Tannzapfen.» Um damit zu spielen, bräuchten Kinder ein gutes Beobachtungsvermögen und eine gehörige Portion Fantasie.

«Diese beiden Eigenschaften sind für einen Cartoonisten unerlässlich», sagt Tschudin. Es handle sich um einen kreativen Prozess. Von da aus schlägt er den Bogen zur Kunst. «Der Zeichner muss ein Auge entwickeln für relevante Situationen, dazu eine kreative Idee haben und diese dann umsetzen», so Tschudin. «In dieser Hinsicht kommen Cartoons der Kunst sehr nahe.» Auch ein Künstler versuche schliesslich, in seinem Werk eine Situation aus seiner Perspektive zu interpretieren.

Cartoons sind ein Spiegel der Gesellschaft. Sie vermitteln eine Botschaft, üben bisweilen Kritik. So sehen wir zum Beispiel einen Mann auf der Erdkugel stehen. Die Sonne scheint ihm ins Gesicht. Der Schatten, den er wirft, begegnet ihm auf der anderen Seite der Erdkugel wieder. «Hier stellt Stauber das Thema Umwelt absolut konzentriert und aufs Minimum reduziert dar», sagt Tschudin. Und zwar ohne Worte.

Das biete den Betrachtern mehr Raum für Interpretation und fördere den Dialog. Neben Stauber zeigt die Ausstellung auch Cartoons weiterer Zeichner, die zu Stauber in enger Beziehung stehen. «Am Sonntag kann man zum Beispiel dem Schweizer Cartoonisten Pfuschi beim Zeichnen über die Schulter schauen.».

Die Veranstalter hoffen auf einen regen Austausch zwischen Besuchern und Schaffenden. Dabei sollen Fragen rund um Cartoons, deren Entwicklung und ihren Platz in der Kunst gestellt werden. Die Antworten darauf? Gibt man sich selbst.

Vernissage «Sind Cartoons Kunst?» Spielzeugmuseum Riehen, Freitag 05. April; mehr Infos unter www.spielzeugmuseumriehen.ch