Sexismus

Ein Playboy als Mäzen: Ackermann kritisiert Historisches Museum

250 x 330 cm; Öl auf Leinwand Eine Kammer der Basler Short Stories ist Friedrich Nietzsche gewidmet

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann kritisiert den Deal: «Die Veranstaltung ist weder zeitgemäss noch kann ich mich dafür erwärmen.» (zvg)

250 x 330 cm; Öl auf Leinwand Eine Kammer der Basler Short Stories ist Friedrich Nietzsche gewidmet

Das Historische Museum Basel muss sich für eine vertragliche Bindung an den Playboy Peter Buser erklären. Mit einer Spende von 400'000 Franken ermöglichte der 82-Jährige die aktuelle Nietzsche-Ausstellung, sicherte sich aber auch Werbung für ein umstrittenes Symposium.

«Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne». Das ist nicht nur ein Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche, sondern auch der Titel eines Symposiums, auf welches das Historische Museum Basel (HMB) auf Website und Flyern hinweist. Der Grund für die Werbung: Organisator der Veranstaltung ist Peter Buser, der die aktuelle Nietzsche-Ausstellung des HMB mit einer Spende von 400'000 Franken rettete. Der 82-jährige Buser ist bekannt als Playboy, der Feminismus als unnatürlich betrachtet und über verweichlichte «Abwaschboys in der Küche» herzieht. In seiner Podiumsdiskussion möchte er den Begriff der Gehorsamkeit ins Zentrum stellen. «Ich glaube, dass Frauen diesen Gehorsam zu ihrem Glück durchaus leben können», schreibt er in der Ankündigung.

Museen dürfen selbst über ihre Geldgeber entscheiden

Über die Inhalte des Vertrages, den das Museum mit Buser abgeschlossen hat, will HMB-Kommunikationschef Andreas Mante nicht Auskunft geben. Klar ist aber: Mit dem Symposium zieht das Museum unter der Leitung von Marc Fehlmann, der seit längerem krankgeschrieben ist, den Ärger von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann auf sich. Auf Anfrage schreibt sie: «Die Veranstaltung ist weder zeitgemäss noch kann ich mich dafür erwärmen.» Das Museumsgesetz schreibe aber vor, dass Museen inhaltlich und finanziell selbstständig seien. «Uns war aus diesem Grund nicht bekannt, dass mit Herrn Buser ein Vertrag zur Finanzierung der Nietzsche-Ausstellung abgeschlossen wurde, in dem auch dieses Podium erwähnt wird», schreibt Ackermann auf Anfrage.

«Ein alter Sexist aus dem vergangenen Jahrtausend»

Nicht nur bei Ackermann, auch bei anderen Politikerinnen in der Region ist die Irritation über den Deal gross. «Wenn ein Geldgeber nicht ins Leitbild des Museums passt, dann müsste man das Geld eigentlich ablehnen», sagt SP-Grossrätin Sarah Wyss. Sie kenne den Vertrag im Einzelnen nicht und könne den konkreten Fall nicht beurteilen. «Aber es ist wichtig, dass ein öffentlich-rechtliches Museum nicht zum Spielball privater Ambitionen wird.»

Auch Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach nervte sich gestern auf Twitter über die Zusammenarbeit des Historischen Museums mit Peter Buser. Dieser wolle für gehorsame Frauen werben, «und alle müssen bei dem Zirkus mitmachen, weil der reiche Playboy die Nietzsche-Ausstellung finanziert hat».

Trotz der Konsternation über die Veranstaltung: Busers finanzielle Unterstützung wird auch geschätzt. «Es ist doch erfreulich, wenn jemand Geld gibt», sagt FDP-Grossrätin Martina Bernasconi, die in der Bildungs- und Kulturkommission sitzt. Es sei schliesslich auch die Aufgabe des Museumsdirektors, Drittmittel zu generieren. Zudem fänden sich unter den Podiumsgästen zahlreiche «fortschrittliche, differenziert denkende Frauen», so Bernasconi.

Doch auch die studierte Philosophin betont: Sollte es nur darum gehen, dass sich Herr Buser selbst vermarkten wolle, dann sei das «inakzeptabel». Der Veranstalter des Podiums gibt Bernasconi denn auch zu denken. Buser habe offenbar keine Ahnung von Nietzsches Gesamtwerk, sondern übernehme einzelne Äusserungen auf sexistische und plumpe Art. «Vermutlich ist er ein alter Sexist aus dem vergangenen Jahrtausend», so ihr Fazit.

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