Am Freitag wurde die Studie zum letzten Mal präsentiert, und es wurde auch eine kleine Rückschau gehalten. Alt Regierungsrat Paul Nyffeler und Mitinitiant der Studie sagte, deren Erfolg sei klar durch einzelne Personen geprägt gewesen. Prof. René Frey habe seine fundierten Kenntnisse in der Regionalökonomie beigesteuert, und der langjährige Studienverfasser Rainer Füeg habe für Kontinuität gesorgt – «Ihm gebührt Dank!» , so Nyffeler. Der Kanton Baselland habe sich damals ein Leitbild gegeben, man begann sich für Strukturanalysen zu interessieren. «Zuvor gab es praktisch nur Zahlenreihen», ergänzte Frey. Der Grund für die Aufgabe der Studie sei die Tatsache, dass heute die regionale Datenerhebung teilweise vom Bundesamt für Statistik gemacht werde, hiess es. Diese sei allerdings weniger aktuell.

Unglaubliche Entwicklung

Die Entwicklung in den vergangenen 35 Jahren zeigt Erstaunliches: Die Beschäftigung hat 16 Prozent zugenommen, die Bevölkerung um 14 Prozent. Das Beschäftigungswachstum ist – ein Wermutstropfen – vor allem der Ausweitung des öffentlichen Sektors zu verdanken, der 42 Prozent (!) zulegte. Die acht Prozent Beschäftigungswachstum der Privatwirtschaft sind da vergleichsweise bescheiden.

Gleichzeitig sind die Arbeitslosenzahlen von fast null auf gegen vier Prozent gestiegen. Füeg: «Eine heile Welt.» Die Wertschöpfung, das heisst die Summe von Löhnen, Gewinnen und Steuern, hatte sich in den 35 Jahren verdreifacht, die Produktivität legte 170 Prozent zu.

Das heisst konkret: Ein Mensch produziert heute 2,7 Mal mehr. Und 1980 gehörten die sechs wichtigsten Schlüsselbranchen der Industrie an und drei dem Dienstleistungssektor. Heute ist es gerade umgekehrt. In den Jahren dazwischen lagen die Hypozinsen bei 10 Prozent, die Inflation war ein Dauerproblem. Gestern war zu hören: «Ein bisschen Inflation wäre schon gut», sagten praktisch unisono Regierungsrat Christoph Brutschin und Beat Oberlin, Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Solche Äusserungen wären vor 30 bis 35 Jahren undenkbar gewesen. Die Inflation war damals ein Dauerthema.

Frankenkurs halbiert Wachstum

Doch jetzt zur «kurzen Sicht». Der Frankenschock hat auch in der Region Basel deutliche Spuren hinterlassen: Das Wirtschaftswachstum der Nordwestschweiz verlangsamte sich in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres auf 1,2 Prozent. 2014 war die Wertschöpfung noch um 2,7 Prozent gestiegen. Gemäss der Wirtschaftsstudie konnten von Januar bis September mit einer Ausnahme alle Sektoren ihre Wertschöpfung steigern. Die Landwirtschaft verbuchte ein Minus von 7,1 Prozent. Den grössten Leistungszuwachs verzeichnete mit einem Plus von 4,6 Prozent das Gesundheitswesen. 3,3 Prozent legte die öffentliche Hand zu. Zudem nahm die Beschäftigung in diesem Sektor um 1,3 Prozent zu. Studienverfasser Rainer Füeg führt diese Entwicklung darauf zurück, dass die öffentliche Hand bei den Steuereinnahmen vom guten Vorjahr profitieren kann. Zudem habe sie für einmal weniger hohe Summen in die Pensionskassen stecken müssen.

Entwicklung der Beschäftigtenzahlen

Entwicklung der Beschäftigtenzahlen

Stark getroffen von der Aufhebung der Eurountergrenze durch die Schweizerische Nationalbank war dagegen die Exportwirtschaft, deren Umsätze schlagartig einbrachen. Dass die Nordwestschweizer Industrie in den ersten neun Monaten dennoch um 1,4 Prozent wuchs, ist laut Füeg der Pharma zu verdanken. Ohne diese wäre dieser Sektor um ein halbes Prozent geschrumpft.

Der Dienstleistungssektor konnte zwar die Wertschöpfung vor allem dank den Banken und dem Bereich Forschung und Entwicklung insgesamt um 0,5 Prozent erhöhen. Grosshandel und Grossverteiler entwickelten sich aber laut der Studie rückläufig. Im Gewerbe konnten ausser dem Fachhandel alle Branchen zulegen, was die Wertschöpfung um 1,2 Prozent ansteigen liess.

Bau: Nach Rekordserie gebremst

Seit 2011 eilt die Bauwirtschaft von Rekord zu Rekord, sagte Füeg. In diesem Jahr seien aber die Neuaufträge leicht zurückgegangen. In Basel sind nach wie vor grössere Bauvorhaben im Gang oder werden neu angeschoben.

Für das kommende Jahr prophezeit Füeg der Nordwestschweiz wieder ein leicht stärkeres Wirtschaftswachstum. Nach seiner Einschätzung dürfte die Wertschöpfung um 1,7 Prozent zulegen.

Ein Plus von 2 Prozent erwartet Füeg für die Exportindustrie und die Finanzwirtschaft, gar um 2,5 Prozent soll die Pharmaindustrie zulegen, ebenso das Gesundheitswesen.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften dürfte gemäss Füeg 2016 um knapp ein halbes Prozent steigen.