Konkurs
Die Wyss-Ära im «Schützenhaus» geht heute zu Ende

Nach fünf Jahren muss Peter Wyss das «Schützenhaus» verlassen. Die Stammgäste kamen gestern zum «Lyychemeeli». Jetzt übernimmt die Berest AG.

Martina Rutschmann
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Diese Tür wird ex «Schützenhaus»-Beizer Peter Wyss am heutigen Dienstag zum letzten Mal mit dem eigenen Schlüssel öffnen. Der Betrieb geht aber nahtlos weiter.

Diese Tür wird ex «Schützenhaus»-Beizer Peter Wyss am heutigen Dienstag zum letzten Mal mit dem eigenen Schlüssel öffnen. Der Betrieb geht aber nahtlos weiter.

Kenneth Nars

«Der Erfolg einer Beiz hängt vom Wirt ab», hatte Peter Wyss 2012 gesagt. Damals übernahm er das Restaurant Schützenhaus. Er wollte dieses entstauben und wieder zu einer grossen Beiz machen, wie sie es früher mal war. Zuvor hatte Wyss dieses Ziel bereits mit der «Kunsthalle» erreicht, wo er 24 Jahre lang wirtete.

Mit dem «Schützenhaus» ist ihm der angestrebte Erfolg nur teilweise gelungen: Mittags ist die Beiz gut besucht, doch abends läuft nach wie vor kaum etwas. Die Folge: Wyss ist Konkurs. Seit die «BaZ» über das Aus der Beiz unter seiner Führung berichtet hat, ist Wyss Stadtgespräch. Peter? Der Gastronom mit dem Goldhändchen? Dem gelingt doch alles!

Keine Autos, keine Sommer

Die Sonne scheint, es ist warm. Es sieht danach aus, als ob der Sommer an diesem Montag beginnen würde. Einen Tag, bevor Peter Wyss die Schlüssel seinen Nachfolgern übergeben muss. Die Berest-Gruppe, der unter anderem das «Gifthüttli» und das «Noohn» gehören, übernimmt kurzfristig das Management. Die Verantwortung liegt bei der Gesellschaft der Feuerschützen, der die Liegenschaft gehört. Das Personal kann bleiben, der Betrieb wird weitergeführt wie bisher.

Die Angestellten waren Wyss’ grösste Sorge. Jetzt ist er froh, dass er diese nicht auf die Strasse stellen muss. Eine andere Frage macht ihm weiterhin zu schaffen: Warum kam es so weit? «Wenn ich wüsste, woran es liegt, hätte ich es verhindert.»

Dem Euro will er nicht die Schuld geben und auch den gehobenen Preisen im «Schützenhaus» nicht; dann schon eher der autofreien Innenstadt – und das, obwohl das «Schützenhaus» gut mit dem Auto erreichbar ist. Aber: «Die Stadt ist zu! Leute, die in der Agglomeration leben, kommen doch abends nicht mehr in die Stadt», sagt Wyss. Auch das Konsumverhalten habe sich stark verändert. Und er habe Pech gehabt mit den verregneten Sommermonaten der letzten paar Jahre.

Die Neuen wollens moderner

Wyss ist nicht der einzige «Schützenhaus»-Wirt, der nicht lange bleibt: 4,1 Jahre lang wirteten dort die Beizer der vergangenen 30 Jahre im Durchschnitt. Wyss liegt mit 5,5 Jahren über dem Durchschnitt.

Johann Rudolf Meier von der Berest AG kann noch nicht sagen, wie lange die Firma den Job machen wird. «Wir werden einen Weg suchen, der Zukunft hat», sagt er. Die Stammgäste wolle man behalten, es müssten aber neue Gäste dazukommen. «Ein Restaurant muss man anders führen als früher.» Konkret werde die Berest AG den Marktauftritt modernisieren und Organisatorisches verbessern müssen. Aber: «Wir können die Welt nicht von einem Tag auf den anderen neu erfinden. Das müssen wir Schritt für Schritt tun», sagt Meier.

Am Montagmittag ist der Garten rammelvoll, etliche Basler Persönlichkeiten sind gekommen, um Peter Wyss zu verabschieden. «Das ist eine Art ‹Lyychemeeli›», sagt dieser – und lacht dazu in gewohnter Manier. Er will nicht jammern, nicht traurig sein. «Natürlich habe ich gegrübelt, aber jetzt geht es mir ok, ich schaue vorwärts!», sagt er, bevor er dem nächsten Gast die Hand schüttelt und mit ihm plaudert.

Schriftliche Beizen-Angebote

Wohin es ihn verschlägt, weiss er noch nicht. Erstmals reist er zu seiner Freundin nach New York, danach macht er sich Gedanken über die Zukunft. Arbeiten wird er müssen: Als Selbstständiger mit Einzelfirma darf er nicht stempeln. Ausserdem verpfändet das Konkursamt seinen Besitz, inklusive das Auto.

Angebote liegen bereits auf seinem Tisch: «Ich habe dutzende Briefe und SMS von Leuten bekommen, die bedauern, dass ich gehen muss. Unter den Zuschriften waren auch Angebote für Beizenübernahmen.» Konkreter wird Wyss nicht. Aber er klingt so, als ob er der Gastronomie erhalten bleiben wollte.