Kunstmuseum Basel
Die Vergangenheit ist der sicherere Wert

Basel feiert das neue Juwel in seiner Museensammlung. Doch ist es wirklich ein Schritt nach vorne? Sicher, aber Museen zu bauen kann nicht alles sein.

Nicolas Drechsler
Nicolas Drechsler
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Eröffnung des erweiterten Kunstmuseums.
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Eröffnung des erweiterten Kunstmuseums.
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Eröffnung des erweiterten Kunstmuseums
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Eröffnung des erweiterten Kunstmuseums.

Juri Junkov

Basel hat ein neues Museum. Oder besser gesagt: Eines der wichtigsten Basler Museen hat einen neuen Anbau. Aus der halben Welt reisen die Promis an und jubeln darüber. Architekten, Künstler, Kunstfreunde und das Standortmarketing frohlocken. Und Basel plant bereits weiter. Nachdem nun private Mäzene mehrere neue Häuser ermöglicht haben, will sich auch der Kanton nicht lumpen lassen und plant den Neubau des Naturhistorischen Museums am Bahnhof St. Johann. 48 Museen auf 37 Quadratkilometern, Basel ist stolz auf seine weltweit herausragende Museumsdichte und die Qualität seiner Ausstellungshäuser.

Doch ist wirklich alles eitel Sonnenschein? Kritik kommt meist nur an den einzelnen Museen und ihren spezifischen Problemen. Der Kunstmarkt ist ein Tummelplatz für halbseidene Gestalten aller Art, das lässt sich auch am neusten Beispiel der «Panama Papers» ablesen». Geldwäscher, Drogenhändler, Steuerhinterzieher, sie alle lieben den Handel mit Kunst, in dem sich Geldflüsse hervorragend verschleiern lassen. Hinter einem Geflecht aus Offshore-Gesellschaften, Bankgeheimnissen und Zollfreilagern. Alles Dinge, die die Schweiz und gerade auch Basel ebenfalls anbieten.

Dazu kommen bei Kunstwerken, genau wie bei historischen Schätzen aus fernen Ländern, auch immer die Fragen nach der Provenienz, nach Raubkunst und Kolonialismus. Wenn man aber schon die problematische Seite von Museen thematisieren will, dann könnte man auch wesentlich grundsätzlicher werden: Warum bauen der Staat und die Mäzene eigentlich so gerne Museen? Weil Museen wichtig sind. Sie sind unser Gedächtnis. Sie sind Stätten der Bewahrung, der Bildung, der Forschung und der Vermittlung. Das ist die positive Begründung.

Ein Museum zu bauen birgt kaum Risiken

Sie sind aber auch harmlos. Ein Museum zu bauen, das ist eine sichere Sache, da kann nicht viel schiefgehen. Niemand hat etwas gegen Museen. Sie sind seit Jahrhunderten ein Stützpfeiler der Kultur und jede Stadt, ja jedes Dorf schmückt sich gerne mit ihnen. Mutig ist die Investition in Museen nicht. Ganz anders, würde man die gleichen Summen in innovativere, vielleicht auch umstrittenere Projekte investieren.

Andernorts pumpen Superreiche riesige Beträge in «Zukunftsstiftungen», wie etwa Bill Gates, der milliardenschwere Gründer von Microsoft. Das ist ein Vermächtnis mit riesigem Potenzial. Gates setzt sich und seine Nachkommen damit aber auch dauernden Diskussionen darüber aus, ob das Geld nun sinnvoll verwendet wird, ob die unterstützten Projekte etwas bringen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Die Vergangenheit ist pflegeleichter als die Zukunft

Ähnlich ginge es Politikern, würden sie sich visionären Projekten verschreiben, statt auf sichere Werte zu setzen. Würden sie beispielsweise die gestern von LDP-Grossrat Conradin Cramer eingebrachte Idee eines Generationenfonds umsetzen. Einer Art staatlicher Rücklage für schwere Zeiten, gespeist aus staatlichen Überschüssen.

Doch würden die Promis auch anreisen, um Finanzdirektorin Eva Herzog dabei zuzusehen, wie sie den Basler Schuldenberg abträgt? Oder wie Regierungspräsident Guy Morin am Jahresende die Gewinne auf die Bank trägt? Wäre der Applaus aus allen politischen Lagern gleich gross, beschlösse der Kanton, ein paar hundert Millionen Franken zusätzlich in die Uni zu stecken? Ohne auf Baselland zu warten? Der Nutzen all dieser Projekte für die Zukunft unserer Region wäre sicher gross. Die Kritik, die Debatten über Sinn und Zweck aber auch.

Also investiert man lieber in die berechenbare, museumswürdige Vergangenheit und damit in die Attraktivität der Stadt für Touristen. Die kommen, um zu sehen, was man alles Schönes bauen kann, wenn es einem richtig gut geht. Das ist sicher nicht falsch. Und Basel kann es sich leisten. Darum ist der Jubel über den Erweiterungsbau des Kunstmuseums berechtigt. Doch wir sollten darob nicht dermassen in Euphorie verfallen, dass wir die Zukunft der Stadt ausserhalb der Museumsmauern vergessen.