Bruno Gehrig
Die Swiss ist immer für Überraschungen gut

Bruno Gehrig Der Swiss-Verwaltungsratspräsident erläuterte vor der Vereinigung der Basler Ökonomen die wirtschaftliche Problematik der Fluggesellschaft.

Stefan Schuppli
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Swiss Verwaltungsratspräsident Bruno Gehrig.

Swiss Verwaltungsratspräsident Bruno Gehrig.

zvg

Auf die Swiss werden neue Herausforderungen zukommen. Beispielsweise, dass nicht nur die arabischen Fluggesellschaften wie Emirates, Etihad oder Qatar auf den Markt drängen, sondern auch Turkish Airlines, sagte Swiss-Verwaltungsratspräsident Bruno Gehrig (69). In Istanbul sei ei Flughafen mit einer Kapazität von 150 Millionen Passagieren pro Jahr geplant. «Das wäre die perfekte Verkehrsdrehscheibe», meinte er. Dieser Hub wäre grösser als Abu Dhabi, Doha oder Dubai. Ausserdem sei Turkish Airlines eine sehr gute Fluggesellschaft , sagte Gehrig. Es finde ein Krieg zwischen den Drehkreuzen, den sogenannten Hubs, statt.

Für die Mittelost-Länder sei die Entwicklung des Megacarriers eine nationale Strategie. Flughafengebühren und Treibstoff seien dort günstiger. Und sie hätten Gratiskapital. Die Folge: Ein enormer Kostendruck.

Swiss profitiere von der Muttergesellschaft Lufthansa. Die Beschaffung der neuen Flugzeuge, Boeing 777 auf der Langstrecke, Bombardier CSeries auf der Kurzstrecke, sei dank Lufthansa günstiger ausgefallen. «Wir werden in Zukunft mit Lufthansa noch ein paar Dinge mehr zusammen machen», sagte Gehrig.

Europaverkehr ist defizitär

Der Europaverkehr sei defizitär, aber der Interkontinentalverkehr sei lukrativ, auch mit den Umsteigepassagieren. Um das derzeitige Streckennetz aufrechterhalten zu können, sei dieser Umsteigeverkehr zwingen notwendig. «Es braucht 30 Prozent Europa-Passagiere, um die Langstrecken wirtschaftlich fliegen zu können.» Wenn man auf den Umsteigeverkehr verzichten würde, wären nur sechs bis sieben Langstreckenflüge rentabel.

Die Swiss sei eine «Exportfirma», ein grosser Teil der der Einnahmen fällt im Ausland an. Auch sind die lokalen Kosten hoch im Vergleich zu den ausländischen Fluggesellschaften. Das gelte auch für den Flughafen Zürich. Dieser sei der drittteuerste Flughafen der Welt. «Und der hat faktisch ein Monopol. Wir können nicht ausweichen.» Nur London City und New York sind teurer. Deshalb seien die Verhandlungen mit dem Flughafen Zürich so wichtig gewesen. Dieser mache im übrigen einen guten Job, betonte Gehrig.

Positive Faktoren

Verschiedene Faktoren kommen aber der Swiss zugut. Swiss deckt 70 Prozent des Schweizer Flugverkehrs ab, und die Schweizer seien flugfreudig, sagte Gehrig. Hier bleibt anzumerken, dass auch die Kaufkraft in der Schweiz hoch ist.

Kommende Woche werde übrigens bekannt gegeben, wann Harry Hohmeister bei der Swiss zurücktreten werde. Seine letzte Aufgabe sei wohl, dass er den neuen CEO einführen werde. Gehrig selbst tritt kommendes Jahr zurück und übergibt an Reto Francioni.

2015 werde ein sehr gutes Jahr, weil der Kerosinpreis abgesackt ist. Auch die anderen betrieblichen Kosten seien unter Kontrolle. «Wir sind eine schlanke Gesellschaft». Für die Beschäftigung sieht es im Swiss-Konzern auch nicht schlecht aus: Wegen der Einführung der neuen Boeing 777 und die Bombardiers CSeries sucht die Firma in den kommenden zwei Jahren 500 neue Leute für Kabine und Cockpit.

Gehrig ist seit Oktober 2010 VR-Präsident der Swiss. Neben seinem Mandat bei Swiss war er zudem von 2008 bis 2012 im Verwaltungsrat von UBS und von 2003 bis 2013 Roche-VR-Vizepräsident. Von 1996 bis 2003 amtierte Gehrig bei der Schweizerischen Nationalbank als Mitglied des Direktoriums.