Karin Bergmann, die Direktorin des Wiener Burgtheaters, bringt es auf den Punkt: «Uns war von Beginn weg klar, dass wir für eine weitere Produktion mit Simon Stone das Theater Basel wieder mit im Boot haben wollten.» Die freundliche Dame sagt dies in der Kantine der zweiten Burg-Spielstätte, dem Akademietheater. Eine Raucher-Kantine. Wien eben.

Kurz darauf wird der Vorhang hochgehen für «Hotel Strindberg» (siehe Text unten). Das vorerst letzte Theaterstück, das Regisseur Simon Stone in seiner Agenda hat. Den in Australien aufgewachsenen Basler zieht es nach Hollywood.

Umso mehr waren die Augen des deutschsprachigen Theaterbetriebs vergangenen Freitag nach Wien gerichtet. Mit Arbeiten wie «John Gabriel Borkman» oder «Drei Schwestern» hat das 33-jährige Ausnahmetalent Massstäbe in der Bearbeitung bestehender Stoffe gesetzt. Wegbereiter für diese steile Karriere waren Andreas Beck und das Theater Basel. Beck war es, der 2015 die erste Koproduktion mit seinem Hausregisseur, der Burg und den Wiener Festwochen eingefädelt hat.

«Hotel Strindberg» steht beispielhaft für Becks Arbeit: mit der sogenannten Basler Dramaturgie ein klares Konzept, ein guter Riecher für Talente, ein weites Netzwerk, um diese zur Geltung zu bringen und – nicht zuletzt – um finanzkräftige Partner zu gewinnen.

Ein nervöser Direktor

Wenn «Hotel Strindberg» im Januar 2019 das Basler Publikum jeweils fünf Stunden in seinen Bann ziehen wird, wird Beck bereits die nächsten Theatercoups einfädeln. Leider dann für das Bayerische Staatsschauspiel in München, wohin Beck anfang Dezember berufen wurde (Ausgabe vom 13. Dezember). Ihm sei jedoch viel daran gelegen, dass er das Basler Haus in gutem Zustand hinterlasse, so Beck. Nervös macht den Schnelldenker die für ihn langsame Vorgehensweise der Basler Theatergenossenschaft. Deren Präsident Samuel Holzach wisse seit November, dass er, Beck, ab 2020 nicht mehr zur Verfügung stehe. Dass die Findungskommission erst jetzt im Februar konstituiert wird, treibt Beck auf die Palme. «Die Nachfolge muss bis im Juni geregelt sein. Sonst ist es zu spät für die Planung», so Beck. «Dazu nur ein Beispiel: Der Orchestervertrag muss jeweils 24 Monate im Voraus gezeichnet werden. Für die Saison 2020 bedeutet dies, dass meine Nachfolge bereits Mitte September einen Plan haben muss.»

Ein besonnener Präsident

Holzach ist sich des engen Fahrplans bewusst. «Unser Ziel ist, dass wir bereits vor der Sommerpause Klarheit haben.» Die Konstitution der Findungskommission aus Mitgliedern des Verwaltungsrats und externen Fachleuten laufe. Wer dort einsitzte, dürfe er noch nicht preisgeben. Was klar sei: «Wir werden nicht nur Bewerbungen prüfen, sondern uns aktiv Gedanken machen, welche Persönlichkeiten für diese Tätigkeit infrage kommen.»

Und: Es gäbe keinen festgelegten Rhythmus im Wechsel von Opern- zu Schauspielintendanten. Die gewählte Person müsse künstlerische Kompetenzen für alle drei Sparten vorweisen können.

Auch dass Beck bereits für die Saison 2019/20 in München arbeitet, sieht Holzach einigermassen entspannt: «60 Prozent des Spielplans 2019/20 stehen bereits. Beck plant diese Saison genauso, wie die vorangegangenen. Er wird also auch für die Spielzeit 2019/2020 verantwortlich zeichnen.» Über weitere Details der Stabübergabe möchte Holzach nicht reden. Die Verhandlungen laufen.

In einem sind sich Holzach und Beck jedoch einig: Will das Theater Basel weiterhin in der Champions League der deutschsprachigen Theater mitspielen, muss Basel bei der finanziellen Ausstattung nochmals über die Bücher. Aus Becks Umfeld ist zu vernehmen, dass das Haus am Limit laufe. Präsident Holzach formuliert es so: «Das Theater Basel musste seit der Spielzeit unter Schindhelm über 15 Millionen an Subventionskürzungen in Kauf nehmen. Gleichzeitig sind die Ansprüche an das Haus gewachsen. Und Qualität hat natürlich ihren Preis. Zurzeit läuft unser Subventionsgesuch für die nächste Periode. Und wir hoffen natürlich, dass die Stadt Wert auf diese Qualität legt.»