Zootiere
Der Transport eines fünf-Tonnen-Elefanten-Bullen: Gar keine leichte Sache

Victor Bindy organisiert pro Jahr rund 50 Importe und Exporte von Tieren aus dem Basler Zoo. Dabei gilt es eine Vielzahl an Sachen zu berücksichtigen. Zu oberst steht jedoch immer die Gesundheit der Tiere.

Muriel Mercier
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Victor Bindy prüft, ob die Tieranlagen der interessierten Zoos den Bedürfnissen der Basler Tiere entsprechen.

Victor Bindy prüft, ob die Tieranlagen der interessierten Zoos den Bedürfnissen der Basler Tiere entsprechen.

Juri Junkov

Die Gefahr der Inzucht steigt, wenn die genetische Vielfalt sinkt. Und das passiert, wenn Zoos ihre Tiere nicht regelmässig weltweit austauschen. Deswegen sind Tiertransporte unumgänglich – auch in Basel.

Rund 50 Ex- oder Importe führt der Basler Zoo jährlich durch. Die Zahl der Exporte ist in Basel allerdings höher, als die der Importe, weil die Zucht hier gut funktioniert. Das sagt Betriebsleiter Victor Bindy. Er ist bei jedem Transport an vorderster Front dabei, denn er organisiert diese für den Zolli von A bis Z.

Ein riesiger Aufwand. Und dieser wird immer grösser, denn die Vorschriften werden immer strenger – auch weil die Schweiz nicht der EU angehört. «Wären wir in der EU, könnten wir überall einfach durchfahren», sagt Bindy.

Bevor es allerdings um die wirkliche Reise des Tieres geht, muss er einiges organisieren. Es ist die Aufgabe der Zuchtbuchführer, einen passenden Zoo für das Tier zu finden. «Das kann dann schwierig werden, wenn Tiere mit Basler Genen bereits in vielen anderen Zoos sind.» Für ein Flusspferd zum Beispiel einen idealen Ort zu finden, gestaltet sich problematisch, wenn bereits überall ein Verwandtes untergebracht ist.

Auf Seuchen untersuchen

Ist doch eine Bleibe gefunden, muss Victor Bindy prüfen, ob der interessierte Zoo geeignet ist für das Basler Tier. Sprich: Er klärt ab, ob die Anlage den Bedürfnissen des zu vermittelnden Tieres entspricht. «Wenn wir einen Schneeleoparden nach Nowosibirsk transportieren, muss ich ja wissen, ob er es dort gut haben wird.» Es habe schon Situationen gegeben, wo ein Tierhalter abgelehnt werden musste. Das passiere selten, weil die meisten Empfängerzoos strenge Vorschriften einhalten.

Ist ein Zoo gefunden, werden die Tiere auf tierseuchenrechtliche Vorschriften untersucht. Es gebe manchmal Sperrzonen, erklärt Bindy. Zum Beispiel können gewisse Transportwege wegen der Blauzungenkrankheit blockiert sein.

Die USA seien für die Schweiz diesbezüglich ein Drittweltland, weil dort Seuchen vorkommen können, die man in Europa nicht kenne. Vor Kurzem allerdings hat der Zolli zwei Okapis einführt – eines davon reiste nach Frankreich weiter – und drei kleine Kudus werden voraussichtlich aus den USA nach Basel gebracht. Letztere sterben in Europa sonst aus, denn nur noch rund ein halbes Dutzend Zoos halten diese Antilopenart.

Eines der obersten Gebote für Victor Bindy ist, dass alle Zollitiere schnellstmöglich im Empfängerzoo ankommen. Heutzutage kann jedes Tier auf der ganzen Welt innerhalb von 36 Stunden den Empfängerzoo erreichen. Dieser bedeute Stress für jedes Tier, sagt Bindy, denn jedes wird einzeln transportiert. Auch ein Herdentier. Zudem muss mit dem Transport gewartet werden, bis das betäubte Tier wieder wach geworden ist, damit festgestellt werden kann, dass das Tier gesund ist.

Zoo bevorzugt Lufthansa und Swiss

Nicht jede Fluggesellschaft transportiert Tiere. Der Zolli bevorzugt Lufthansa, Swiss oder Singapore Airlines, weil diese den besten Service bieten. Aber: «Das letzte Wort hat der Pilot. Wenn er Veto einlegt, werden die Tiere nicht mitgenommen.»

Die nächste Herausforderung ist der Bau der Transportkisten, den der Zolli selber erledigt. Auch hier gibt es Regeln: nicht zu hoch, damit die Tiere nicht steigen können, dabei umfallen und sich etwas brechen. Nicht zu breit, damit sie sich nicht drehen, aber so, damit sie liegen können. Genug Luftlöcher und einen doppelten Boden für den Kot und den Urin.

Damit die Tiere problemlos in die Kiste laufen, werden sie über Wochen hinweg angefüttert. Es gebe in Europa drei bis vier Spezialisten auf Tiertransporte. Bindy erinnert sich an den Elefanten Yoga, der im Oktober 2013 wegen des Umbaus der Elefantenanlage nach Schweden abgereist ist. Eine schwere Sache, denn den Bullen mit seinen fünf Tonnen in den zwölf Tonnen schweren Container zu locken, war eine Angelegenheit, die Stunden dauerte.

Die Transportkosten, die der Empfängertierpark übernehmen muss, beliefen sich auf 20 000 Franken. Das Tier ist umsonst. Damit die Tiere auf ihrer Reise gut betreut sind, werden einige von ihren Pflegern als Bezugsperson begleitet. Diese können vor Ort das dortige Personal auf die Eigenheiten und den Umgang mit dem Tier instruieren. Bindy wartet jeweils auf eine Mail der Verantwortlichen aus dem Empfängerzoo, indem diese bestätigen, dass das Exporttier gut angekommen ist. «Bis zu diesem Zeitpunkt sitze ich wie auf Nadeln.»

Flamingos sind im Ausland beliebt

Der Basler Zoo ist bekannt für seine gute Zucht der europäischen Flamingos. Im Oktober werden zudem Eselspinguine und ein Somali-Wildesel ins Ausland gebracht. Für die Pfleger ist eine intensive Beziehung zu den Tieren wichtig, sie müssen sich aber bewusst sein, dass das Tier jederzeit an einen anderen Zoo weitergegeben werden kann. Victor Bindy spricht aus Erfahrung, arbeitete er doch jahrelang bei den Menschenaffen. Zwar fehle ihm den Kontakt zu den Tieren, aber «ich mache immer wieder Rundgänge und besuche sie.»