Grossveranstaltungen
Der neue Messelook: Anzug und Mundschutz

An einem Anlass der Basler Messe nahmen gestern 600 Personen teil. Demonstriert wurden Möglichkeiten und Unsicherheiten im Umgang mit Grossveranstaltungen.

Ayse Turcan
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Mit einem berührungslosen Messsystem wird die Temperatur der Messebesucher festgestellt.

Mit einem berührungslosen Messsystem wird die Temperatur der Messebesucher festgestellt.

Sara Barth

Wer sich am Freitagmorgen zur ersten Veranstaltung mit Publikum seit Corona auf das Messeareal begab, musste als Erstes einen Postenlauf absolvieren: Noch vor dem Eingang wird nach dem Namen gefragt. Die Dame, die den Besuchern von «Reloading Live» anschliessend ihre Ausweise aushändigt, trägt den Dresscode der Veranstaltung: Business Hygiene Casual. Schwarze Anzüge und weissen Hemden, kombiniert mit hellblauen Schutzmasken. Ebensolche Masken werden den Besuchern der Messe beim Eingang angeboten. Das Tragen ist allerdings freiwillig. Als Nächstes geht es durch eine Lichtschleuse und anschliessend sollten die Gäste eine Kamera passieren, welche die Körpertemperatur misst, bevor sie endlich die Eventhalle betreten können.

In erster Linie wird das Schutzkonzept vermarktet

Was in der Messehalle 1 stattfindet, hat den Anschein einer etwas verzweifelten Charme-Offensive. Vertreterinnen und Vertreter des Congress Center Basel, der MCH Group, Schweiz Tourismus und des Kantons wollen die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass das Modell Messe trotz Digitalisierung und Corona nicht ausgedient hat. «Live ist nicht zu ersetzen», betont der CEO der MCH Group, Bernd Stadlwieser. Christoph Kamber vom Branchenverband Expoevent hebt insbesondere die wirtschaftliche Bedeutung des Messegeschäfts für den Standort Basel hervor. «Die Messebetreiber haben nicht geschlafen in der Coronazeit», sagt Kamber. Das haben sie tatsächlich nicht. So haben sie nicht nur ein ausführliches Schutzkonzept ausgearbeitet, sie widmen den heutigen Anlass auch grösstenteils der Vermarktung ebendieses Konzepts.

Eine der wenigen sichtbaren Massnahmen, die laut dem dreizehnseitigen Schutzkonzept aber nicht Pflicht ist, kommt am Eingang zur Eventlokalität zum Einsatz. Eine Kamera misst die Körpertemperatur der Besucherinnen und Besucher. Zeigt der Temperaturscanner Fieber an, eilen die zwei Securitas-Mitarbeitenden von der Seite herbei und «begleiten» die betroffene Person zwecks weiterer Abklärungen in ein Zimmer. «Danach müssen sie das Gebäude verlassen», antwortet ein Mitarbeiter auf die Frage, was mit den Leuten geschieht, deren Temperatur erhöht ist. An diesem Morgen wurde kein Fieberalarm ausgelöst. Und es gehen auch längst nicht alle Besuchenden an der Kamera vorbei. «Das ist heute in erster Linie alles ein Test, auch für uns», erklärt der Kommunikationsleiter der MCH Group, Christian Jecker.

Der Testlauf soll den Organisierenden dazu dienen, die auf Mitte Oktober angesetzte Designmesse «blickfang» vorzubereiten. Ob diese tatsächlich stattfinden kann, ist allerdings ungewiss. «Das werden wir erst Ende Sommer wissen», sagt Jecker. Die grossen Messen wurden 2020 gestrichen, zuletzt die Art Basel und vor wenigen Tagen auch die Herbstmesse. Schweren Herzens habe man sich dazu entschlossen, nach der Fasnacht auch noch die grösste «Vergnügungsmesse» der Schweiz abzusagen, sagt Regierungsrat Christoph Brutschin in seiner Rede. Einen Vorgeschmack auf die blickfang-Messe bietet der «Showroom», der aus mehreren Ständen besteht. Dieser Bereich sieht aus wie vor Coronazeiten – abgesehen von den hellblauen Punkten am Boden. Die Kleber sollen Gäste dazu animieren, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Mehr Interesse als die Möbel- und Innenarchitekturstände wecken aber das grossflächig präsentierte Schutzkonzept und die futuristisch anmutenden Hygieneinstrumente und -methoden.

Die mit ihren Ständen vertretenen Sicherheits- und Hygieneberatenden sind die heimlichen Stars des Anlasses. Erst nach einer Weile wird klar, dass die gleich im Anschluss an das Hygienekonzept vorgestellten Maschinen, die mit der für alle Viren und Bakterien tödlichen UV-C-Strahlung Luft und Gegenstände reinigen, in der Messehalle noch gar nicht im Einsatz sind. Und auch nicht zum Schutzkonzept gehören.

Eigenverantwortung bleibt auch im Messekontext zentral

Der Temperaturscanner bleibt eine der wenigen sichtbaren Schutzmassnahmen, die in der Messehalle umgesetzt werden. Schutzmasken, obwohl im Innern der Halle präsent, werden zwar vom zahlreich vorhandenen Servicepersonal, aber längst nicht von allen Gästen verwendet. Auch die blauen Kleber auf dem Fussboden scheinen, aus einem Blick in die volle Halle geschlossen, nur mässig Eindruck zu machen. Wer den geforderten Abstand nicht einhält, habe nichts zu befürchten, sagt der für das Schutzkonzept Verantwortliche Jonas Scharf.

Mittels Handydaten könne ermittelt werden, wie diszipliniert der Abstand eingehalten wurde, sagt Scharf,.Und: «Wir wissen, dass wir die Distanz von 1,5 Metern immer wieder unterschreiten werden.» Appelliert wird somit – wie oft in diesen Zeiten – an die Eigenverantwortung der Besucherinnen und Besucher. Dass die Schutzmaske bald zur Standard-Ausrüstung für den Messebesuch gehört, kann vorerst nicht erwartet werden.

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