Man hört dieses Werk schon von weitem, wenn man durch die grosse Messehalle der Unlimited schreitet. Ja, richtig gelesen: Man hört es, das Werk. Ein Sauggeräusch macht neugierig. Da hängt doch nicht einer an einer Beatmungsmaschine?

Im hinteren Teil der Halle steht man plötzlich vor dem Ursprung des Geräusches: pneumatische Kolben atmen ein und aus, setzen ein Seil in Bewegung. Dieses schwingt durch den Raum, mal vor- und rückwärts, mal dreht es seine Runden. Am Ende des langen Seils befestigt: Ein Schweif, der mit zahlreichen schwarzen Ledergurten verknotet wurde. Sieht aus wie ein Besen, der da durch den Raum wischt. Tatsächlich berührt die Installation den Boden, die Gürtelschnallen erzeugen ein Kratzgeräusch, wenn sie auf den Beton treffen.

«Breathing» heisst das Werk, auf das Kurator Gianni Jetzer ganz besonders stolz ist. Bei seiner letzten Unlimited die italienische Künstlerin Monica Bonvicini im Programm zu haben, lag ihm am Herzen, wie er uns im Vorfeld verriet.

Bonvicini hat vor 20 Jahren an der Biennale in ihrer Heimatstadt Venedig einen Goldenen Löwen gewonnen und sich seither etabliert: Mit ihrer Kunst, aber auch mit ihrem Wissen, das sie seit 15 Jahren als Professorin der Bildhauerei weitergibt, nach langen Jahren in Wien heute nun in Berlin. Die 54-Jährige beschäftigt sich in ihrer Kunst gerne mit dem Wechselspiel von Kontrolle und Macht, Architektur und Raum. «Sie arbeitet gerne mit Spannungsfeldern», sagt Annemarie Reichen von der Galerie Peter Kilchmann, «so etwa mit jenem zwischen Minimalismus und Monumentalität.»

Und ohne Zweifel schwingt bei dieser Installation auch eine Anspielung auf Sado-Maso-Praktiken mit, ein Wink mit dem Peitschenhieb, könnte man sagen. Gerade auch, weil der Gurt einst als Instrument der Züchtigung diente. Das sind Gedanken, die man lieber wegwischen möchte. Aber man steht davor, gefesselt von der Installation, die in Bewegung ist und klar choreografierte Kreise zieht. Man steht da und spürt die Vieldeutigkeit dieses scheinbar einfachen Kunstwerks.


   

«Breathing» kann erworben werden. Der Richtpreis liegt bei 220'000 Euro.
Unlimited Art Basel, Messe, Halle 1. 13. bis 16. Juni, 11-19 Uhr.