Stücki
Das Kino kommt, die Mieter gehen

Kühle Stimmung zwischen Management und Mietern: Seit klar ist, dass ein Multiplexkino ins Stücki einziehen soll, kündigen immer mehr Mieter.

Noemi Lea Landolt
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Nicht einmal der Räumungsverkauf kann Kunden ins Stücki locken: Neben Orsay schliessen auch andere Läden.

Nicht einmal der Räumungsverkauf kann Kunden ins Stücki locken: Neben Orsay schliessen auch andere Läden.

Kenneth Nars

«Ich schliesse mein Geschäft Ende Monat», sagt Stephan Fluri, Geschäftsführer der Cést GmbH. Er ist seit drei Jahren Mieter im Stücki und hat Vieles versucht. «Angefangen habe ich mit Kleidern», sagt er. Aber die würden nur gekauft, wenn sie 50 oder 70 Prozent reduziert seien. Deshalb habe er umgestellt und Raumdüfte angeboten und zusätzlich ein kleines Café eingerichtet. «Es hat alles nichts gebracht», sagt Fluri. «Wenn so viele Geschäfte leer stehen, kommt niemand ins Stücki.»

Die Situation habe sich seit Anfang Januar sogar noch zugespitzt: Schuld sei eine Medienmitteilung des Managements. Im Januar informierte die Stücki-Eigentümerin Swiss Prime Site, dass innerhalb von zwei Jahren in den bestehenden Gebäuden ein Kinokomplex mit 18 Sälen entstehen soll. Seither würden die Kunden das Stücki «dramatisch meiden», schreibt Fluri in einer Medienmitteilung.

«Wer geht schon gerne in ein bereits angeschlagenes Center, wenn es später sowieso anders genutzt wird?» Er habe mit viel Herzblut im Stücki angefangen, aber seit die Besucherzahlen noch einmal eingebrochen seien, habe er genug. Exakt einen Tag nach der Medienmitteilung der Swiss Prime Site habe «das Drama seinen Anfang genommen.» Ein Kino im Stücki hält er für keine gute Idee: «Die Leute wollen kein Kino am Stadtrand, die finden das doof.»

Fluri ist nicht der Einzige, der das Stücki verlässt. Auch im Orsay ist Räumungsverkauf. «Wir schliessen unseren Shop Ende Monat», bestätigt Mediensprecherin Sina Reichmann.
Die Stimmung zwischen den Mietern und dem Management ist gemäss Fluri abgekühlt. «Mich macht vor allem sauer, dass das Management die Situation schönfärbt und sagt, es laufe besser.

Nur weil das neue Fitnessstudio 3000 Mitglieder hat, bringt uns das keine neuen Kunden. Diese Leute kommen, trainieren und gehen wieder», sagt Fluri. Er möchte es nun in der Stadt versuchen. «Nicht weil dort die Kaufkraft grösser ist.» Aber im Stücki sei er gezwungen, von 9 bis 20 Uhr offen zu haben. «In der Stadt bin ich flexibler.»

Gemäss Fluri überlegt sich auch die Migros, ihre Bäckerei und Metzgerei im Stücki zu schliessen. Die Mediensprecherin Nadine Kleiber kann dazu noch nichts sagen: «Wir sind noch mitten in Verhandlungen mit dem Management.» Die Aussagen von Fluri teilt sie nicht: «Wir haben nach der Medienmitteilung zu den Kinoplänen keine Umsatzrückgänge festgestellt.» Im Gegenteil: Im Januar sei das Geschäft sehr gut gelaufen. Von der Medienmitteilung, die Fluri verschickt hat, hatte die Migros keine Kenntnis.

Management distanziert sich

Christian Mutschler, der Centerleiter des Stücki, schreibt, dass man die «Einschätzung» von Fluri nicht teile und sich von seinen Aussagen distanziere. Zwar seien Anpassungen der Flächen durchaus im Gespräch – «auf Wunsch von Mietern und Vermieter». Voraussichtlich Ende Mai werde über die weitere Entwicklung und die neuen Pläne für das Stücki-Areal informiert.

Mutschler betont, dass die Besucher-Frequenz im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit -2 Prozent praktisch stabil geblieben sei und aktuell mehr als zehn Prozent mehr betrage im Vorjahresvergleich. Auch der Gesamtumsatz 2017 sei bisher im Vergleich zum Vorjahr praktisch konstant und 2016 mit minus einem Prozent nur leicht tiefer ausgefallen. Über die einzelnen Mietverhältnisse könne er keine Auskunft geben.

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