Accor

Das französische Hotelimperium «Accor» wächst – und bedrängt den Basler Hotelmarkt

Die Hotels der Accor-Gruppe streben in Basel nach der Lufthoheit.

Die Hotels der Accor-Gruppe streben in Basel nach der Lufthoheit.

Das neue Mövenpick-Hotel im neuen Baloise- Turm wird dereinst das zweite 5-Stern-Haus in der Stadt sein. Wenn es 2020 eröffnet wird, besitzt das französische Hotelimperium Accor in der Stadt rund 30 Prozent aller Hotelbetten.

Ibis, Ibis Budget, Ibis Styles, Pullman, Swissôtel, Novotel und Adagio: Diese Basler Hotels haben eines gemeinsam. Sie gehören alle zur französischen Hotelkette Accor. Die neusten Kinder in der Accor-Familie sind die Mövenpick-Hotels, die im nächsten Jahr auch in Basel präsent sein werden. Am alten Hilton-Standort wird dann ein neues 5-Stern-Mövenpick-Hotel eröffnet. Damit hat Accor über 1360 Zimmer in der Stadt. Das entspricht einem Marktanteil von über 30 Prozent, wie das Fachmagazin «Hotelrevue» in seiner neuesten Ausgabe schreibt. Das könnte sich zu einer Gefahr für andere Hotels entwickeln.

Felix Hauser, der Präsident des Basler Hotelier-Vereins, sagt: «30 Prozent ist schon ein Marktanteil, der massiv ist.» Das könnte zu Schwierigkeiten führen. Vor allem, wenn es zur Preiskoordination unter den Accor-Hotels über die einzelnen Marken hinaus kommt.

Grundsätzlich habe der Hotellerie-Verein aber nichts gegen das Engagement der Franzosen in der Stadt. Schliesslich seien alle Hotels der Gruppe in Basel Mitglieder des hiesigen Hotelier-Vereins.

Mehr Hotelbetten

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Betten stetig gesteigert. Die «Hotelrevue» schreibt, dass seit 2010 ein Plus von 40 Prozent zu verzeichnen ist. Das hat Auswirkungen auf den durchschnittlichen Bettenpreis in der Stadt. Dieser sinkt seit sechs Jahren und liegt bei 116 Franken pro Zimmer. Mitverantwortlich ist dafür auch Accor. Gerade die neuen Angebote im niedrigen Preissegment drücken diese Kennzahl.

«Die Hotels in der Stadt haben in den letzten Jahren stetig mehr Volumen verzeichnet. Aber das Volumenwachstum kann den Rückgang beim Zimmerdurchschnittspreis nicht aufwiegen», sagt Hauser. Daher könnte es über kurz oder lang zu Profitabilitäts-Schwierigkeiten bei Hotels kommen.

Christoph Bosshardt von Basel Tourismus sagt, dass die Zunahme an Hotels in der nächsten Zeit noch weitergehen werde. Der verschärfte Wettbewerb sei für die Tourismusdestination aber durchaus positiv, da die Hotels so noch stärker auf die Qualität ihrer Angebote achten würden.

Aus Sicht von Tourismus Basel sei der Marktanteil von Accor kein Problem, sagt Bosshardt. Für die Destination sei vor allem ein guter Mix entscheidend, zu dem auch Accor mit seinen unterschiedlichen Marken beitrage. Und der sei in den letzten Jahren besser geworden.
Zudem sei es für die Feriendestination Basel gut, wenn sich mit Accor ein Player vor Ort engagiere, der auch marketingtechnisch hochprofessionell arbeite.

«Das gehört zum Business»

Franz-Xaver Leonhardt ist Chef der Krafft-Gruppe, die in Basel das «Krafft» und das «Nomad» betreibt. Letzteres wurde eben erst vom renommierten Magazin «Geo Saison» zum schönsten City Hotel in Europa gekürt. Leonhardt sagt zur Marktmacht von Accor: «Es ist sicher anspruchsvoll, wenn so eine Kette kommt, aber das gehört zum Business.» Als Unternehmer sei dies spannend. Auch betont Leonhardt die positiven Seiten des Markteintritts. Die Destination als Ganzes habe von den Accor-Hotels profitiert.

So würden heute etwa Kongresse in Basel stattfinden, die früher in anderen europäischen Städten Halt gemacht hätten. Davon profitierten auch die anderen Hotels inklusive Gastronomie, Dienstleister und Detailhandel. Und für den Gast steige die Qualität, was für die Destination wichtig sei. «Vor zwanzig Jahren haben sich die Teilnehmer der Baselworld noch an der Qualität der Zimmer in Basel gestört», sagt Leonhardt. Das sei heute anders.

Gerade dann aber, wenn in der Stadt eine schwache Nachfrage herrsche, also vom Sonntag auf den Montag, würden die Accor-Hotels die Preise in der Stadt stark senken, hat Leonhardt festgestellt. «Wir sind gefordert», sagt der «Krafft»-Chef.

Eine Dominanz von Accor gibt es auch in anderen Schweizer Städten. In der gesamten Schweiz betreiben die Franzosen 94 Hotels mit über 9000 Zimmern. In Zürich, Lausanne und Genf beträgt der Anteil an allen Betten, wie auch in Basel, rund 30 Prozent. Dort ist laut «Hotelrevue» die Angst vor Accor nicht allzu gross.

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