Transmenschen
Betroffener ist überzeugt: «Transmenschen werden oft stigmatisiert»

Heute Abend findet in Basel eine Podiumsdiskussion zum Thema «Transmenschen und das Schweizer Recht» statt. Veranstalter Alecs Recher ist überzeugt, dass die Schweiz im Bereich der Transmenschen noch grossen Nachholbedarf hat.

Jasmin Grasser
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Herr Recher, für Transmenschen gibt es verschiedene Ausdrücke. Welcher ist politisch und rechtlich korrekt?

Alecs Recher (Mitglied demokratische Juristinnen und Juristen Schweiz): Im Einzelfall sind es immer die Anrede und der Ausdruck, den die Person wünscht. Wir von den demokratischen Juristinnen uns Juristen Schweiz (DJS) empfehlen den Term «Trans». Erstens lässt der Term sich mit allem kombinieren, wie zum Beispiel «transgender», «transident», «Transmann» oder «Transfrau». Zweitens ist dies auch der Ausdruck, den die Schweizer Organisation der Transmenschen Transgender Network Switzerland bevorzugt. Die Bezeichnung Transsexuelle hingegen lehnen viele Transmenschen ab, da dies nichts mit ihrer Sexualität zu tun hat.

Wie definieren Sie einen Transmenschen?

Als Person, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei Geburt zugeschriebenen Geschlecht übereinstimmt.

Für was setzt sich Ihre Organisation DJS ein?

Als Vereinigung von Juristen legen wir den Fokus auf die rechtliche Lage der Transmenschen, organisieren Podiumsdiskussionen und halten Vorträge zum Thema. Die Schweiz hat in diesen Belangen nämlich noch grossen Nachholbedarf.

Inwiefern?

Die behördlichen Hürden, zum Beispiel bei der Änderung des amtlichen Geschlechts, sind zu hoch. Es braucht dazu vom Staat aus meistens eine körperliche Angleichung, eine operative Sterilisation – das wünschen sich längst nicht alle Transmenschen. Damit operative Eingriffe zur Angleichung des Körpers von der Krankenkasse übernommen werden, kann der Grundversicherer bis zu zwei Jahre Begleitung von einem Psychiater oder ein Mindestalter von 25 Jahren fordern.

Die Veranstalter

Die Basler Sektion demokratischen Juristinnen und Juristen Schweiz (DJS) organisieren die Podiumsdiskussion. Gegründet wurde die Organisation 1978. Neben Basel gibt es fünf weitere Sektionen. Die DJS kämpfen gegen «die Verschärfung des Straf- und des Strafprozessrechts, Polizeigewalt und die Ausweitung polizeilicher Befugnisse, Verschärfungen des Asyl- und Ausländerrechts, für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen und die Wahrung der Rechte von Minderheiten.»

Wie viele Transmenschen gibt es ungefähr in der Schweiz?

Zahlen dazu sind in der Schweiz bisher nicht erhoben. Eine holländische Studie besagt aber, dass eine von 20 Personen eine Ambivalenz gegenüber dem zugeschriebenen Geschlecht hat und eine von 200 Personen eine Transperson ist. Diese Erhebungen könnten auch für die Schweiz zutreffen.

Was sind die Hürden im Alltag?

Transmenschen werden oft stigmatisiert, man verbindet sie noch immer mit Leidensgeschichten und Depressionen – was für viele nicht zutrifft und nicht am Trans-Sein, sondern an mangelnder Akzeptanz durch das Umfeld liegt. Eine ganz grosse Hürde für viele ist im Alltag die Arbeitsstelle. Eine kürzlich veröffentlichte Schweizer Studie zeigt, dass im Schnitt jede Transperson einmal in ihrem Leben die Stelle verloren hat, weil sie trans ist. Mobbing kommt gleichfalls häufig vor. Rund 20 Prozent der befragten Personen sind arbeitslos, also gut sechs Mal mehr als die Schweizer Bevölkerung generell.

Sollen sich Transmenschen outen?

Wichtig ist es, den einzelnen Personen zu überlassen, das Mass auszusuchen, in welchem sie sich outen wollen. Grundsätzlich begrüssen wir aber öffentliche Outings wie zum Beispiel dasjenige von Nina Stieger, der Leiterin der Stadtentwicklung in Aarau. Es zeigt auf, dass Transpersonen in jedem Beruf arbeiten und durchaus ein völlig normales und zufriedenes Leben führen können.

Die Podiumsdiskussion findet um 19.00 Uhr im Hotel Bildungszentrum 21, Missionstrasse 21 in Basel statt.