Rheinbord
Bereits Grüsel am neuen Basler Stadtstrand: Freiluft-Sex, Abfall und Sandalenpflicht

Endlich sommerliche Temperaturen. Doch am Rheinbord häufen sich jetzt schon wieder die Abfälle. Dazu ist die neue Kiesschüttung im Bereich des Wettstein-Ufers bereits jetzt beliebt: Die Stadtreinigung sammelt allein dort bis zu 500 Liter Abfall am Tag ein.

Andreas Schwald
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Rheinbord-Grüsel
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Denn kaum wird es warm, sieht es am Rheinbord im Kleinbasel so aus.
Die Sauerei wird täglich bis 11 Uhr weggeräumt.
Bei Buvetten ist das Problem deutlich geringer, neben sozialer Kontrolle spielt hier auch die Entsorgung eine wichtigere Rolle.
Doch statt einer Buvette soll am Schaffhauserrheinweg nur ein mobiler Verkaufsstand entstehen.
Erfrischendes Baden im kühlen Rhein ist ab jetzt wieder in.
Doch die Schilder am Schaffhauserrheinweg sind ernst gemeint: Die Stadtreinigung empfiehlt, nicht ohne Sandalen zum neuen Uferabschnitt zu gehen.
Der Kiesstrand ergänzt das Wettstein-Ufer, das vergangenen Sommer wegen Niedrigwassers einen ausladenden Strand anbot.

Rheinbord-Grüsel

bz Basel

Wenn es dieses Wochenende bis zu 28 Grad warm wird, ist am Rheinbord wieder mit einer schieren Menschenmenge zu rechnen. Die verteilt sich dieses Jahr auch auf den Bereich der neuen Kiesschüttung unterhalb des Schaffhauserrheinwegs. Fertig gebaut sein soll der Abschnitt laut Basler Tiefbauamt im Juni, doch in Beschlag genommen wird er jetzt schon.

Der mittlerweile landläufig als Stadtstrand bezeichnete Bereich der Kiesschüttung beschäftigt die Basler Stadtreinigung nicht erst seit der kürzlich erfolgten Montage neuer Scherben-Warnschilder. Bereits jetzt sammelt sich dort bei schönem Wetter der berüchtigte Basler Abfall an, der während der Sommermonate zur flächendeckenden Plage am Rhein wird.

Freiluft-Sex und Sandalen

«Wir wenden nach warmen Nächten zwei bis acht Mannstunden auf, um allein den neuen Abschnitt zu reinigen, und sammeln dabei bis zu 500 Liter Abfall ein», sagt Dominik Egli, Leiter der Basler Stadtreinigung. Die Funde reichen neben den Scherben und weiteren Überresten verbrauchter Konsumgüter ins äusserst Unappetitliche, wie es an anderen Stellen entlang des Rheins sowie in öffentlichen Anlagen auch vorkommen kann. Dazu gehören Fäkalien sowie Hinterlassenschaften von Liebesakten an der frischen Luft.

Weggeräumt wird das in der Regel in den Morgenstunden. Bis 11 Uhr ist es am Rhein jeweils wieder weitgehend sauber. Weitgehend deshalb, weil die Scherbenproblematik besonders im Bereich der Kiesschüttung verschärft ist: «Wir tun unser Bestes, aber wir können selbst bei allen Bemühungen nicht garantieren, dass im steinigen Gelände alle Scherben entfernt worden sind», so Egli. Daher die Warnschilder am neuen Abschnitt, daher sein Hinweis: «Ich empfehle sehr, dass man dort Sandalen trägt.»

Kontrolle dank Buvetten

Die Scherben-Situation ist eine erneute Spitze des Litteringproblems im Rheinbereich. Seit das Kleinbasler Ufer bei schönem Wetter zu einem der längsten Freizeit-Abschnitte der Stadt geworden ist, bleibt dort die Abfallmenge sehr gross. Zwar lanciert der Kanton regelmässig Massnahmen zur Littering-Prävention, doch eine nötige, drastische Besserung bringt das nicht. Nur Linderung.

«Wirklich schlimm wird es ab 23 Uhr bis in die frühen Morgenstunden», so Egli, «also ab jenem Zeitpunkt, wenn die Buvetten schliessen und der Alkoholpegel steigt.» Denn die Buvetten sind tagsüber nicht nur gastlich, sie dienen abends auch der sozialen Kontrolle und damit des Benehmens. Entfällt dieser Faktor, wird das Rheinbord zur Grüsel- und Aggressions-Zone.

Wie sich die Lage im Bereich der neuen Aufschüttung entwickle, werde sich zeigen, sobald der Abschnitt intensiv genutzt werde, so Egli. Ein Betriebskonzept gebe es jedenfalls nicht, da dort ja nichts betrieben wird. Die Hauptaufgabe bleibe die Reinigung vor Ort. Für die Leute von der Stadtreinigung ist das «business as usual». Egli und seine Mannschaft lassen sich davon aber nicht unterkriegen: «Wir sind bereit», sagt Egli.

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