Fussball

Beim erfolgreichen FC Basel gibt es nicht nur Gewinner

Noch ist die FCB-Saison 2011/12 nicht zu Ende. In der Super League stehen noch drei Kehrauspartien gegen GC, in Genf und gegen YB an. Und am 16. Mai folgt der Cupfinal gegen Luzern. Bilanz kann trotzdem schon gezogen werden. Eine Analyse von Sebastian Wendel.

Unabhängig davon geht die Saison – natürlich wegen der Auftritte in der Champions League – als eine der erfolgreichsten in die Geschichtsbücher ein. Zeit, eine Bilanz über Gewinner und Verlierer zu ziehen und einen Blick nach vorne zu werfen. Überzeugt haben in dieser Saison alle Stammspieler des FC Basel. Dennoch bietet es sich an, einzelne Akteure herauszuheben.

Die Gewinner

Yann Sommer hat den Rollenwechsel vom Ersatz- zum Stammgoalie ohne Anlaufschwierigkeiten gemeistert. Ihm gehört in der Super League die Gegenwart, in der Nationalmannschaft die Zukunft. Der Südkoreaner Joo Ho Park, im letzten Sommer aus Japan gekommen, benötigte einige Spiele, um sich an den Rhythmus zu gewöhnen. Er überzeugt seither aber als Dauerläufer. Zusammen mit David Abraham, Aleksandar Dragovic und Markus Steinhöfer bildet Park – abgesehen vom 0:7 in München – eine international konkurrenzfähige Abwehrreihe.

Im Mittelfeld fällt vor allem die Leistungsexplosion von Granit Xhaka ins Auge: Wie unaufgeregt der erst 19-jährige Schweizer Nationalspieler das Spiel lenkt, ist bewundernswert. Xhakas Kumpel Xherdan Shaqiri gehört nur schon wegen seines Millionentransfers in Richtung Bayern zu den grossen Gewinnern. Seine Qualitäten sind seit längerem bekannt, in den letzten zehn Monaten bestätigte er sie.

Das Sturmduo Alex Frei (32) und Marco Streller (30) beweist Woche für Woche, dass es noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Frei ist der beste Torschütze und zusammen mit Streller auch der beste Vorlagengeber der Super League. Fabian Freis hauptsächlich in der Vorrunde positiven Auftritte machen den Ostschweizer zu einem kleinen Gewinner. Auch Valentin Stocker gehört in diese Kategorie, nachdem er kurz nach der Rückkehr von seinem Kreuzbandriss das wichtige 2:2 in Bern und das Siegtor gegen Bayern München erzielte.

Die Verlierer

Wo Gewinner sind, sind auch Verlierer. So abgedroschen die Floskel tönt, sie gilt auch für die fast perfekte FCB-Saison 2011/12: Radoslav Kovac, im Sommer für viel Geld als Ersatz für den abwanderungswilligen Abraham geholt, liess die Frage unbeantwortet, warum er zuvor in der englischen Premier League bei Aston Villa gute Kritiken erhielt. Einem Abraham in Hochform kann der Tscheche nicht das Wasser reichen.

Stephan Andrist begann die Saison vielversprechend in Thun, worauf der Ruf vom Rheinknie folgte. Seit dem Trainerwechsel von Thorsten Fink zu Heiko Vogel spielt er aber keine Rolle mehr. Es scheint, als fühle sich der scheue Flügelspieler, zweifellos mit Talent gesegnet, nicht recht heimisch im Basler Starensemble. Innenverteidiger Genséric Kusunga zeigte in seinen wenigen Einsatzminuten zwar gute Ansätze, sein Spiel ist jedoch immer noch geprägt von Aussetzern. 2010 als grosses Talent von Servette gekommen, ist der 24-Jährige heute nur Innenverteidiger Nummer vier.

Unglücklich verlief die Saison auch für Kay Voser, den seit dem Spätsommer eine Fussverletzung am Spielen hindert. Cabral stand seinen Mann, wenn er gebraucht wurde. Wegen der technisch stärkeren Konkurrenz war er aber oft zum Zuschauen verdammt.

Die Perspektiven

Logisch, gehören die Gewinner zu den potenziellen Abgängen oder haben wie Shaqiri bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden. Nach dem letzten Saisonspiel gegen die Young Boys am 23. Mai erfolgt beim Ligakrösus der grösste Umbruch der jüngeren Vergangenheit. Der Ersatz für Abraham scheint in dessen Landsmann Gaston Sauro gefunden, an dem der FCB grosses Interesse zeigt.

Für Shaqiri wurde der Ägypter Mohamed Salah verpflichtet. Ob er den Zauberzwerg auf Anhieb 1:1 ersetzen kann, ist fraglich. Yapi wird wohl der neue Chef im FCB-Mittelfeld, dem Ivorer müssen die FCB-Verantwortlichen einen Aggressivleader à la Huggel zur Seite stellen.

Eine Hauptrolle im Umbruch spielt Chefscout Ruedi Zbinden. Seit Monaten tourt der langjährige FCB-Angestellte in der Welt herum, auf der Suche nach neuen Talenten und gestandenen Profis. Mindestens genauso wichtig wie das fussballerische Können sind bei einem potenziellen Neuzugang dessen Charakter. Starallüren sucht man im aktuellen Team vergeblich. Die mannschaftliche Geschlossenheit, auf welche die Spieler ständig verweisen, wird auch in Zukunft ein entscheidender Faktor für den Erfolg sein.

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