Corona

Basler Primarschüler an Corona erkrankt: Müssen Schulen jetzt über die Bücher?

Eine Primar- und eine Kindergartenklasse des Isaak-Iselin-Schulhauses sind in Quarantäne, da ein Geschwisterpaar Corona-positiv ist.

Eine Primar- und eine Kindergartenklasse des Isaak-Iselin-Schulhauses sind in Quarantäne, da ein Geschwisterpaar Corona-positiv ist.

Ein Geschwisterpaar, das eine Primar- und eine Kindergartenklasse der Isaak-Iselin-Schule besucht, wurde positiv getestet. Kantonsarzt Thomas Steffen liess nicht nur die Familie isolieren, sondern gleich beide Klassen – insgesamt sind 70 Personen in Quarantäne. Plötzlich wird Schulöffnung infrage gestellt.

«Oh je.» Das ist das erste, das Jean-Michel Héritier sagt, als er von der «Schweiz am Wochenende» von den beiden Corona-Fällen an der Basler Primarschule Isaak Iselin erfährt. «Ich hatte gehofft, dass dieser Kelch an uns vorbeigeht», fährt der Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt fort. Und er dürfte nicht der einzige sein, den die kantonale Mitteilung am Freitagnachmittag überraschte.

Versteckt im normalen Tagesbulletin zu den neusten Coronavirus-Zahlen schreibt das Gesundheitsdepartement, dass ein Geschwisterpaar, das im Isaak Iselin beim Kannenfeldpark eine Primar- und eine Kindergartenklasse besucht, positiv getestet wurde. Die weiteren Familienmitglieder seien unter Quarantäne gestellt worden. Doch nicht nur das: Kantonsarzt Thomas Steffen entschied, auch die beiden betroffenen Klassen, begleitet von jeweils mindestens einem Elternteil, sowie mehrere Lehrer unter Quarantäne zu stellen. Insgesamt werden so rund 70 Personen bis zum 5. Juni isoliert. «Wir kennen die Ansteckungsquelle nicht und möchten im Sinne des Gesundheitsschutzes für die Schule nicht zu früh locker lassen», lässt sich Steffen zitieren.

Können Kinder andere Kinder doch anstecken?

Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt er offen: «Wir wenden strengere Regeln an, als es die Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) vorsehen.» Doch für Steffen ist zentral, «mit aller Konsequenz jeden einzelnen neuen Coronavirus-Fall zu verfolgen», seien es Erwachsene oder Kinder. Doch genau das ist ja das Unerwartete: Dass dieses Mal zwei kleine Kinder das Virus in sich tragen. Seit der Wiedereröffnung der Volksschulen am 11. Mai kam es schweizweit nur zu vereinzelten Fällen an Schulen, wobei es jeweils um Sekundarschüler ging. In Luzern oder im Aargau wurde zudem darauf verzichtet, ganze Klassen zu isolieren.

«Das Mantra von Daniel Koch scheint also doch nicht ganz zu stimmen», sagt Héritier und meint damit die Aussagen des Corona-Delegierten des Bundes, wonach kleine Kinder kaum Träger des Virus seien und niemanden anstecken. Laut Steffen stehe allerdings noch nicht fest, ob das Mädchen und der Junge jemanden aus der Klasse angesteckt haben. Er sagt: «Wir gehen davon aus, dass Kinder das Virus schwächer weitergeben als Ältere, aber wir sagen nicht, dass es unmöglich ist.» Eine Quarantäne sei der beste Weg, um Ansteckungsketten konsequent zu stoppen.

Steffen erinnert sich an den Fall eines Neunjährigen, der Lungentuberkulose hatte. «In allen Fachbücher stand, dass Kinder die Krankheit nicht übertragen, da sie nicht stark genug husten könnten. An der Schule hatten wir am Ende mehrere Dutzend Fälle.» Was er damit sagen will: «Man darf sich von der momentanen Ruhe nicht täuschen lassen.» Er selbst hätte nicht damit gerechnet, dass die Corona-Zahlen nach den Lockerungen so lange so tief bleiben.

Kanton will Schul-Regeln noch nicht anpassen

Beeinflusst der Fall der Isaak-Iselin-Schule nun die bestehenden Sicherheitsregeln an den Basler Volksschulen? «Wir überprüfen unsere Konzepte natürlich täglich, orientieren uns aber am BAG, das den Präsenzunterricht ohne Sicherheitsabstand bei den jüngeren Kindern weiterhin vorsieht», teilt Simon Thiriet, Sprecher des Basler Erziehungsdepartements mit. Und beim Präsenzunterricht der Mittelschulen, der am 8. Juni startet, beachte man schliesslich den Abstand. Steffen findet auch, dass jetzt noch nicht der Punkt sei, um bei der Volksschule generell zu intervenieren. Man müsse die Situation genau beobachten. «Wenn sich aber doch eine zweite Welle abzeichnet, dann müssen wir mit aller Energie dagegen vorgehen, um sie wieder einzudämmen.»

Héritier sieht es ähnlich: «Sollten die beiden Kinder aber tatsächlich weitere angesteckt haben, dann muss der Kanton über die Bücher.» Dies würde die bisherigen Annahmen infrage stellen. Steffen betont, wie wichtig es sei, dass die Hygiene- und Abstandsregeln weiter beachtet werden. Dass die Menschen sich wünschten, dass alles bald vorbei ist, verstehe er. Doch: «Als Epidemiologe sage ich: Vorbei ist es erst, wenn der Impfstoff da ist.»

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