Jubiläum

Basler Mission: ein langer Marsch mit leisen Misstönen

Mit den Basler Missionaren gelangten auch allerlei fremde Traditionen in den ghanaischen Alltag, wie diese Fotografie aus dem Jahr 1901 belegt. (Archiv Mission 21, Sign. BMA D-30.03.043)

Mit den Basler Missionaren gelangten auch allerlei fremde Traditionen in den ghanaischen Alltag, wie diese Fotografie aus dem Jahr 1901 belegt. (Archiv Mission 21, Sign. BMA D-30.03.043)

Die Basler Mission feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Ihre Geschichte ist packend – doch am Schluss bleibt manche Frage offen.

«200 Jahre unverschämt viel Hoffnung.» So feiert diese Tage die Basler Mission ihr Jubiläum. Und sie feiert nicht zu knapp: Während einer ganzen Woche finden Veranstaltungen statt, ein mehr als hundert Seiten langes Jubiläumsmagazin wurde veröffentlicht, und das Museum der Kulturen widmet sich mit der Ausstellung «Mission Possible» der langen Geschichte der Basler Mission.

200 Jahre sind aber auch eine unverschämt lange Zeit. Seit der Gründung der Basler Mission ist der Schweizer Bundesstaat gegründet worden, haben zwei Weltkriege stattgefunden und ehemalige Kolonien ihre Unabhängigkeit erkämpft. Mittendrin steht die Basler Mission und ist mit allen Ereignissen und strukturellen Veränderungen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert irgendwie verwoben. Grund genug für eine Rückschau.

Gegründet 1815 im Dunstkreis der reichen Basler Pietistenfamilien, schickte die «Basler Missionsgesellschaft» ab den 1820er-Jahren eigene Missionare nach China, Indien und Afrika. Ganz im Sinn des pietistischen Selbstverständnisses sollten sie «Katalysatoren sein für eine wohltätige Zivilisationsentwicklung und für Ausgleich, Gerechtigkeit und Frieden», wie Peter Felber von Mission 21 sagt. An immer mehr Orten wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts Missions-Siedlungen errichtet, an denen Gottes Wort verkündet, Einheimische unterrichtet und europäische Errungenschaften wie etwa die Medizin propagiert wurden.

Der gute Wille und die Sklaven

Gemäss ihrer eigenen Geschichtsschreibung setzte sich die Basler Mission in Afrika gegen die Sklaverei ein. Durch die Gründung der «Basler Handelsgesellschaft» schuf sie die Infrastruktur, um die «Menschen aus dem Süden» in den weltweiten Handel einzubinden. Hier zeigt sich vielleicht die Ambivalenz der langen Geschichte: Zwar hatte sich die Zentrale der Basler Mission, das sogenannte Komitee, schon sehr früh dezidiert gegen den Sklavenhandel ausgesprochen – doch die guten Absichten wurden, Tausende von Kilometern entfernt, teilweise nur schlecht umgesetzt. Der Historiker Thomas David erzählt in seinem Buch «Schwarze Geschäfte» (Limmat Verlag, 2005) von Missionaren, die sich dem Verbot bis in die 1870er-Jahre widersetzten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden auch immer mehr Reibungsflächen zwischen der Basler Mission und verschiedenen Kolonialmächten. Die Basler Mission äusserte sich offenbar oft kritisch gegenüber dem rauen Umgang der Kolonialbehörden mit den Einheimischen. Dennoch sieht die heutige historische Forschung etwa in den Tätigkeiten der «Basler Handelsgesellschaft» durchaus auch Problematisches. Je nach Definition, schreibt etwa der Basler Historiker Georg Kreis im Begleitband zur Ausstellung «Mission Possible» (Christoph Merian Verlag, 2015), «ist auch die Präsenz schweizerischer Unternehmer in den Kolonien eine Form des Imperialismus».

Unabhängigkeit von Europa

Die beiden Weltkriege markieren für die Basler Mission einen tiefen Einschnitt. Weil sie bis zu diesem Zeitpunkt stark mit Deutschland verbunden war, wächst das Misstrauen der indigenen Bevölkerungen gegen die Basler Mission zunehmend. Ab Ausbruch des Ersten Weltkriegs werden immer mehr Missionare zum Kriegsdienst eingezogen. «Für viele missionierte Christen war es traumatisch zu sehen, dass die europäischen Missionare, die sich als Friedensbringer gegeben hatten, plötzlich zu den Waffen griffen und sich gegenseitig töteten», sagt Felber.

Das habe dazu geführt, dass sich viele Kirchen in Übersee von der Zentralmission lossagten und autonom wurden. «Man kann das als Beginn einer Entkolonialisierung interpretieren», sagt Felber. Ab den 1950er-Jahren unterstützt die Basler Mission denn auch verstärkt die Unabhängigkeitsbestrebungen verschiedener Länder, seit den Neunzigerjahren räumt sie ihren Kirchen in Übersee mehr Mitbestimmungsrechte ein – nachdem sich diese offenbar über die eurozentrische Struktur der Institution beklagt hatten.

Der Blick in die Zukunft

«Mission 21» – so nennt sich die Basler Mission nach einem Zusammenschluss mit anderen Missionen seit 2001. Im Vordergrund stehen nicht mehr abenteuerlustige Missionare, die irgendwo in Afrika das Wort Gottes verkünden. Heute kämpft sie für Gleichstellung, setzt sich im Kampf gegen Boko Haram für Christen und Muslime gleichermassen ein und nennt die Kirchen in Übersee nicht mehr Missionsstationen, sondern «Partner». Der Blick ist klar in die Zukunft gerichtet.

Doch wie das so ist bei langen Geschichten: Am Schluss bleibt manche Frage offen. Offenbar waren gerade die frühen Begegnungen zwischen Missionaren und Einheimischen oft nicht so verständnisvoll wie bisher angenommen. Insofern ist zu hoffen, dass bei allem Blick in die Zukunft auch die Vergangenheit nicht ganz in Vergessenheit gerät.

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