Bodenforschung
Basler Archäologen finden mittelalterliches Affenskelett beim Bau des neuen Kunstmuseum-Parkings

Die Mitarbeitenden der Archäologischen Bodenforschung machten beim Bau des neuen Kunstmuseum-Parkings einen sensationellen Fund. In einer mittelalterlichen Latrine ist das Skelett eines männlichen Berberaffens gefunden worden. Dies ermögliche nun einen neuen Blick in die Lebenswelt des Mittelalters in Basel.

Aimee Baumgartner
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Das aus der Verfüllung der Latrine geborgene Skelett eines jungen Berberaffens ist fast vollständig erhalten. (Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt)
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Die Latrine am St. Alban-Graben enthielt nebst dem Affenskelett Haushaltsabfälle, darunter mehrere ganze Töpfe, die eine sichere Datierung des Skeletts ermöglichen. (Foto: Fabian Bubendorf, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt)
Die Latrine (violett) mit dem Affenskelett gehörte zum Vorderen Ramsteinerhof (grün), der direkt an die Innere Stadtmauer grenzte. (Merianplan von 1622)
Abbildung eines angeketteten Berberaffens. Detail eines mittelalterlichen Wandteppichs aus dem 15. Jahrhundert. (La Dame à la Licorne, Musée de Cluny, Paris.)

Das aus der Verfüllung der Latrine geborgene Skelett eines jungen Berberaffens ist fast vollständig erhalten. (Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt)

Kanton Basel-Stadt

Der Affe sei im 15. Jahrhundert wahrscheinlich von einem prominenten Basler als Heimtier gehalten worden, teilt das Präsidialdepartement am Donnerstag mit. Aus dem Mittelalter kenne man in Europa bislang nur wenige Fundstellen von Affenknochen. Ganze Tiere, wie nun in Basel geborgen, seien praktisch nicht vorhanden.

Die Archäologen entdeckten das Skelett im Inneren eines im untersten Bereich erhalten gebliebenen Turms der Inneren Stadtmauer. Nachdem der Turm mit dem Bau der Äusseren Stadtmauer seine Wehrfunktion verloren hatte, haben ihn die Bewohner nicht nur als stilles Örtchen genutzt, sondern darin auch ihre Haushaltsabfälle entsorgt.

Zusammenarbeit mit der Uni Basel und dem Naturhistorischen Museum

Bei der näheren Untersuchung des Skelettes durch Spezialisten der Universität Basel und des Naturhistorischen Museums gelang anhand der Vergleichssammlung des Museums eine genaue Bestimmung der Tierart. Es handele sich um einen vollständigen männlichen Berberaffen.

Das knapp ausgewachsene, zwischen fünf und acht Jahre alte und ziemlich kräftige Tier wies Spuren einer wenig artgerechten Haltung auf. So hatte der Affe einige verheilte Brüche, eine Entzündung am Ellbogen und abgeschliffene Eckzähne, die als möglicher Infektionsherd lebensgefährlich für das Tier gewesen seien.

Kleinaffen waren seit der Antike gefragte Heimtiere

Die Haltung von Kleinaffen als Heimtiere sei zwar bereits seit der Antike bekannt, ein Import entwickelte sich aber erst ab dem 12. Jahrhundert. «Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit war die Haltung von Affen als Heimtiere insbesondere bei Klerikern und humanistischen Gelehrten beliebt», heisst es in der Mitteilung weiter.

Wem der Berberaffe einst gehörte, sei nicht mit Sicherheit festzustellen, da das Haus an der Rittergasse 24 oft den Eigentümer gewechselt hatte in dieser Zeit. Als Besitzer des Affen käme aber nach ersten Recherchen am wahrscheinlichsten Heinrich von Beinheim in Frage, der die beiden Häuser «zum Panthier» und «zum Vorderen Ramstein» 1437 kaufte. Von Beinheim war massgeblich an der Gründung der Universität beteiligt und verfügte über wichtige Ämter am Bischofshof und am Basler Konzil.