Beflaggung
Basels flatternde Visitenkarte

Über 100 ständig wechselnde Fahnen machen in Basel auf Events aufmerksam.

Stephanie Brückner
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Vor dem Bahnhofsgebäude begrüssen Flaggen die Besucher der Stadt. Juri Junkov

Vor dem Bahnhofsgebäude begrüssen Flaggen die Besucher der Stadt. Juri Junkov

Juri Junkov

Langsam streckt sich der Metallarm des Montagefahrzeugs und die Hubbühne fährt in die Höhe. Vorsichtig navigiert der Mitarbeiter der BVB die kleine Plattform durch die Fahrleitungen des Tramnetzes. Diese überwunden, dreht er die Bühne nach links und nähert sich dem äusseren Fahnenmast, der über der Tramstation am Centralbahnplatz steht. Vorsichtig nimmt der Mitarbeiter die Fondation-Beyeler-Flagge vom Mast und hängt die blaue Swiss-Indoors-Flagge auf.

Etwa fünf Minuten dauert das ganze Spektakel bis die Hubbühne und der Mitarbeiter wieder sicheren Boden unter den Füssen haben. Dies wiederholt sich etwa 50 bis 60 Mal die Woche, bis alle Flaggen an ihren Plätzen hängen.

Werbung für die Stadt

«Die Beflaggung in Basel ist zentral für die Promotion der Stadt», erklärt Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing. Passend zum jeweiligen Event, heissen Flaggen an verschiedenen Standorten die Besucher Willkommen. Zudem machen die Flaggen auch diejenigen Besucher auf den Event aufmerksam, die diesen zuvor nicht kannten. Horvath sieht darin einen Nutzen für den Event, als auch für die Stadt als Austragungsort. «Wir wollen die Besucher begrüssen, aber auch die Veranstaltung sichtbar machen», erklärt sie. Dies stärke Basel als «internationale und pulsierende» Stadt.

Aus diesem Grund stellt der Kanton dem Beflaggungsteam 130 000 Franken Budget zur Verfügung pro Jahr. Denn der Beflaggungsprozess «ist komplizierter und aufwendiger, als man denkt».

Das Wichtigste dabei ist die Koordination. Jährlich werden in der Stadt über 100 verschiedene Flaggen von 25 verschiedenen Veranstaltungen an 40 verschiedenen Standorten aufgehängt. Dabei müssen die Verteilung der Flaggen und die Daten der Hängung präzise abgestimmt sein. Horvath fertigt dazu jeweils einen Jahresplan an, auf dem jede Veranstaltung ihre jeweiligen Plätze zugewiesen bekommt.

Darauf folgt der praktische Teil. Den fertigen Plan leitet Horvath dem Tiefbauamt weiter. Dieses verfügt über ein Flaggenlager, in dem über 800 verschiedene Flaggen gelagert sind. Das Tiefbauamt ist zudem für die Hängung verantwortlich. Mit einem Montagefahrzeug werden die Flaggen so jeweils ausgetauscht. Ausnahme sind die Flaggen am Centralbahnplatz, da dieser mit Tramleitungen überzogen ist. Dort übernimmt die BVB die Hängung.

Koordination der Standorte

Der Centralbahnplatz ist zudem einer der wichtigsten Standorte, da er «ein Eingangstor zur Stadt bietet». Die Flaggen, die über den Tramhaltestellen wehen, sind somit etwas vom Ersten, was die Besucher von Basel wahrnehmen. Diese Beflaggungsplätze werden daher nur an Gross-events verteilt.

Genauso sieht es bei der Mittleren Brücke aus. Als zentrale Verbindung zwischen Gross- und Kleinbasel ist es nur den sieben Topevents gestattet, mit Flaggen auf der Brücke zu werben: Dazu gehören die Art Basel, die Basel World, die Muba, der CSI Basel, das Basel Tattoo, die Baloise Session und die Swiss Indoors. Die beiden Letzteren finden zeitgleich in den kommenden Wochen statt. Als Kompromiss teilen sich die Flaggen beider Events die Brücke. «Wir versuchen, jeweils das Maximum an Marketing herauszuholen, dazu muss man sich auch mal entgegenkommen», meint Horvath. Uneinigkeiten entstehen dabei nur selten, meist kann eine gemeinsame Lösung gefunden werden.

Ein verkehrter Baslerstab

Nach dem Lösen der koordinativen Probleme ist das Tiefbauamt für die reibungslose Ausführung in der Praxis zuständig. Diese funktioniert auch beinahe ohne Zwischenfälle. Roger Fricker, Arbeitsvorbereitung Allmendmobiliar, erinnert sich an einen Vorfall: «Einmal haben wir den Baslerstab verkehrt aufgehängt. Da ging es keine fünf Minuten, bis das Telefon klingelte.» Solche Missgeschicke werden dann jeweils schnell behoben.

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