Kommt man um sie herum? Die Frage stellte sich wie im Jahr zuvor. Kann der Basler Pop-Preis, diese Spitzenförderung, an Zeal & Ardor vorbeigehen? An jener innovativen Metal-Band, die in den vergangenen Monaten mit 80 Konzerten um die Welt reiste, an Festivals vor Zehntausenden spielte und selbst in den fernen USA manche ausverkaufte Show gab?

Schon vor der Preisverleihung am Mittwoch Abend in Münchenstein wusste man, dass die Jury nicht zu beneiden war. Würden Zeal & Ardor nicht gewählt, käme der Vorwurf, man habe die Band der Stunde ignoriert. Würden sie hingegen zum zweiten Mal in Folge ausgezeichnet, würden manche lautstark Abwechslung fordern, mit dem Argument: Die habens doch nicht mehr nötig! Ein Trugschluss: Bassistin Mia Rafaela Dieu verriet im Gespräch mit der bz, dass sie zwar von der Musik leben könne, allerdings «nur» in einer WG, eine eigene Wohnung liege nicht drin.

Basler Pop-Preis 2018

Basler Pop-Preis 2018

Die Gewinner Audio Dope und La Nefera im Interview.

Erstmals elektronische Musik

So oder so würde der Juryentscheid zu diskutieren geben. Sandro Bernasconi (Kaserne) und Claudia Kempf (Suisa) sassen schon 2017 am Hebel. Mit den Zürcher Veranstaltern Marion Meier (Zurich Open Air) und Alfonso Siegrist (Mascotte, Plaza) sowie dem Berliner Musikentrepreneur Tim Renner stiessen drei neue, unvoreingenommene Leute zur Jury hinzu.

Und diese befand nach längerer Sitzung: Der Pop-Preis 2018 geht nicht an Zeal & Ardor, sondern an einen zweiten Act, der international gross wahrgenommen wird, aber ein ganz anderes Genre auf die Landkarte setzt: die elektronische Musik. Mit Mischa Nüesch alias Audio Dope wird erstmals in der Geschichte dieses Preises ein Vertreter der elektronischen Musik gewürdigt. Er ist ein Produzent, der für Rapper wie Laurin Buser Beats geschaffen hat und im stillen Kämmerlein an seinen eigenen Tracks arbeitet, die 2018 im selbstbetitelten Album erschienen sind. Entspannte, chillige Sounds sind es, die aufhorchen lassen: Allein seine Nummer «Floating» wurde auf Spotify 1,5 Millionen Mal abgespielt. Die Botschaft der Jury ist klar: Sie wünscht sich für die Zukunft noch mehr Live-Auftritte von Audio Dope, auf dass er international den nächsten Schritt mache. Die 15 000 Franken kann er ja mal als Anschubfinanzierung verstehen.

Basler Pop-Preis 2018: Jury-Sprecher Sandro Bernasconi

Basler Pop-Preis 2018: Jury-Sprecher Sandro Bernasconi

Der Jury-Sprecher des Basler Pop-Preises 2018 sagt, warum ein elektronischer Künstler gewann und Zeal&Ardor dennoch ganz vorne mitspielen.

Der Pop-Preis war nicht die einzige Würdigung an diesem Abend. Die fünf Nominierten, dazu gehörten auch Anna Aaron, Alma Negra und La Nefera, waren zudem im Rennen um den Publikumspreis. Dieser wurde mittels Voting auf der Website der bz ermittelt. Mehrere Hundert Leute gaben ihre Stimme ab, dabei kam es zu einem klaren Start-Ziel-Sieg: Jennifer Perez alias La Nefera liess alle hinter sich. Erstmals nominiert, hat die 30-jährige Rapperin eine beachtliche Fanbasis hinter sich. Sie erhielt 41 Prozent der Stimmen zugesprochen.

Mehr Geld für die Musik-KMUs

Während der Publikumspreis nur aus Ruhm und Ehre besteht, ist ein anderer so gut dotiert wie noch nie: Der RFV hat für die zehnte Verleihung des «Business Support» erstmals 24 000 Franken bereitgestellt. Mit diesem Preisgeld will der Förderverein die Musik-KMUs in der Region Basel stärken. Denn, so der RFV, «sie sind ein wesentlicher Grundpfeiler für den Erfolg von Bands und Acts.»

Waren in den ersten neun Jahren Agenturen, Managements und Labels ausgezeichnet worden, so können sich neu Aufnahmestudios bewerben. Eines wurde von der fünfköpfigen Fachjury auch gleich mit dem höchsten Betrag 2018 ausgezeichnet: Das One Drop Studio der Scrucialists erhält 12 000 Franken. Es ist längst nicht nur für Reggaemusiker zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden (auch wenn die veraltete Webseite das nicht ganz erahnen lässt, aber für diese können sie sich ja jetzt ein Update leisten).

Halb so viel Geld, 6000 Franken, gehen an Czar of Crickets. Frederyk Rotter hat dieses Label 2006 für seine Band Zatokrev gegründet und ist seither von Wittinsburg aus für viele Bands aktiv tätig. Ebenfalls einen Zuschuss in Höhe von 6000 Franken bekommt zudem die Basler Agentur Planisphere, die sich auf Musik im elektronischen Bereich spezialisiert hat und sich unter anderem um Alma Negra oder Mehmet Aslan kümmert.

Last but not least wäre da noch der Anerkennungspreis, mit dem Bettina Schelker ausgezeichnet worden ist. Nach Roli Frei, Pink Pedrazzi, Black Tiger und V.O. Pulver ist sie die erste Frau, die diesen Basler Lifetime Achievement Award überreicht bekommt. Ihre lange Karriere startete sie als Mundartsängerin mit der Band Polschtergruppe, ehe sie 1999 mit «Foundagirl» ihr Label gründete und ganz nach dem Motto «selbst ist die Frau» seither als unabhängige Singer-Songwriterin unterwegs ist. Ob solo, mit Band oder im Doppelpack mit Supertramp-Gitarrist Carl Verheyen: Schelker bringt ihre Lieder kontinuierlich unter die Leute.