Seine Aussagen hallen nach: «Eine Stiftung darf auch mal eine gewisse Unruhe säen», hat Beat von Wartburg im grossen Interview mit der bz erklärt. Als Direktor der Christoph Merian Stiftung (CMS) setzt er derzeit eine neue Förderstrategie um: Die CMS möchte ihre fixen Engagements im Kulturbereich von 80 auf 50 Produzent runterfahren und damit Gelder freisetzen für «Vitaminspritzen, dort, wo es uns braucht».

Im Bereich der Kulturförderung ist die CMS mit jährlichen Beiträgen von insgesamt fünf Millionen Franken ein aktiver Player. Da stellt sich die Frage: Ist die Neuausrichtung in Rücksprache mit dem Kanton Basel-Stadt erfolgt? Ja, teilt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann auf Anfrage mit. Das Programm sei dem Regierungsrat schon vor Jahren vorgelegt und von diesem genehmigt worden. Der Kanton sei es auch gewesen, der die CMS anregte, künftig auf Anschubfinanzierungen zu verzichten und stattdessen Projekte zu fördern mit von vornherein begrenzter Laufzeit.

Während der Kanton die kulturelle Grundversorgung sicherstellen müsse und das Standbein bilde, hätten private Förderer wie die CMS das Privileg, das Spielbein zu sein. «Sie haben eine grössere Flexibilität, das liegt in der Natur der Sache. Es können ja nicht alle der Joker sein», sagt die Vorsteherin des Präsidialdepartements.

Offene Fragen zum Literaturhaus

Kritisch hat sich der CMS-Direktor zum Literaturhaus geäussert, das in Zukunft von der CMS 100'000 Franken weniger pro Jahr erhalten wird. Ob sich der Kanton Basel-Stadt dafür stärker beteiligen wird, lässt Elisabeth Ackermann offen. «Grundsätzlich wird die Höhe der Staatsbeiträge an Institutionen jeweils nach vier Jahren, auf der Basis eines vorliegenden Antrags, geprüft. Selbstverständlich ist die Abteilung Kultur im Austausch mit dem Literaturhaus», betont Ackermann, wird aber nicht konkreter.

Ebenfalls geht sie nicht näher auf von Wartburgs Aussage ein, dass es in Basel genügend Museen und Institutionen gebe. «Wir sollten verstärkt darüber nachdenken, was es überhaupt noch braucht», sagt von Wartburg und fordert eine öffentliche Debatte darüber, welche Kulturförderung wir wollen. «Wie viele Orchester möchten die Basler, wie viel Popförderung, wie viele Museen?»

Diese kritischen Fragen finden auch im Grossen Rat Zuspruch. «Wenn man etwas Neues aufgleisen will, muss man auch Bestehendes hin und wieder hinterfragen. Man kann nicht alles haben», findet FDP-Kulturpolitiker Stephan Mumenthaler. Wenn sich die CMS teilweise zurückzieht, werde es umso dringender, dass auch der Kanton vermehrt Prioritäten setzt, ergänzt SVP-Grossrat Joël Thüring, wie Mumenthaler Mitglied der Bildungs- und Kulturkommission (BKK).

Deren Vizepräsidentin Franziska Reinhard teilt diese Ansicht: «Den Wandel der CMS würde ich mir auch vom Kanton wünschen: Wir können nicht einfach Geld ausschütten, sondern müssen uns auch über den Sinn Gedanken machen», sagt die SP-Politikerin.

Die Aussagen des CMS-Direktors decken sich zudem mit Kritik aus dem Grossen Rat: Im Kulturbereich fehle es an einer Gesamtstrategie des Kantons, sind sich die befragten Parlamentarier einig. «Man ist bis heute nicht bereit, Prioritäten zu setzen», findet Thüring.

Elisabeth Ackermann geht darin einig, dass man Schwerpunkte immer wieder überprüfen muss. «Sehr gerne führen wir eine öffentliche Debatte über die Zukunft der Kulturförderung», teilt sie mit, «im Moment entsteht gerade das neue Kulturleitbild, dieses wird in diesem Jahr in die Vernehmlassung gehen.» Vorgängig seien dazu breite Kreise von Kulturschaffenden befragt worden.