Klingentalkirche

Achtung, frisch gestrichen: Hausbesuch in den neuen Ateliers

Heute Samstag laden die Mieterinnen und Mieter der neu sanierten Förderateliers Klingental zum Hausbesuch.

Dreissig Glocken für die Klingentalkirche, das Klingelbrett der neu vergebenen Förderateliers glänzt frisch und schwarz. Nur die Brief- und ­Paketpost muss sich – zumindest am Tag der Vorbesichtigung – noch mit einem Provisorium begnügen: «Das ist der Briefkasten», lacht Katrin Grögel, Co-Leiterin Abteilung Kultur Basel-Stadt, und zeigt auf einen umfunktionierten Karton bei der Eingangstüre.

In seinem Inneren aber wurde der ehemalige Sakralbau, der seit den Sechziger­jahren Kunstateliers beherbergt, komplett saniert. Der darin ebenfalls befindliche Ausstellungsraum Klingental wurde im Lauf der zweijährigen Umbauarbeiten dafür eigens Richtung Chor verlegt.

«Das war während der Planung eigentlich kein Thema gewesen», erklärt Grögel, «aber die räumliche Entflechtung macht Sinn.» So gibt es nicht nur weniger Reibungsflächen, beispielsweise bei Transporten; entstanden ist auch ein neuer Gemeinschaftsraum für kleinere Anlässe, Ausstellungen – und vor allem den Austausch.

Trotz Baustellenlärm ­geradezu «heilig»

«Wir wollen gezielt die Begegnung zwischen den verschiedenen Sparten ermöglichen», erläutert Grögel den interdisziplinären Ansatz bei der Vergabe der Ateliers: 64 Bewerbungen waren eingegangen, zu den ­jetzigen Mieterinnen und Mietern zählen Fotografinnen, Bildhauer, Maler und Choreografinnen. Auch die Altersdurchmischung ist gross, ein Viertel der Ateliers wurde für Kunstschaffende über 60 Jahre reserviert. Die Miete ist mit 80 Franken pro Quadratmeter und Jahr stark reduziert, die Differenz zu marktüblichen Preisen begleicht der Kanton.

Und wie findet sich die neue Mieterschaft in den Räumlichkeiten zurecht? Tobias Wirz hatte zuvor ein Atelier in Riehen, das jetzt vom Spielzeugmuseum beansprucht wird. Der 1952 ­geborene Bildhauer bearbeitet geschichtetes Holz zu geometrischen Skulpturen. «Es hat zwar nur ein Fenster hier», sagt Wirz, «aber man gewöhnt sich daran.» Abgesehen vom Baustellenlärm sei der neue Ort sehr ruhig, ­seine Ausstrahlung geradezu «heilig».

Maximal für sieben Jahre fest eingemietet

Auf dem gleichen Stockwerk hat auch Jasminka Stenz einen Raum bezogen. Ihr erstes eigenes Atelier hatte die Tänzerin in Paris. «Das war sehr inspi­rierend, ich wusste, das bringt meine Arbeit voran.» Als Performancekünstlerin reagiere sie besonders kritisch auf Räume. «Ich mag Leere und urbane Elemente», wie man sie auch im Treppenhaus und den Korridoren der ehemaligen Kaserne ­antreffe. Mit dem groben Holz­boden und den Säulen habe sie sich aber noch nicht anfreunden können. «Vielleicht tauschen wir intern auch noch die Zimmer.»

Im Gegensatz zu den vorhergehenden Räumen wirkt das Atelier von Florian Graf, als wäre es schon Seite Jahren in Gebrauch – sogar ein Bett steht in einer Ecke. «Ich muss manchmal in den Horizontalzustand, das bringt mich auf andere ­Gedanken.» Als «Raum-Eroberungsexperte» habe er gelernt, schnell anzukommen, sagt der Zeichner und Konzeptkünstler, der viel auf Reisen war und jetzt erstmals für maximal sieben Jahre eingemietet ist.

«Es ist wie in einer Beziehung», erklärt Graf: «Man ist endlich mal fest, hat aber auch weniger Freiheit.» Sein Atelier findet er «extrem schön, man traut sich kaum, den Pinsel in die Hand zu nehmen». Und man spüre die Geschichte des Ortes: «Es fühlt sich nicht an wie in einer Schachtel.»

Auch Alexandra vom Endt begeistert sich für das historische Gebäude. «Ich besuche ­sowieso immer alle Kirchen», sagt die Liestaler Grafikerin und Fotografin, die mit dem Velo in die Stadt pendelt. «Richtig angedockt habe ich aber noch nicht – ich muss mich auf die Vernissage vorbereiten.»

Vom Endt hat die Sanierung der Klingentalkirche fotografisch festgehalten und die dabei entstandenen 5000 Bilder zu einer Broschüre verdichtet: 150 Stück, die von Hand gefaltet werden wollen. «Ich bin vor allem auf die Gemeinschaft hier gespannt.»

Eröffnung Förderateliers ­Klingental, Samstag, 19. 9. Open Studios, 13 Uhr; Festakt, 19 Uhr.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1