Antikenmuseum Basel

2000 Jahre Geschichte vereint an einem Ort

Die Sonderausstellung «Roma Eterna» im Antikenmuseum Basel birgt viele Schätze – und auch einige Überraschungen. Nicht nur die Antike oder das antike Rom werden gezeigt, sondern hauptsächlich Kunst und Handwerk.

Auf der linken Seite steht eine Marmor-Büste, sie ist noch nicht ganz fertig verarbeitet. Die abgehauenen Teilchen säumen den Sockel der Skulptur, nebendran liegen die Werkzeuge des Bildhauers. Wer weiter spaziert, gelangt durch einen Raum voller Skulpturen weiter in einen Garten. Die Wohnräume des römischen Palazzos strotzen nur so vor Kunstwerken, von denen jedes seine ganz eigene Geschichte erzählt. Selten zuvor hat jemand solch eine Sammlung gesehen.

Das soll sich ändern: Am Mittwoch eröffnet das Antikenmuseum Basel die Ausstellung «Roma Eterna», eine einzigartige Zusammenstellung von Skulpturen der letzten 2000 Jahre. «In dieser Form und Grösse hat es das noch nie gegeben», sagt ein sichtlich stolzer Andrea Bignasca, Direktor des Antikenmuseums Basel. Die Ausstellung führt die beiden Privatsammlungen Santarelli und Zeri zusammen und zeigt durch diese Kombination eine noch grössere Vielfalt.

Und genau darum soll es gehen. Nicht nur die Antike, und auch nicht nur das antike Rom, wie der Name der Ausstellung möglicherweise impliziert, steht im Fokus, sondern das Handwerk und die Kunst an sich. «Roma Eterna» - übersetzt Ewiges Rom - führt Meisterwerke der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters, der Renaissance, des Barocks bis hin zum Klassizismus zusammen. «Wir wollen einen Überblick schaffen und dabei den Bogen über die Antike hinaus spannen», erklärt Kurator Tomas Lochmann eines der Ziele.

Macht, Religion und Mythos

Wer dabei eine chronologische Aufreihung der Kunstwerke erwartet, täuscht sich. Die Ausstellung ist ein Mix einer thematischen und einer diachronischen Gliederung. Einerseits werden die Büsten und Herrscherköpfe in unvergängliche Themen wie Macht, Religion, Mythos und Allegorie aufgeteilt, andererseits werden Skulpturen verschiedener Epochen einander gegenübergestellt, um den direkten Vergleich deutlich zu machen. In diesem diachronischen Vergleich werden teils verblüffende Analogien zwischen Antike und der Nach-Antike sichtbar.

Doch nicht nur Skulpturen aus zeitlich unterschiedlichem Ursprung werden einander gegenübergestellt, sondern auch religiös unterschiedlich motivierte Skulpturen. Eines der imposantesten Beispiele ist hier der Vergleich zwischen dem Nike-Torso mit Dionysoskopf und dem barocken Marmor-Engel aus dem 16. Jahrhundert. Hier treffen eine heidnische und eine religiöse Skulptur aufeinander, die durch die Flügel, die sowohl zu Nike als auch zum Engel gehören, verbunden werden. Heiden und Christen, ein Beispiel für die ewige Gegenwart Roms.

«Die Vergleiche in Rom widerspiegeln die gesamteuropäische Wahrnehmung und machen Rom damit zu einem Beispiel westlicher Zivilisation», ordnet Lochman Roms Rolle ein. Bezeichnend sei dabei auch die Rolle der Frau. Keine Stadt ist mehr Symbol für männliche Macht und würdigt gleichzeitig die Figur der Frau so ausführlich mit unzähligen Frauen-Skulpturen.

Kunst als Kommunikationsmittel

Nicht die Frauenbilder, sondern vielmehr Herrscherporträts aus verschiedenen Jahrhunderten dienten in der Antike der Idealisierung und Inszenierung ihrer selbst. Die Büsten der Mächtigen zeigen oft nämlich nicht, wie Alexander der Grosse, römische Kaiser, Bischöfe, Päpste oder Feldherren tatsächlich aussahen, sondern das Bild, das sie von sich vermitteln wollten. Skulpturen waren vor der Einführung der elektronischen und gedruckten Medien das mächtigste Kommunikationsmittel.

Den Anfang nahm diese Art der Darstellung im Hellenismus, fand ihre Weiterentwicklung in der römischen Kaiserzeit und wurde in den späteren Jahrhunderten stets weitergeführt. «Das Fortleben der Mythen», oder die Antike als Vorbild, auch dies ist ein Dauerthema der Geschichte. So sehr sogar, dass das Antikenmuseum in einen römischen Palazzo verwandelt wird.

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