Nach schweren Vorwürfen
Das Unternehmen Mitte entlässt beschuldigten Koch – für Gewerkschaft ist das Thema damit aber nicht erledigt

Nach mehreren Medienberichten und Protestaktionen reagiert die Geschäftsleitung nun auf eine Forderung der ehemaligen Mitarbeitenden.

Helena Krauser
Drucken
Teilen
Am Samstag fand eine Protestaktion vor dem Kaffeehaus statt.

Am Samstag fand eine Protestaktion vor dem Kaffeehaus statt.

Bild: zVg

Nach den schweren Vorwürfen gegenüber der Geschäftsleitung des Unternehmen Mitte wird der beschuldigte Koch nun entlassen. «Nach eingehender Prüfung und Diskussion wurde der Beschluss gefasst, das Arbeitsverhältnis mit dem Mitarbeitenden, gegen den mehrere Vorwürfe wegen sexueller Belästigung vorliegen, aufzulösen», heisst es in der Mitteilung, die der bz vorliegt. Der Mitbegründer des Unternehmen Mitte, Daniel Häni schreibt: «Die gesamte Geschäftsleitung des Unternehmen Mitte distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Form der sexuellen Belästigung und Mobbing. Verstösse werden nicht toleriert und konsequent geahndet.»

Die Geschäftsleitung suche aktuell die Zusammenarbeit mit einer unabhängigen externen Meldestelle für Themen wie sexuelle Belästigung und Mobbing, an die sich Mitarbeitende zusätzlich wenden können

Drei Punkte Plan soll Vertrauen wieder herstellen

Um das verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen, hat die Geschäftsleitung einen Drei-Punkte Plan zur Erneuerung des Unternehmens verabschiedet. Alle Vorwürfe gegen das Unternehmen und die Geschäftsleitung sollen selbstkritisch untersucht werden.

Ausserdem werde ein Krisenstab weitere nötige Massnahmen erarbeiten und mit der Geschäftsleitung umsetzten. Und mit allen Mitarbeitenden und allen relevanten Ansprechpartnern werde der offene Austausch intensiviert.

Die Vorwürfe betreffen nicht ausschliesslich den Übergriff

Ehemalige Mitarbeitende kritisieren die Geschäftsleitung für ihre Führungskultur. Sie hätte unzureichend reagiert, als eine Mitarbeiterin mitteilte, dass ein Koch ihr gegenüber sexuell übergriffig wurde. Gemäss den Aussagen der Mitarbeiterin hat die Geschäftsleitung den Koch geschützt und ihr gekündigt. Die bz berichtete.

Ausserdem verteilten die ehemaligen Mitarbeitenden und die Interprofessionelle Gewerkschaft der ArbeiterInnen (IGA) bei einer Protestaktion, die am Samstag stattfand einen offenen Brief, der weitere angebliche Missstände im Bereich der persönlichen finanziellen Bereicherung, so wie der trügerischen Biodeklaration beschreibt.

Für Kritiker ist die Entlassung nicht genug

Die Forderungen der IGA und der ehemaligen Mitarbeitenden sind damit allerdings noch nicht vollständig erfüllt. «Es ist gut, dass diese Entscheidung getroffen wurde, aber erledigt ist das Thema für uns damit nicht» sagt der Sprecher der Gewerkschaft. Die Kritik richte sich nicht nur gegen den Koch sondern auch gegen den Umgang der Geschäftsleitung mit dem Vorfall. «Deshalb wünschen wir uns, dass bei der internen Aufarbeitung auch externe Personen hinzugezogen werden.»

Die betroffene Mitarbeiterin kann sich nicht zu dem Schreiben der Geschäftsleitung äussern. Nachdem sie am Mittwochmorgen wegen ihrer Strafanzeige gegen den Koch von der Staatsanwaltschaft vorgeladen wurde, unterliegt sie der Schweigepflicht.

Aktuelle Nachrichten