Ausstellung

170 Berge unter einem Basler Dach

Der Antiquitätenhändler Roland Petitjean zeigt die schwindelerregendste Ausstellung dieses Herbstes bei sich daheim.

Über 170 Berggipfel auf einen Blick: Wer das spektakulärste Panorama der Schweiz geniessen will, kann das bequem im Schatten der Pauluskirche tun. Dort zeigt der Basler Antiqui­tätenhändler Roland Petitjean eine Verkaufsausstellung, die es in sich hat. Im Geburtshaus des Händlers hängen auf drei Stockwerken Gemälde, Drucke und Stiche mit mehr Viertausendern, als sich selbst ambitionierte Wanderer je zutrauen würden. Dabei braucht es nicht ­einmal besondere technische Vorkenntnisse: Treppensteigen genügt.

Und Petitjean erweist sich als unermüdlicher und begeisternder Bergführer, wenn er die Qualitäten seiner Ausstellung preist. So verschieden, wie sich Menschen durch das Gebirge bewegen, sind auch die Ein­drücke, die er zusammengetragen hat: Hier türmen sich expressionistische Gipfel in den Himmel, dort schäumt wild­romantisch ein Bach, und nur ein paar Schritte weiter zerschmilzt ein Bergmassiv in zartesten Pastelltönen.

Verschobener Start wegen Coronakrise

Vor einem Jahr habe er die Idee zur Ausstellung gehabt, sagt Petit­jean in gepflegtem Baseldeutsch. «Ich beschloss, die Alpen und den Jura zu zeigen», erklärt der Händler, worauf er ein Inserat in einer Fachzeitschrift schaltete und die ganze Schweiz nach Landschafts­gemälden absuchte. Allein von einem 84-jährigen ehemaligen Bergsteiger aus dem Berner Oberland kaufte Petitjean über 30 Bilder, weitere nahm er in Kommission. «Wegen der Corona-­Geschichte musste ich den Start verschieben. So wuchs die Ausstellung.»

Die Lust am Sammeln trieb den Händler, der seinen Beruf seit 50 Jahren ausübt, schon in Jugendjahren um. «Es fing mit Münzen und Briefmarken an, später reiste ich viel ins Tessin und besuchte Antiquitätenhändler, die mir mit ihrem Fachwissen halfen», erinnert sich Petit­jean. Die Leidenschaft für Berge führt er direkt auf seinen Vater zurück, der mit seiner ­Familie oft nach Grindelwald reiste. «Mein Vater hatte zwar nur eine Hand, aber das hinderte ihn nicht daran, das Matterhorn zu besteigen.» Mit dem Mönch hat Petitjean selbst einen Viertausender bestiegen.

Für seine Ausstellung legte der Händler ein klares Qualitätsmerkmal fest: «Viele Künstler arbeiten mit Licht, Schatten und Nebel, einige rücken auch Weiden mit Schwingern oder Tannen in den Vordergrund. Wichtig ist aber immer, dass man den Berg erkennt.» Viele dieser Berge sind gleich mehrfach vertreten, zahlenmässig zu den Favoriten gehören Eiger, Mönch und Jungfrau sowie das Wetterhorn. «Auch das Matterhorn ist so ein Berg, den man gernhaben muss, egal, ob man schon einmal dort war oder nicht.»

Doch sind längst nicht alle Motive hochalpin, wie der Ausstellungstitel verrät; dazwischen findet sich auch die eine oder andere Impression vom Gempen oder von der Landskron. Selbst der Bachgraben hat es dank Jura-­Gebirgszügen im Hintergrund in die Ausstellung geschafft, gemalt zu einer Zeit, als der Stadtrand bei Kindern noch für sein Fliessgewässer bekannt war und nicht für die Badi.

Die Bilder überragen oft ihre Maler

Während sich die Namen der Gipfel mit Hilfe von Experten meist ermitteln lassen, ist das bei der Urheberschaft der Bilder nicht immer so: Auch wenn die Berglandschaften nur aus Farbe sind, überragen sie oft ihre Maler. «Es gibt in der Ausstellung viele namhafte Schweizer Künstler», erklärt Petitjean, «aber auch viele gute Maler, die nicht bekannt sind.» Einige Bilder sind unsigniert – und ein ganz besonderes trägt sogar einen falschen Namen.

«Das habe ich in einem Restaurant in Balsthal entdeckt», erzählt der Händler schmunzelnd und zeigt auf ein harmlos wirkendes Gemälde, in dessen Vordergrund Kühe weiden. «Es gefiel mir, weil darauf das ­Wetterhorn und der ganze Metten­berg zu sehen sind. Das ist selten.»

Als Petitjean beim Restaurantbesitzer Erkundigungen über das Bild einholte, fragte ihn dieser, ob er wisse, von wem es stamme. «Ich sagte Ja, ich hätte die Signatur von Cuno Amiet gelesen. Aber das könne nicht sein.» Wie sich herausstellte, war der Grossvater des Besitzers wegen eben dieser dubiosen Zuschreibung in einen Gerichtsprozess verwickelt gewesen. «Jetzt gehört das Bild mir», freut sich Petitjean.

Zu den ausgestellten Basler Künstlern gehören unter anderen Burkhart Mangold, Rolf ­Vollé und Albert Fürth. Letzteren hatte der Händler persönlich gekannt, da er viel in der «Harmonie» verkehrte – unmittelbar neben dem ersten Antiquitätengeschäft, das Petitjean an der Rosshofgasse führte. «Ich fand seine Bilder so schön, dass ich stets neue erworben habe.» Selbst nach Fürths Tod kaufte Petitjean weiter: «Wenn ich etwas von ihm auf einem Flohmarkt fand, nahm ich es mit nach Hause.»

Kein Berg ohne Höhen­rekord. Wie tief aber muss für die Kunstwerke in die Tasche gegriffen werden? «Es sind keine verrückten Beträge», erklärt Petit­jean und setzt den Mindestpreis bei 200 Franken an. Das teuerste Gemälde kostet 7500 Franken und zeigt die Jungfrau. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und damit aus jener Zeit, als Touristen den ästhetischen Reiz der Schweizer Alpen erstmals entdeckten.

«Die Schweizer Alpen und der Jura».
Bis 20. Dezember.
Besichtigung nach Voranmeldung:
www.petitjean-antiquitaeten.ch

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