Jubiläum

140 Jahren Waldenburgerbahn: Ein Rückblick vor der geplanten Erneuerung

Die Waldenburgerbahn steht vor ihrer grössten Erneuerung. Der letzte Bahnhofsvorstand, Hans Seiler, blickt zurück auf die WB von einst.

Was würde Gedeon Thommen, der Gründer der Waldenburgerbahn (WB), wohl sagen, könnte er sehen, wie sich seine Bahn in den letzten 140 Jahren entwickelt hat? Am 1. November 1880 wurde mit zwei Dampflokomotivchen der fahrplanmässige Betrieb zwischen Liestal und Waldenburg aufgenommen. Und nun steht die WB, die als Linie 19 zur Baselland Transport (BLT) gehört, vor dem grössten Umbruch ihrer Geschichte. In gut fünf Monaten beginnt der Umbau von 75 Zentimetern Spurbreite auf die Meterspur.

Ein Zeitzeuge des letzten halben Jahrhunderts WB-Geschichte ist Hans Seiler aus Oberdorf. 37 Jahre lang ar­beitete er für die Waldenburgerbahn. Als letzter Bahnhofvorstand von Waldenburg ging er 1999 in Pension. «Kurz zuvor taufte man jedoch dieses Amt in ‹Dienststellenleiter› um, sodass ich in dieser Funktion in Rente ging», berichtet der rüstige Senior, der sich mit täglichen Wanderungen fit hält. Seine 87 Lebensjahre merkt man seinem hellwachen Geist nicht an.

Harte Lohnverhandlungen in den 60ern

«Als ich 1962 mit 28 Jahren als Kondukteur anfing, bekam ich 700 Franken Monatslohn», erinnert sich Seiler an die kargen Löhne bei der WB. Nacht- und Ferienzulagen gab es erst, als Arnold Fuchs 1965 zum Direktor gewählt wurde. Die Lohnverhandlungen waren sehr schwierig: «Der Verwaltungsratspräsident Dr. Straumann war unerbittlich. Er wollte uns kein ‹Fünfi› mehr geben. Dem Personal halfen besonders Nationalrat Paul Wagner aus Zunzgen, der spätere Regierungsrat Eduard Belser aus Lausen und der Anwalt Dr. Gass aus Liestal.» Seiler engagierte sich in der Sektion Waldenburg des Schweizerischen Eisenbahnerverbandes (SEV), der er bis heute angehört.

Später wechselte Seiler in den Stationsdienst, wo er den Billettverkauf am Schalter und die Zugabfertigung übernahm: «Ich arbeitete zuerst am Bahnhof Liestal und auch in Basel, um dieses Metier zu lernen. Bei den SBB machte ich die Schulungen. Damals hatten wir auch noch ein Reisebüro am Bahnhof Waldenburg.»

Treue Bahnkunden waren italienische Arbeiter. Für ihre Heimreise kamen sie zu Hans Seiler: «Ich konnte etwas Italienisch. Da standen sie Schlange im Bahnhof. Wir mussten alle Billette selber schreiben. Es gab noch keinen Computer.»

1970 brachte die Gruppe «Eurovapor» eine österreichische Dampflokomotive zur WB, um Nostalgiezüge zu führen. Seiler hat sie nicht in guter Erinnerung: «Das war schlimm, die drückte uns alle Weichen auseinander, weil sie auf 76 statt auf 75 Zentimetern Spurweite gebaut war. Wir hatten viele Schäden.»

Noch gut erinnert er sich auch an die Zeit der Gütertransporte auf der Schiene, die im Dezember 1984 endete. «Für die Industrie im Tal lieferten wir schwere Holzkisten an. Schäublin in Oberdorf holte diese vom Güterwagen auf der Station ab. Ski und Velos für die Schmutz Sport luden wir direkt vor dem Geschäft aus. Die Palettierung brachte nochmals einen Anstieg. Die Kofferfabrik Egob in Oberdorf schickte pro Tag 13 oder 14 Paletten weg.»

Früher wurde auch Vieh auf der Bahn transportiert

Ganz am Anfang seiner WB-Zeit erlebte Seiler auch noch, wie Vieh mit der Bahn transportiert wurde: «Säuli und Kälber wurden in den kleinen Zweiachs-Wagen nach Liestal gebracht und dort in die SBB-Wagen umgeladen. Einmal ist ein Kalb entwischt und bis ins Stedtli gerannt!» Auch Post wurde in zwei speziellen Bahnpostwagen befördert. Der letzte Bahnpost-Zug verliess Waldenburg am 29. Mai 1992 mit dem DZ 70, wie Seiler dokumentiert hat.

Nur eines kam für den Eisenbahner nicht in Frage: «In den Führerstand wollte ich nie!» Mehrmals habe ihn Depotchef Vogt dazu gedrängt, aber Seiler lehnte immer ab. «Da hätte ich ständig Ablösungen machen müssen.»

Als Freizeitbeschäftigung gründete er mit Kollegen den Kegelklub Schmalspur. «Wir waren Spitzenkegler und gewannen in der ganzen Schweiz Meisterschaften.» Die gewonnenen Kränze hat er ebenso wie alle seine WB-Mützen fein säuberlich aufbewahrt.

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