Tesla Model3
Marathon bei Eis und Schnee

Dank einer Wärmepumpe soll das Model3 von Tesla auch bei eisiger Kälte noch mehr als genug Reichweite bieten. Wir probieren es aus!

Philipp Aeberli
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Dank Allradantrieb und gut funktionierender Heizung über die Wärmepumpe ist das Tesla Model3 der neuesten Generation uneingeschränkt Wintertauglich.

Dank Allradantrieb und gut funktionierender Heizung über die Wärmepumpe ist das Tesla Model3 der neuesten Generation uneingeschränkt Wintertauglich.

Bild: pae

Hierzulande ist das Model 3 von Tesla seit Anfang 2019 zu haben. Produziert wird der Mittelklasse-Stromer aber schon seit Juli 2017. Mit inzwischen mehr als 500 000 verkauften Einheiten hat sich der kleinste Tesla inzwischen zum meistverkauften E-Auto der Welt gemausert; in der Schweiz wurde das Model 3 mehr als 8500-mal verkauft. In der Zulassungsstatistik 2020 kommt es per Ende November auf Platz vier – und liegt damit noch vor dem VW Golf!

Nach mehr als drei Jahren Bauzeit ist bei den meisten Herstellern eine grosse Modellpflege angesagt. Doch bei Tesla läuft wie gewohnt alles etwas anders. Seit der Lancierung in Europa wurde das Model 3 mit zahlreichen kostenlosen «Over-the-Air-Updates» stetig und automatisch verbessert. Mehr als 70 Verbesserungen und neue Funktionen kamen seither ins Auto: vom Totwinkelwarner über neue Spiele auf dem Touchscreen bis hin zu einer leichten Leistungssteigerung. Über die Software lässt sich bei diesem Auto fast alles realisieren.

Einige Details hat Tesla nun aber doch angepasst; seit Ende Oktober rollt das Model 3 mit einer leichten Überarbeitung vom Band. Sofort erkennbar sind die Fensterzierleisten, die nicht mehr in Chrom-Optik, sondern in Matt-Schwarz gehalten sind. Auch im Innenraum gibt es nun weniger Glanz: Statt Klavierlack, der empfindlich auf Kratzer und Fingerabdrücke reagiert, gibt es nun ebenfalls matte Flächen sowie eine überarbeitete Mittelkonsole mit integrierter kabelloser Lademöglichkeit für zwei Smartphones. Zudem spendiert Tesla dem Model 3 eine elektrische Heckklappe und schallisolierende Doppelverglasung an den vorderen Seitenscheiben.

Die wichtigste Neuerung macht sich zunächst durch einen leicht verkleinerten vorderen Kofferraum bemerkbar. Denn hier verbaut Tesla nun eine Wärmepumpe anstelle der bisherigen Hochvoltheizung. Eine Wärmepumpe verdichtet das Kühlmittel in einem geschlossenen Kreislauf. Durch den hohen Druck entsteht Wärme, die zum Heizen von Batterie und Innenraum genutzt wird. Der grösste Vorteil dieses Systems: Es verbraucht deutlich weniger Strom. Das sorgt bei einem E-Auto für weniger Verbrauch und damit mehr Reichweite unter winterlichen Bedingungen.

Das Tesla Model3 auf dem Julierpass.

Das Tesla Model3 auf dem Julierpass.

Bild: pae

Test in der kalten Realität

Laut WLTP-Norm, welche bei einer Umgebungstemperatur von 23 Grad ermittelt wird, soll das Model 3 «Long Range» mit Allradantrieb 580 Kilometer mit einer Batterieladung schaffen. Um zu testen, wie nahe der kalifornische E-Wagen der Werksvorgabe im Schweizer Winter kommt, wird der Akku am Supercharger in Dietikon ZH komplett vollgeladen. 532 Kilometer Reichweite verkündet der Bordcomputer, der mit einem fix einprogrammierten Durchschnittsverbrauch rechnet und damit weder Temperatur noch Streckenverlauf miteinberechnet. Wer eine genauere Prognose will, erhält diese, nachdem das Navi die Route berechnet hat. Als erstes Zwischenziel soll es auf den Julierpass gehen; 204 Kilometer entfernt, fast 1900 Höhenmeter weiter oben – und schneebedeckt bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. 36% Batterieladung bei der Ankunft auf dem Pass sagt der Computer voraus.

Auf der Autobahn Richtung Chur pendelt sich der Verbrauch bei rund 18 kWh/100 km ein. Damit wären rund 400 Kilometer mit einer Akkuladung (75 Wh) möglich – bei um die 5 Grad Aussentemperatur und auf Winterreifen ein beachtlicher Wert. Doch wartet nun die eigentliche Herausforderung auf das E-Auto: die Steigungen von Tiefencastel bis hinauf zum Julierpass. Am Marmorera-Stausee hat sich der Verbrauch schon auf über 20 kWh/100 km erhöht, der Akku ist noch zu 44% voll. Auf den letzten 600 Höhenmetern bis zur Passhöhe steigt der Verbrauch noch weiter auf rund 22 kWh/100 km – und die versprochenen 36% Akku stehen auf der Anzeige.

Wir setzen die Fahrt in Richtung St.Moritz fort. Beim Hinunterfahren kann der Tesla wieder etwas Energie zurückgewinnen, sodass wir mit unverändertem Akkustand im Skiort ankommen. Dort gäbe es eine Tesla-Schnellladestation. Doch der Ehrgeiz ist geweckt: Reicht die Akkuladung auch noch für den Rückweg ins Flachland? Schliesslich sollte dieser deutlich weniger energieintensiv sein. Als Ziel setzen wir den Tesla-Supercharger in Affoltern am Albis; der erste Standort in der Schweiz, an welchem die amerikanischen E-Autos mit bis zu 250 kW Ladeleistung Strom tanken können; so kommt in fünf Minuten Energie für 100Kilometer in den Akku. Doch zuerst heisst es: ankommen.

Das Navi empfiehlt automatisch einen Zwischenstopp am Supercharger in Maienfeld. Den lassen wir aber bewusst aus, reduzieren dafür zum ersten Mal die Heizung auf 19 statt 21 Grad und bleiben etwas unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. So rollt der Tesla mit 1 Prozent Reststrom im Akku auf den Ladeplatz – nach 430 Kilometern ohne Laden!

430 Kilometer ohne Ladestopp! Im Optimalfall lädt der Tesla in fünf Minuten 100 Kilometer Reichweite nach. Nach dem Extrem-Test ist der Akku allerdings kalt und die Geschwindigkeit muss gedrosselt werden.

430 Kilometer ohne Ladestopp! Im Optimalfall lädt der Tesla in fünf Minuten 100 Kilometer Reichweite nach. Nach dem Extrem-Test ist der Akku allerdings kalt und die Geschwindigkeit muss gedrosselt werden.

Bild: pae

Tesla Model 3 LR

Motor: 2× E-Maschine

Leistung: 440 PS/493 Nm

Antrieb: Aut. 1-Gang, 4×4

L×B×H: 4694×1849×1436 mm

Kofferraumvolumen: 425 l

Gewicht: 1847 kg

0–100 km/h: 4,4 Sek.

Vmax: 233 km/h

Reichweite WLTP: 580 km

Preis: ab 54990 Franken

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