Auto

Schwarze Magie

Mercedes-AMG GT Black Series.

Mercedes-AMG GT Black Series.

Mercedes-AMG adelt den GT mit dem legendären Zusatz «Black Series» – und macht ihn zum Rennwagen mit Strassenzulassung.

«Black Series». Mit diesem bösen Namenszusatz scheint Mercedes die schwarze Magie herbeizuwünschen; denn sie wird nur selten vergeben – und zwar an die absoluten Überflieger einer Modellreihe. Die Geschichte der «schwarzen Serie» begann 2006 mit dem SLK 55 AMG – und gipfelte zuletzt im spektakulären Flügeltürer SLS AMG Black Series von 2013.

Nach sieben Jahren Abstinenz haben die AMG-Ingenieure nun wieder ihren Drang zur schwarzen Magie ausgelebt – und präsentieren den GT Black Series. Und der kommt stärker, radikaler und spektakulärer denn je, wenn er ab Anfang 2021 in limitierter Auflage zu haben sein wird – für mindestens 379000 Franken! Der Preis ist also genauso spektakulär, wie das Auto selbst. Dennoch stellt sich die Frage, womit sich der Aufpreis von mehr als 160 000 Franken zum bisherigen Topmodell der Baureihe rechtfertigt. Die kurze Antwort auf diese Frage: Es wurde fast alles am GT verbessert und verändert, was ihn auf der Rennstrecke schneller macht. Und das mit hohem Aufwand.

Mehr Leistung

Es ist naheliegend: Mehr Leistung sorgt für bessere Rundenzeiten. Deshalb hat AMG den 4,0-Liter-V8-Motor radikal überarbeitet. Die Innereien des Triebwerks wurden fast komplett erneuert. Wichtigstes Bauteil ist die neue, «flache» Kurbelwelle. Sie ändert die Reihenfolge, mit welcher die Zylinder gezündet werden. Das sorgt zunächst für einen komplett anderen Klang: Der V8 kreischt wie in einem italienischen Sportwagen – statt zu blubbern, wie man es von amerikanischen Achtzylindern kennt. Viel wichtiger aber: Das Triebwerk verkraftet höhere Drehzahlen und generiert dort mehr Leistung: 730 PS und 800 Nm sorgen für gigantischen Vortrieb und lassen die langen Geraden auf dem Lausitzring, wo der GT Black Series für erste Testfahrten bereitstand, in Windeseile schrumpfen. Auch wenn die Kraft auf den Geraden beeindruckt – bei der Entwicklung stand die Beschleunigung nicht an erster Stelle. Viel mehr ging es darum, den GT deutlich schneller um die Kurve zu kriegen.

Mehr Grip

Für bessere Kurvendynamik sorgen zunächst das komplett einstellbare Gewindefahrwerk mit adaptiven Dämpfern und die in zwei Mischungen bestellbaren Sportreifen, die für den Rennstreckeneinsatz auf trockener Strecke optimiert sind, auf der Strasse aber gerade noch legal gefahren werden dürfen. Augenfälliger sind die Veränderungen an der Karosserie. Diese wurde konsequent auf Abtrieb getrimmt; bei 250 km/h wird das Auto mit 400 kg zusätzlich auf die Strasse gedrückt, bei Höchstgeschwindigkeit sollen es gar 800 kg sein. Die Knacknuss dabei: Mehr Abtrieb heisst auch mehr Luftwiderstand. Für Aerodynamik-Entwickler Dr. Gustavo Estrada geht es also darum, die aerodynamische Effizienz zu steigern; also möglichst viel Abtrieb zu generieren und dabei den Luftwiderstand so gering wie möglich zu halten. Dafür wurde jede noch so kleine Kante am Sportwagen genauestens unter die Lupe genommen. Durch die grossen Entlüftungsschlitze an den vorderen Radhäusern und den grossen, ausklappbaren Diffusor an der Front generiert der Wagen viel Abtrieb an der Vorderachse – ohne dadurch die Hinterachse zu entlasten.

Der Unterboden ist fast vollständig verkleidet und mit zahlreichen Leitblechen versehen, so dass Abtrieb generiert und warme Luft abgesogen wird. «Am Turbolader herrschen bis zu 1000 Grad Celsius; diese Hitze muss weg. Darum ist der Unterboden nicht komplett verschlossen.

Der Kühler wurde stark geneigt in die Front verbaut – wodurch ein grösserer Kühler Platz findet. «Drei Kubikmeter Luft strömen hier durch – pro Sekunde!», erwähnt Estrada. Wie weit ins Detail man bei der Aerodynamik ging, zeigt ein kleines Detail an der Front. Selbst die Befestigung des Kühlergrills wurde so konstruiert, dass sie bei hoher Geschwindigkeit für zwei Kilogramm zusätzlichen Anpressdruck sorgt. Am Heck sorgen ein breiter Diffusor, der die Luft unter dem Auto weg leitet, und ein doppelstöckiger Flügel für mehr Haftung; ein bewegliches Element im Heckspoiler passt die Balance laufend auf die Fahrsituation an, was mit zur erstaunlichsten Eigenschaft am jüngsten Modell der «Black Series» beiträgt: Trotz 730 PS und reinem Heckantrieb ist die Flunder überraschend einfach zu fahren. Der Grip ist enorm, die Bremse unerbittlich und die elektronischen Regelsysteme sind so fein abgestimmt, dass sie kaum spürbar eingreifen, sollte es nötig sein.

Das hilft dem Fahrer, sich auf Strecke und Auto zu konzentrieren, sollte er sich tatsächlich auf die Rennstrecke wagen mit dem GT Black Series. Denn auch wenn der sündhaft teure Renner eine gute Wertanlage sein dürfte: Nur auf einer abgesperrten Rennstrecke macht er wirklich sinn. Für die Strasse ist er zwar zugelassen – aber eigentlich viel zu schnell.

Meistgesehen

Artboard 1